Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 496

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

26 lines. Read by computer on 27 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 492. See the scan on archive.org.

1Stoß, Martin (Johann Martin). — Wien. Geb. 12. Sept. 1778 in Füssen, † 9. August 1838
2Sohn von Magnus Stoß in Füssen. Er ließ sich frühzeitig in Wien nieder und war mit Anna Dangl aus Wien (geb. 1781, † 1854) verheiratet. Er wohnte bei St. Ulrich Nr. 4 und hatte zuerst seine Werkstatt in Lerchenfeld. Dort wurde er im Jahre 1809 von den Franzosen völlig ausgeplündert, und er selbst erzählte noch oft, daß man ihm selbst die schwarze Halsbinde weggemommen hatte. Im Jahre 1810 zog er dann in die obere Bräuenergasse Nr. 1209 (jetzt Habsburger Gasse 4) in das Liharziksche Haus. Am 25. Juli 1811 legte er den Bürgereid ab. Er gilt als einer der besten Wiener Geigenmacher, und im Bau von Violoncelli wurde er kaum von einem deutschen Meister übertroffen. Er wählte sein Modell nach Stradivari, machte die Ränder sehr kräftig und arbeitete ungemäss sauber. Die Violoncelli seiner ersten Zeit sind dunkelbraun, da er das Holz vor dem Lackieren gebeizt hatte. Aber schon von 1810 an gab er dieses Verfahren auf und verwendete einen gelben, später einen sehr durchsichtigen roten Lack, den er sich selbst aus in Leinöl gelöstem Bernstein (Agtstein) bereitete1). Den goldgelben Untergrund trug er mit Saffran und Leim auf, den roten Farbstoff zog er aus Fernambukholz. Die rotlackierten Violoncelli haben fast immer sehr schönes breitgeflammtes Ahornholz, die Böden sind meistens aus einem Stück. Für die Decke nahm er gern Fichtenholz mit sog. Vogeltritten. Er verkaufte seine Violoncelli durchschnittlich für 60 fl. C. M., heute sind sie nur noch um schweres Geld zu haben. Seine Geigen und Violen reichen zwar an seine Violoncelli nicht heran, da sie meistens zu massiv sind, aber sie sind doch immer die Werke eines Meisters und werden auch stets als solche bewertet. Er befaßte sich viel mit Versuchen, den Stimmstock zu verändern. Um die Spannung auszugleichen, wollte er einen Stimmstock erfinden, den man im Innern nach Belieben verlängern oder verkürzen könnte. Bei seinen Violoncelli machte er den Hals immer zum Abschrauben. Er stand in hohem Ansehen, war Hofgeigenmacher und beiderer Schätzmeister. Nach seinem Tode hieß die Firma »Stoß & Hofmann«, bis Anton Hofmann am 17. Oktober 1844 das Geschäft durch Kauf erwarb.
3Geigenzettel: Martin Stoß / in der obern Breunerstraße No. 1209 / in Wien 1817 (gedr.) und Abb. 676, 739, 754, 760.
5Stoß, Pius Bernhard Anton. — Wien. Geb. 10. März 1784 in Füssen, † 1. Mai 1854
6Jüngster Sohn des Franz Anton St. und der Juliana Klotz2). Im Anfang des 19. Jahrhunderts kam er nach Wien und wohnte wie Martin St. bei St. Ulrich Nr. 4. Seine Werkstatt hatte er in der Grünangergasse. Am 21. Oktober 1813 legte er den Bürgereid ab. (Im Bürgerbuch wird der Vorname irrtümlich Peter geschrieben, er selbst nannte sich stets kurzweg Bernhard St.) Er ist seinem Vetter Martin in der Arbeit vollkommen ebenbürtig, wenn er ihn auch in seinen Violoncelli nicht völlig erreicht. Seine Geigen haben ein schönes Stradivariomodell und einen prächtigen gelben oder roten Lack. Sie sind ungemäss sorgfältig gemacht und sicher denen aus Geissenhofs bester Zeit gleichwertig. Charakteristisch für ihn ist, daß er zu seinen Decken immer breitjähriges Holz verwendet. Seine Geigen werden jetzt gut bezahlt. Eine schöne Violine von 1835 besitzt Val. Walter in Grulich i. B. Eine Violine mit gitarrenähnlichem Körper (vom Jahre 1821) ist im Museum der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. one of two readings
