Scan 376
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
48 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 372. See the scan on archive.org.
1Patzelt, Johann Ferdinand. — Wien, Berlin. Geb. 1828 in Budapest, † 1876 in Berlin
2Schüler seines Vaters Ferdinand P. Als Gehilfe arbeitete er eine Zeitlang bei Engleder und bei Schulz in Regensburg und trat nach seiner Heimkehr im väterlichen Geschäfte als Teilhaber ein. Nach seiner Verheiratung siedelte er nach Wien über, wo er ein beseres Fortkommen und mehr künstlerische Anregung zu finden hoffte, da er gerade von den Wiener Geigenmachern stets besonders gelobt wurde. Als er aber kam und sich um das Wiener Meisterrecht bewarb, wurden ihm die größten Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Durch seine Tüchtigkeit und seinen lauteren Charakter erwarb er sich jedoch sehr bald die Achtung und Freundschaft aller Fachgenossen. Im Jahre 1862 erhielt er in London eine Medaille, und als 1866 Helmich in Berlin starb, wurde er als künstlerischer Leiter der Grimmschen Werkstatt dorthin berufen. Er war ein echter Künstler, ein tüchtiger Geiger und ein genauer Kenner der alten Meisterwerke. In manchen seiner Geigen findet sich ein zweiter Zettel mit dem Spruch:
3»Fluch jeder Hand, die im Unverstand
4Von der Geig’ was scheert, die ist nichts werth.«
5Besonders tüchtig war er als Reparateur, und nicht selten bezahlten ihm seine Auftraggeber in der Freude über die gelungene Arbeit weit höhere Preise, als er in seiner Bescheidenheit gefordert hatte. Hellmesberger besaß ein vorzügliches Quartett von ihm; Laub und Miska Hauser spielten mit Vorliebe seine Geigen, und sein Sohn besitzt noch jetzt eine Viola von ihm aus dem Jahre 1862, die in jeder Beziehung ausgezeichnet ist.
6Geigenzettel: J. Ferdinand Patzelt, Geigenmacher / in Wien anno 1862 J. F. P. ✡ A. O. (gedruckt).
8Paul, François. — Mirecourt. 1750. 1752
9Arbeiten von ihm kennt man bis jetzt nicht.
11Paul, Johann Balthasar. — Klingenthal. 1737
12Nur aus den Innungslisten als Geigenmachermeister bekannt.
14Paul, Johann Christoph. — Klingenthal. 1776
15Sohn von Johann Balth. P. Er arbeitete mittelmäßig nach dem Hopf-Modell.
17Pauli, Antoni. — Tachau. 1707. 1723
18Ein trefflicher Geigenmacher, der ein breites Modell bevorzugte und einen dicken, gelblichen Lack anwendete. In der staatl. Sammlung in Berlin befindet sich eine Viola d’amore von ihm aus dem Jahre 1718 von ausgezeichneter Arbeit mit gemaserten Zargen und einem Löwenkopf am Wirbelkasten (Nr. 862). Aus der Sammlung Snoeck besitzt Berlin ein gleiches Instrument mit flachem Boden und einem geschnitzten Köpfchen (Nr. 494).
19Geigenzettel: Abb. 616.
21Pauli, Johann Gottfried. — Tachau. Geb. 14. Juli 1707 in Tachau, † das. 30. Dez. 1771
22Sohn des Antoni und der Elisabeth P. Er war seit 3. Februar 1732 verheiratet mit A. Barb. Dolhopf, Tochter des † Lorenz D. aus Tachau. Auf späteren Zetteln erscheint der Name Godefridus mit ie geschrieben. Seine Arbeit ist ganz ohne Kunstwert.
23Geigenzettel: Joannes Godefridus Pauli / Lauten- und Geigen-Macher / in Tachau An: 1733 (gedruckt).
25Pauli, Johann Karl. — Tachau. 1730. 1745
26Wahrscheinlich ein Sohn von Antoni P. Er ist am besten in seinen Violen, die er oft recht hübsch eingelegt hat. Auch die Löwenköpfschen am Wirbelkasten sind mit Geschick geschnitzt. Eine Viola d’amore von ihm vom Jahre 1730 besitzt das Bachhaus in Eisenach.
27Geigenzettel: Joann. Carolus Pauli / Musicus instrumentalis in Tachau / bey 14 Heiligen Anno 1730 (gedruckt).
29Pauli, Joseph. — Linz a. D. Geb. um 1770, † 7. März 1846
30Wahrscheinlich zur Tachauer Familie Pauli gehörend. Er erlangte am 17. März 1812 die Geigenmachergerechtigkeit »ad personam« und das Bürgerrecht in Linz, wo er aber schon Jahre vorher nachweisbar ist. Er wohnte im Hause Nr. 101, jetzt Hofgasse Nr. 14, und war ein sehr geschickter Geigenmacher, der jedenfalls, seiner Arbeit nach zu urteilen, auch in Wien gearbeitet hat. Einzelne Geigen von ihm sehen aus wie Arbeiten von Joh. G. Thir. Seine Vorbilder waren aber Stainer und Amati. Er verwendete gutes Holz; sein Modell ist länglich, aber robust, der Lack rotbraun und glanzlos. Ein Violoncello von ihm aus dem Jahre 1799 besitzt das Stift St. Florian in Oberösterreich. Es kommen jedoch auch Geigen mit den gleichen Namen und so frühen Jahreszahlen vor, daß man annehmen könnte, daß schon der gleichnamige Vater Geigenmacher in Linz war, was sich jedoch urkundlich durchaus nicht nachweisen läßt. Seine Geigen erreichen jetzt recht ansehnliche Preise.
31Geigenzettel: Abb 615 und 621.
33Pauli, Wenzel. — Salzburg. 1800
34Angeblich Sohn von Joh. Gottfried P. und dann wohl auch dessen Schüler. Wenig bekannter Geigenmacher, der ein an Stradivari erinnerndes deutsches Modell hatte und einen rotbraunen Lack verwendete.
35Geigenzettel: Wenzel Pauli fecit Salzburg 1800 (gedruckt).
37Paulo, José. — Lissabon. 1897
38Portugiesischer Gitarren- und Mandolinenmacher vom Ende des 19. Jahrhunderts.
40Paulson, H. — Bergen. 1834
41Norwegischer Geigenmacher, der erst Tischler gewesen sein soll und hauptsächlich alte Geigen ausbesserte.
42Geigenzettel: Rep. af H. Paulson / Bergen 1834 (geschrieben).
44Paulus, Markneukirchen
45Aus dieser Familie sind Geigenmacher geworden und in Markneukirchen geblieben:
47Paulus, Adolf, der schon in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts tätig war
Makers on this page
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.