Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 554

Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904

11 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 532. See the scan on archive.org.

1minderwerthig genannt werden dürfen. Er arbeitete ungemien gewissenhaft und sorgfältig und verstand sich gut auf das Holz, wenn auch seine Ansicht, dass das Holz, wenn es fünf Jahre lang zugeschnitten gelagert habe, fertig zum Geigenmachen sei, nicht allgemein getheilt wird. Gewöhnlich verwendete er Spirituslack mit einem kleinen Zusatz von Terpentinöl. Im Ganzen hat er über 1600 neue Geigen gemacht, und es wird kaum einen Geigenmacher in Deutschland geben, der mehr italienische Meisterinstrumente reparirt hat, als er; darunter sollen mindestens 300 "echte Stradivari" gewesen sein. Daher konnte man seine Werkstatt auch als eine Hochschule für junge Geigenmacher ansehen; denn eine bessere Gelegenheit, sich zu vervollkommnen, als bei Riechers zu arbeiten, gab es damals nirgends. Er war ein wirklicher Kenner und hat auch eine kleine Schrift "Die Geige und ihr Bau" hinterlassen. Auch als Bogenmacher war er ausgezeichnet, kurz, ein echter Künstler, der auch schon in der äusseren Erscheinung für sich einnahm. Gussow hat ihn in seiner Werkstatt gemalt.
3August Riechers fecit
4Berlin № 346.
6Riedel, Joseph Alexander. — Braetz, Meseritz, Danzig. Geb. am 15. Sept. 1810 in Weissig (Kreis Steinau in Schlesien), † 1866 in Danzig an der Cholera.
8Einer der besseren deutschen Geigenmacher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er erlernte ursprünglich in Glogau das Tischlerhandwerk und liess sich als Tischlermeister 1832 in Braetz (Kr. Meseritz) nieder, wo er am 23. Dec. 1834 auch das Bürgerrecht erwarb. Schon als Knabe wollte er immer Geigenmacher werden, und als ihm in den vierziger Jahren der Meseritzer Kreisphysikus Dr. Kessler eine Geige zur Reparatur anvertraute, erwachte seine alte Leidenschaft wieder. Er führte nicht nur die Reparatur zu allseitiger Zufriedenheit durch, sondern fertigte auch eine über Erwarten gelungene Copie der Geige an. Er fand nun an Dr. Kessler einen warmen Freund und Gönner, der ihm alle Lehrbücher des Geigenmachens verschaffte und ihm in jeder Weise an die Hand ging. Er suchte die besten Instrumente, deren er habhaft werden konnte, zu copiren, studirte ihre Vorzüge mit Eifer und wissenschaftlichem Ernste, und unterstützt von einer seltenen Handgeschicklichkeit brachte er es bald zur vollen Meisterschaft. Als 1850 Riedel's Frau starb, gab er seine Tischlerei ganz auf und verlegte sich von da an ausschliesslich auf das Geigenmachen. Schon in den ersten Jahren seiner Kunstübung hatte er die Genugthuung, dass ihm von einem polnischen Grafen eine Geige gezeigt wurde, die dieser als echte Stradivari gekauft hatte, die Riedel aber sofort als seine eigene Arbeit erkannte. Im Jahre 1854 wurde er vom kgl. preuss. Handelsministerium durch eine Geldprämie von 100 Thalern ausgezeichnet und verlegte am 30. Dec. 1855 seinen Wohnsitz in die Kreishauptstadt Meseritz. Dort arbeitete er, fleissig studirend, weiter und baute von 1859—1863 auch Orgeln. In letztgenanntem Jahre siedelte er nach Danzig über, wo er leider schon nach drei Jahren der Choleraepidemie zum Opfer fiel*). Im Anfang betrieb er das Geigenmachen ganz wie die alten Tyroler Meister, indem er im Winter jährlich etwa 15 Geigen machte, mit denen er dann im Sommer auf Reisen ging; aber auch später arbeitete er mit grösster Sorgfalt, so dass er, da er jedes Instrument von Grund aus selbst machte, im Jahre selten über 20 Instrumente (Violinen, Bratschen und Violoncelli) fertigmachte. So ist die Arbeit an allen seinen Geigen bis ins Kleinste tadellos; weniger gut ist sein Lack, der (meist goldgelb) nicht das Feuer der italienischen Geigen besitzt. Er bevorzugte das Guarneri-Modell, arbeitete
10*) Seinen Nachlass kaufte Hof-Instrumentenmacher Grimm in Berlin.

The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.