7Jüngster Sohn des Franz Anton St. und der Juliana Klotz2). Im Anfang des 19. Jahrhunderts kam er nach Wien und wohnte wie Martin St. bei St. Ulrich Nr. 4. Seine Werkstatt hatte er in der Grünangergasse. Am 21. Oktober 1813 legte er den Bürgereid ab. (Im Bürgerbuch wird der Vorname irrtümlich Peter geschrieben, er selbst nannte sich stets kurzweg Bernhard St.) Er ist seinem Vetter Martin in der Arbeit vollkommen ebenbürtig, wenn er ihn auch in seinen Violoncelli nicht völlig erreicht. Seine Geigen haben ein schönes Stradivari-Modell und einen prächtigen gelben oder roten Lack. Sie sind ungemäss sorgfältig gemacht und sicher denen aus Geissenhofs bester Zeit gleichwertig. Charakteristisch für ihn ist, daß er zu seinen Decken immer breitjähriges Holz verwendet. Seine Geigen werden jetzt gut bezahlt. Eine schöne Violine von 1835 besitzt Val. Walter in Grulich i. B. Eine Violine mit gitarrenähnlichem Körper (vom Jahre 1821) ist im Museum der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. one of two readings
8Geigenzettel: Abb. 742.
10Stoß, Stephan s. Magnus Stephan Stoß
11Stott, George T. — Liverpool. 1911
12Geigenmacher und Händler.
14Stourdza, Fürst Gregor. — Wien usw. 1873
15Auch einer von den vielen, die über Stradivari hinauswollten und zwecklose Erfindungen machten. Er konstruierte Geigen nach einem »neuen Prinzip«, die von dem Wiener Geigenfabrikanten Zach nach den Angaben des Fürsten hergestellt wurden. Der Grundgedanke der Konstruktion beruhte darauf, daß der wesentlich vergrößerte Schallkörper der Geige möglichst der Ellipse genähert wird. Die beiden Hälften des Instruments rechts und links neben den Saiten sind ungleich, wodurch das Ganze verschoben aussieht. Der Ton war stark, aber rauh und schnarrend, und selbst so ausgezeichnete Künstler wie Hellmesberger und Popper konnten den Instrumenten nichts abschmeicheln. Er nannte seine Instrumente: »Violino arpa«, »Violino chitarra« usw. Mehrere der von ihm erfundenen Geigen, die jetzt im Museum des Pariser Konserervatoriums aufbewahrt werden, waren 1873 in Wien auf der Weltausstellung zu sehen. one of two readings
16Auch einer von den vielen, die über Stradivari hinauswollten und zwecklose Erfindungen machten. Er konstruierte Geigen nach einem »neuen Prinzip«, die von dem Wiener Geigenfabrikanten Zach nach den Angaben des Fürsten hergestellt wurden. Der Grundgedanke der Konstruktion beruhte darauf, daß der wesentlich vergrößerte Schallkörper der Geige möglichst der Ellipse genähert wird. Die beiden Hälften des Instruments rechts und links neben den Saiten sind ungleich, wodurch das Ganze verschoben aussieht. Der Ton war stark, aber rauh und schnarrend, und selbst so ausgezeichnete Künstler wie Hellmesberger und Popper konnten den Instrumenten nichts abschmeicheln. Er nannte seine Instrumente: »Violino arpa«, »Violino chitarra« usw. Mehrere der von ihm erfundenen Geigen, die jetzt im Museum des Pariser Konser- vatoriums aufbewahrt werden, waren 1873 in Wien auf der Weltausstellung zu sehen. one of two readings
18Stowasser, Johann. — Budapest. Geb. 1846
19Ein trefflicher, aus Böhmen stammender Blasinstrumentenmacher, der seit 1867 in Budapest lebt und sich gelegentlich auch als Geigenmacher versucht hat.
21Stradivari, Antonio. — Cremona. Geb. zwischen 1640—1650, † 18. oder 19. Dez. 1737 in Cremona
22Schüler von Nicolas Amati. Der Meister aller Meister der Geigenmacherei, ein genialer Künstler, der nicht mehr erreicht und noch weniger übertroffen werden konnte. Obwohl er schon zu Lebzeiten in hohem Ansehen stand, sind doch nur spärliche Nachrichten über sein Leben auf uns gekommen; die wenigen zuverlässigen Angaben verdankt man hauptsächlich den Forschungen Paolo Lombardinis, Sacchis und Mandellis, der seine Forschungen den Brüdern Hill überließ. Desto mehr aber erzählen uns seine herrlichen
241) Wegen der Feuergefährlichkeit durfte er seinen Lack nicht im Hause kochen, sondern mußte seinen Herd auf der »Schmelz« (jetzt Exerzierplatz) aufstellen. Er bediente sich dabei einer hermetisch verschließbaren Kupferflasche, die W. Th. Jaura noch jetzt als Reliquie aufbewahrt.
252) Er wird öfters als Sohn von Magnus Steph. St. ausgegeben. Dieser aber hatte keinen Sohn namens Bernhard, sondern nur einen Bruder, den am 18. August 1746 geborenen Magnus Bernhard.

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