Scan 188
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
29 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 184. See the scan on archive.org.
1hinter Lorenzo zurück, denn Violinen von ihm, die einen wirklich hervorragend schönen Ton haben, kommen ziemlich selten vor, dagegen findet man häufiger Geigen, die äußerlich ganz wundervoll aussehen, im Ton aber weniger halten, als sie versprechen. Die besten Arbeiten von ihm stammen aus dem letzten Drittel seines Lebens und geben Turin als Wohnort an. Seine Geigen sind hochgeschätzt und haben schon vor dem Kriege Preise bis zu 14 000 M. erreicht, eine Summe, die jetzt mehr als vervierfacht wird. Nach dem Tode seines Vaters übernahm er dessen Werkstatt und ging später nach Turin, wo er starb. Daß er auch in Brescia gearbeitet habe, wie behauptet wird, läßt sich durch nichts beweisen.
2Geigenzettel: Abb. 289¹).
4Guadagnini, Giovanni Antonio. — Turin. 1750
5Er wird zuerst von Grillet erwähnt, der seinen Zettel in einer Geige fand, die durchaus einer solchen von Lorenzo gleichwertig war. Auch dieser Guadagnini nennt sich einen Schüler von Stradivari und war wohl ein Bruder Lorenzos und der erste aus der Familie, der nach Turin ging.
6Geigenzettel: Abb. 263.
8Guadagnini, Giuseppe (?) — Brescia (?). 1697
9Josef Müller in Schönbach besitzt eine italienische Geige, deren Umrisse und Wölbung bis zu einem gewissen Grade dem Brescianer Stil entsprechen. Die Violine ist zweifellos die Arbeit eines tüchtigen Meisters, der Ton soll wundervoll sein, der rotbraune Lack ist gut. Sie mißt im Corpus 357 mm, untere Breite 209, obere Breite 170, Brustweite 109 mm, und hat starke Ränder, doppelte Einlage und schwungvolle F-Löcher. Der Boden ist von glattem Ahornholz, die Zargen sind hoch und die Schnecke ist groß und schön. Die Geige trägt den Zettel: (Giuseppe) Guadagnini / fecit Brescia 1697 (gedruckt). Dem Charakter der Schrift nach könnte der Zettel aus der Zeit stammen; auffällig ist nur, daß der Taufname in Klammern steht, und daß bei einem Zettel in italienischer Sprache das lateinische »Fecit« (statt fece) vorkommt, abgesehen davon, daß die Brescianer damals fast immer ganz lateinische Zettel (»fecit Brixiae« usw.) gebraucht haben. Ein Giuseppe G., der schon 1697 auf der Höhe seiner Kunst stand, ist mir bisher nicht bekannt geworden; daß die Familie in Brescia ansässig war, gelang mir auch nicht nachzuweisen. Weder im Stadtarchiv zu Brescia noch in den Schriften von Cav. Livi und von Prof. Don Angelo Berenzi kommt der Name Guadagnini vor. Auch Valdrighi kennt keinen Brescianer Guadagnini. Merkwürdig ist es immerhin, daß der Name Guadagnini auf Zetteln so oft in Verbindung mit Brescia vorkommt, so hat u. a. Wild in Eger eine Violine von einem Marco G. aus Brescia 1713, und auch ein Giambattista G. gibt Brescia als Wohnort an. Da die Guadagnini öfter den Wohnort gewechselt haben, wäre die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß einzelne Mitglieder zeitweilig auch nach Brescia kamen. Solange aber keine urkundlichen Beweise vorliegen, wird man den Brescianer Guadagnini berechtigtes Mißtrauen entgegenbringen.
11¹) Auf manchen Zetteln findet sich unter den Initialen noch ein T.
13Guadagnini, Giuseppe I, genannt »Soldato«. — Mailand, Como, Parma, Pavia. Geb. 1736, † nach 1805
14Zweiter Sohn von Giambattista I G., dessen Schüler er wohl gewesen sein dürfte. Er nennt sich einen Cremoneser; ob er in Cremona geboren ist oder vielleicht dort gelernt hat, ist unbekannt. Er baute nach Stradivari und Guarneri. Flaches breites Modell, gute Arbeit, weniger gelingt ihm der Ton; 1760 befand er sich in Parma, 1763 wohnte er in Como in der Contrada di Porta, 1790 in Pavia. Zuletzt kam er ganz herunter. Seine besten Arbeiten erreichen immerhin gute Preise. Er liebte auch doppelte Einlagen und außer seinen Zetteln findet man neben dem Balken noch die Buchstaben: »S. J. F. (?) SS. S. GG. F. P.« Eine gute Violine von ihm besitzt das Kölner Konservatorium der Musik.
15Geigenzettel: Josef Guadagnini Cremonensis / fecit Papiae anno 1790 (gedruckt). — Giuseppe Guadagnini fil. / Joannes Baptista Parmae 1768. (gedruckt). — Giuseppe Guadagnini / figlio di Giov. Battista (gedruckt) und Abb. 279.
17Guadagnini, Giuseppe II. — Rom, Turin. 1884. 1900
18Zweiter Sohn von Carlo G. Er macht Geigen und Violoncelli nach den alten Modellen seiner Familie.
20Guadagnini, Giuseppe III. — Turin. 1890. 1900
21Sohn von Antonio G., Geigenmacher der Gegenwart.
23Guadagnini, Lorenzo I. — Cremona, Piacenza. Geb. um 1695 (?) in Piacenza (?), lebte noch 1760 und soll in Mailand gestorben sein
24Schüler von Stradivari, bei dem er lange arbeitete. Er kehrte nach 1730 in seine Vaterstadt zurück. In seiner Arbeit strebt er mit Glück seinem Lehrer nach und gebrauchte ein ziemlich kleines Patron von schöner mittlerer Wölbung. Das Holz ist sehr schön, die Ausführung musterhaft, die Umrißlinien schwungvoll. Die F-Löcher sind bald nach Guarneri, bald nach Stradivari geschnitten. Charakteristisch für ihn ist die Schnecke, die allerdings nicht so schön ist, als die seines Lehrers Stradivari. Sein goldroter Lack ist wundervoll und wird von keinem Guadagnini außer von Giambattista an Feuer übertroffen. Es soll auch Geigen von ihm geben, die ähnlich wie die von Maggini doppelte Einlagen haben. Er wurde lange den Amatis als gleichwertig geachtet, doch steigen die Preise für seine Violinen wegen ihres bestrickenden Tons jetzt fortwährend. Daß er auch in Mailand gearbeitet haben soll, wird zwar behauptet, scheint aber auf einer Verwechslung zu beruhen.
25Geigenzettel: Laurentius Guadagnini Cremonae / Alumnus Stradivari fecit Anno Domini 17 . . (gedruckt) und Abb. 267.
27Guadagnini, Lorenzo II. — Turin. 1790
28Sohn und wohl auch Schüler von Giambattista II. G. Da sich Lorenzo I. auf einigen seiner Zettel »Pater«
Makers on this page
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.