Scan 500
Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904
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1entdeckten Holze der Balsamfichte Geigen gemacht hat. Er berücksichtigte dabei die leichtere und zartere Structur dieser harzarmen Fichtenholzart, und der Erfolg war in jeder Beziehung zufriedenstellend. Ein Quartett mit Balsamfichtendecken von ihm erhielt in Bologna den ersten Preis. Er glaubt, dass die alten Meister dieses Holz auch verwendet haben dürften, wenn sie es gerade zur Hand hatten, und findet, dass man mit der jetzt zu Tage tretenden Missachtung der Balsamfichte ebenso über das Ziel schießt wie vorher, als man sich den übertriebensten Hoffnungen hingab. Patzelt ist ein würdiger Sohn seines trefflichen Vaters, ein feiner Kenner und tüchtiger Geiger. Seine Arbeiten finden uneingeschränktes Lob. Er verwendet eine Brandmarke:
3Patzelt, Gebrüder. — Berlin. 1876. 1887.
4Nach dem Tode von Joh. Ferd. Patzelt begründeten seine Söhne die etwa ein Jahrzehnt bestehende Firma 'Gebr. P.' Ferdinand P. siedelte jedoch nach Dresden über, sein Bruder führte das Geschäft noch bis 1887 in Berlin fort und ging dann auch nach Dresden, trat aber bald aus Unlust am Geigenmachen aus der Firma wieder aus und widmet sich seitdem 'der Lösung automobiler Probleme'.
6Patzelt, Johann Ferdinand. — Wien, Berlin. Geb. 1828 in Budapest, † 1876 in Berlin.
7Schüler seines Vaters Ferdinand P. Als Gehilfe arbeitete er eine Zeit lang bei Engleder und bei Schulz in Regensburg und trat nach seiner Heimkehr im väterlichen Geschäfte als Theilhaber ein. Nach seiner Verheirathung siedelte er nach Wien über, wo er ein besseres Fortkommen und mehr künstlerische Anregung zu finden hoffte, da er gerade von den Wiener Geigenmachern stets besonders gelobt wurde. Als er aber kam und sich um das Wiener Meisterrecht bewarb, wurden ihm die grössten Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Durch seine Tüchtigkeit und seinen lauteren Charakter erwarb er sich sehr bald die Achtung und Freundschaft aller Fachgenossen. Im Jahre 1862 erhielt in London eine Medaille, und als 1866 Helmich in Berlin starb, wurde er als künstlerischer Leiter der Grimm'schen Werkstatt dorthin berufen. Er war ein feiner Künstler, ein tüchtiger Geiger und ein genauer Kenner der alten Meisterwerke. In manchen seiner Geigen findet sich ein zweiter Zettel mit dem Spruch:
8'Fluch jeder Hand, die im Unverstand
9Von der Geig' was scheert, die ist nichts werth.'
11Hellmesberger besass ein vorzügliches Quartett von ihm; Laub und Miska Hauser spielten mit Vorliebe seine Geigen, und sein Sohn besitzt noch jetzt eine Viola von ihm aus dem Jahre 1862, die in jeder Beziehung ausgezeichnet ist.
13Paul, Johann Balthasar. — Klingenthal. 1737.
14Nur aus den Innungslisten als Geigenmachermeister bekannt.
16Paul, Johann Christoph. — Klingenthal. 1776.
17Sohn von Johann Balth. P. Er arbeitete mittelmässig nach dem Hopf-Modell.
19Pauli, Antoni. — Tachau. 1707. 1723.
20Ein trefflicher Geigenmacher, der ein breites Modell bevorzugte und einen dicken, gelblichen Lack anwendete. In der kgl. Sammlung in Berlin befindet sich eine Viola d' amore von ihm aus dem Jahre 1718 von ausgezeichneter Arbeit, mit gemaserten Zargen und einem Löwenkopf am Wirbelkasten (No. 862).
22F. PATZELT.
23DRESDEN.
241899
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