Scan 158
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
32 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 154. See the scan on archive.org.
1Gagliano, Carlo. — Belluno 1732
2Wenig bekanntes Mitglied der Familie. Eine Arbeit mit seinem Zettel findet sich im Rathaus zu Regensburg.
3Geigenzettel: Carlo Gagliano / me fecit / Belluno anno 1732 (gedruckt).
5Gagliano, Ferdinando. — Neapel. Geb. 1724 in Neapel, † 1781
6Ältester Sohn von Nicola, den er zwar nicht immer erreicht, aber trotzdem noch ein sehr guter Meister. Seine Arbeit ist der von Alessandro G. ähnlich, er ahmt das letzte Stradivariomodell nach und verwendet einen guten, rotbraunen oder gelben Lack von warmer Farbe. Die Wölbung nimmt er flacher, das Patron aber breiter und die Zargen manchmal höher als sein Vater, auch in der Wahl des Holzes ist er weniger sorgfältig, dagegen sind seine meist kleinen Schnecken recht sauber durchgeführt. Am besten gelangen ihm seine Violoncelli. Er soll einen Sohn namens Giuseppe gehabt haben. Auch er brachte, ähnlich wie Giuseppe Guadagnini I, auf der Innenseite der Decke die Anfangsbuchstaben einer Devise an. Herr E. Löwenfeld in Wien besitzt eine Violine von ihm, die außer dem Zettel parallel zum Baßbalken die Buchstaben trägt: S. L. J. C. J (kann auch F oder S sein!) S. SS. S. †. Otto Hiß in Brünn besitzt eine sehr schöne, rötlichbraun lackierte Violine von ihm, die nach Stradivari gebaut ist und auf dem Baßbalken der Länge nach schwer leserliche Buchstaben mit Bleistift geschrieben zeigt, die der Besitzer in folgender Form entziffert: »T G V O)(—S 18' S 1—70 M C S S S O S S S 6 c S A«; auf der rechten oberen Backe sieht man:
7a (?)
8M + rj (?)
9A
10G F M
11S G.
12Die Buchstaben werden wohl einen frommen Spruch oder Vers bedeuten, wie solche Nicolaus Gagliano in seinen Arbeiten anzubringen pflegte. Um die Deutung zu ermöglichen, müßte erst eine sichere Lesart vorliegen.
13Geigenzettel: Abb. 232.
15Gagliano, Gaetano. — Neapel. Geb. um 1770, † 1824
16Nach seiner eigenen Angabe ein Sohn von Giovanni G., dem er in der Arbeit nahe kommt. Seine Geigen sind ebenso sauber gearbeitet, als sie gut klingen. Er machte aber auch sehr gute Gitarren und Mandolinen, die so geschätzt waren, daß seine Nachfolger auch nach seinem Tode noch seine Zettel in Gitarren klebten.
17Geigenzettel: Caietanus Gagliano filius / Joannes (sic) Neapolis 1820 (gedruckt).
19Gagliano, Gennaro. — Neapel. Geb. um 1700, † nach 1770
20Zweiter Sohn und Schüler seines Vaters Alessandro G., dessen Einfluß in seiner Arbeit unverkennbar ist. Er ahmt das Stradivariomodell nach, nur nimmt er die Wölbung manchmal höher und macht auch die F-
21Löcher kürzer, weiter und steiler als sein Vorbild. Er scheint eine Vorliebe für kurze Ecken gehabt zu haben. Seine beste Zeit ist zwischen 1730 und 1750; da er jedoch nur selten Zettel eingeklebt hat und noch seltener die Jahreszahl ausfüllte, ist das Alter seiner Geigen nicht immer leicht zu bestimmen, ja, man hat wegen des seltenen Vorkommens seiner Zettel gewiß mit Unrecht angenommen, daß er nur sehr wenig gearbeitet habe. Was man von ihm kennt, ist trefflich, schönes Holz, prachtvoller orangegelber oder rötlicher Lack und herrlicher Ton. Eine aus dem Jahre 1758 stammende prachtvolle Violine von ihm besaß Ch. Mahillon. Gennaro G. kommt seinem Bruder Nicola G. vollkommen gleich, übertrifft ihn aber in der Zierlichkeit der Einlagen. Er gebrauchte verschiedene Zettel, auf denen fast stets der Wohnort in »Neap.« abgekürzt erscheint. Auf einigen soll er sich einen Schüler Stradivaris nennen. Eine genial, aber sehr liederlich gemachte Geige von ihm mit dickem, schönem dunkelroten Lack, leichtfertig ausgeführter Einlage, aber wundervoller Wölbung erwarb Konzertmeister Deecke in Karlsruhe von Siefert sen. Der Ton dieser Geige ist großartig. Eine gleichfalls wundervoll klingende, dunkelrot lackierte Geige aus dem Jahre 1767 von Gennaro G. besitzt Hofsekretär Gerschey in Lissabon.
22Maße einer Violine von 1750: Länge 35,5 cm, obere Breite 16,3 cm, mittlere Breite 11,3 cm, untere Breite 20,1 cm; ob. Zargen 2,9 cm, unt. Zargen 2,9 cm, Schnecke 10,8 cm lang.
23Geigenzettel: Januarius Gallanus / fecit Neap. 1760 (gedruckt). — Gennaro Gagliano fecit Neap. 17 . . (gedr.). — Januarius Gaglianus / Fecit Neapoli 1767 (?) (gedr.) und Abb. 284.
25Gagliano, Giovanni I. — Neapel. Geb. um 1740, † 1806
26Er war der vierte Sohn von Nicola und folglich ein Enkel von Alessandro und nicht von Gennaro, was man nach seiner Angabe auf seinen Zetteln, wo er sich »Nepos Januari« bezeichnet, meinen könnte. Er war Gennaros Neffe und hat jedenfalls, wie auch seine Brüder, das italienische »Nipote« in das lateinische »Nepos« verwandelt. Da Nicola 1740 gestorben ist, muß Giovanni spätestens in diesem Jahre geboren sein. Er arbeitete in den Traditionen seines Hauses, war ein Schüler1) seines Oheims Gennaro und arbeitete während seiner Wanderzeit um 1760 auch in Venedig und scheint schließlich mit seinen Brüdern die Werkstatt seines Oheims übernommen zu haben, sonst wäre nicht einzusehen, warum sie sich auf ihren Zetteln gerade auf diesen berufen. Giovanni ist übrigens kein würdiger Nachfolger seiner Vorfahren. Er hat nicht allzuviel gemacht und das wenige meist oberflächlich und liederlich.
27Geigenzettel: Abb. 255.
29Gagliano, Giovanni II. — Neapel. Geb. 1800, † 1867
30Vielleicht ein Sohn von Giovanni I G. Nach F. S. Kandlers Aufsatz über »Neapel im Jahre 1826« (Caecilia,
311) Auf seinen ältesten Zetteln liest man: Joannes Gagliano fecit sub disciplina Januaris Gagliani. Neapoli.
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