Scan 682
Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904
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1das Jahr 1514 erfährt man aus einem Decret Heinrichs II. vom Januar 1558, durch welches Caspar zum französischen Bürger aufgenommen wird. Diese Daten bestätigt auch Pierre Woeriot's Portrait des Meisters, das ihn im Alter von 48 Jahren zeigt. Das Wenige, was über ihn festzustellen war, verdankt man Dr. Henry Coutagne, der in seiner interessanten Schrift die Ergebnisse seiner Forschungen mittheilt und dadurch alle früher aufgestellten Behauptungen zu Fall brachte. Auf Rosen war demnach Caspar nicht gebettet; er hatte oft mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, und seine Frau Barbe Homeau, von der er mehrere Kinder hatte, lebte als Wittwe in grossem Elend. Die ihm mit einiger Wahrscheinlichkeit zugeschriebenen Arbeiten zeichnen sich vornehmlich durch ihre reiche Verzierung aus, und es ist nicht gut einzusehen, warum man gerade ihn zum Erfinder der heutigen Violine machen wollte. Man kann nur annehmen, dass er verschiedene Lyren gemacht hat, und die Ähnlichkeit der Lyra mit der Violine hat dazu geführt, die Meinung aufkommen zu lassen, er habe auch die ersten Violinen hergestellt. Man kennt auch tatsächlich sechs Violinen, die als seine Arbeit galten, aber alle sechs haben sich als Fälschungen neueren Datums erwiesen und sind wahrscheinlich in ihrer Art geniale Machwerke, z. B. Vuillaume's*). Als Fälschungen erweisen sie sich auch durch ihre Zettel mit Jahreszahlen, die lange vor der Geburt Caspar's liegen oder Bologna als Wohnsitz angeben. In Italien ist Caspar wohl nie gewesen; mehr Wahrscheinlichkeit hat die Vermuthung Jacquot's, dass er sich um 1560 am Hofe des Herzogs Carl III. von Lothringen in Nancy aufgehalten habe. Es wird auch von ihm behauptet, dass er ursprünglich Mosaikarbeiter gewesen sei; ob dies der Fall ist, fällt nicht ins Gewicht; die übrigen Erzählungen aber, die davon berichten, dass er für König Franz I. gearbeitet habe etc., erweisen sich schon durch das Geburtsdatum Tieffenbrucker's als falsch. Interessanter aber wäre es, wenn es gelingen wollte, den Geburtsort "Fressin" festzustellen; man vermutete "Freising" bei München; ich bin jedoch überzeugt, dass in der Urkunde Fuessin (Füssen) zu lesen ist, es käme allenfalls nur noch Fresen in Kärnthen oder auch Friesen im Elsass in Betracht. In letzterem Fall wäre die Einwanderung nach Frankreich leichter erklärt; doch spricht die Form
3*) Vuillaume machte schon 1827 nach einer Gamba von Caspar eine derartige Violine.
5Lyra da braccio von Gaspard Duiffopruggar, früher im Besitze von A. Hajdecki, seit 1894 Eduard Rott in Altenmühle bei Dassel gehörig.
7Gaspard Duiffopruggar a la coste Saint Sébastien à Lyon.
9FAIT PAR DVIFFOPRUGCAR
10A la coste saind Sebaftien
11A Lyon
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