Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 716

Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904

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1Modell anzufertigen. Im Jahre 1819 traf er in Paris ein und arbeitete zunächst zwei Jahre lang für Chanot. Der Verkehr mit diesem hochgebildeten und geistreichen Manne hat jedenfalls nach mehr als einer Richtung hin befruchtend auf den angehenden Künstler eingewirkt. Lété war eigentlich Orgelbauer, aber als Schwiegersohn Pique's betrieb er auch einen Geigenhandel; Vuillaume wurde 1825 sein Geschäftstheilhaber, und die Firma lautete dann Lété et Vuillaume, 1828 aber trennte er sich von ihm, heirathete und eröffnete in der Rue des Petits Champs No. 46 seine Werkstatt, die er erst 1860 nach der Rue Demours No. 3 verlegte. Er war verheirathet mit Adele Guesnet aus Clermont, einer feingebildeten Frau, die seinen Arbeiten das vollste Verständniss entgegenbrachte. Auch er hatte Anfangs unter dem weitverbreiteten Vorurtheil gegen neue Geigen schwer zu kämpfen, und so kam er frühzeitig darauf, alte Meisterwerke, vornehmlich von Stradivari, nachzuahmen. Er brachte es nach rastlosen Versuchen darin zu einer unübertriffenen Meisterschaft, so dass heutzutage gewiss viele Stradivari von beschworener Echtheit Arbeiten Vuillaume's sein dürften. So sind auch fast alle Duiffopruggar'schen Violinen, die heute gezeigt werden, von ihm hergestellt worden. Die Sorgfalt seiner Ausführung erstreckte sich bis in die kleinsten Einzelheiten; sein Holz suchte er auf weiten Reisen zusammen; er durchstöberte alte Kirchen, Trödlerbuden und, fand er einen alten Balken, ein altes Möbelstück, das brauchbares Holz enthielt, so war ihm kein Preis zu hoch. Er war ein feinsinniger Kenner, der sich jedoch nicht auf das Gefühl allein verliess. Er hatte die Vorzüge und Eigenthümlichkeiten aller Meister auf das Eingehendste studirt und war stets bereit, Forschern die Mittel zu weiteren Studien an die Hand zu geben; so hätte auch Savart seine scharfsinnigen Untersuchungen ohne Vuillaume's Beihilfe gar nicht anstellen können. Er war freilich auch ein ebenso geriebener Kaufmann, als genialer Künstler und brachte es zu grossem Reichthum. Auch dem Lackiren wendete er sein Leben lang die peinlichste Sorgfalt zu, und er ist zweifellos der einzige Geigenmacher des 19. Jahrhunderts, der darin den alten Italienern wenigstens im Aussehen der Lackirung gleichkam, aber er hielt sein Verfahren geheim und nahm sein Wissen mit in's Grab. Er war fabelhaft fleissig und hat an 3000 Instrumente gemacht, abgesehen von anderen Versuchen und Erfindungen (z. B. dem Octobass, dem Contralto etc.). Auch als Bogenmacher war er ein Meister ersten Ranges. Er besass daher auch zahlreiche Medaillen und andere Auszeichnungen, und in der einschlägigen Literatur wird er überall ausführlich behandelt. Er gebrauchte verschiedene Zettel, manchmal auch Brandmarken.

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