Scan 516
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
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1starken Rändern gebaut und dunkelweichselbraun lackiert. Die Arbeit ist sehr sauber, der Ton recht gut, Eine Gitarre von ihm aus türkischem Haselnußholz mit elf Metallsaiten vom Jahre 1795 besitzt die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (Nr. 36).
3Thir (Tirr), Anton II. — Wien. Geb. um 1783, † 13. November 1848
4Er wohnte im Jahre 1826 in der Stadt Nr. 897, war beeidigter Sachverständiger und schrieb seinen Namen zum Unterschied von Anton I T. immer Tirr. Seine Geigen gehen auf ein Stradivariomodell zurück, erinnern an Geißenhofs Arbeiten; die Wölbung ist tadellos, die Schnecke viel schöner als die der anderen Mitglieder der Familie Th. Die Ränder sind seit 1815 zart, Boden, Decke und Zargen auffallend glatt, das Holz sehr schön, der Lack gelbbraun oder oft auch rot auf goldigem Grund. Arbeiten von ihm kommen ziemlich selten vor.
5Geigenzettel: Antonius Tirr / fecit Viennae 1815 (gedruckt).
7Thir (Thier), Johann Georg. — Wien. 1738. † nach 1781
8Er legte am 1. September 1738 den Bürgereid ab und wohnte bis etwa 1776 im sog. Wübmer Viertel, dann heißt es im Steuerbuch von ihm: »der Thir ist in der Stadt behaust«. Einer der besten Wiener Geigenmacher. Seine Geigen haben langes schmales Patron und hohe (Stainer-)Wölbung. Die F-Löcher stehen enge (45 mm) beisammen; die Zargen sind 32—33 mm hoch. Die Schnecke ist groß und schön. Bei seinen Violoncelli bevorzugt er ein großes Patron. Wie die meisten Wiener Geigenmacher beizte auch Joh. G. Th. in seiner ersten Zeit seine Arbeiten sehr dunkel vor dem Lackieren. Von 1750—1760 an bevorzugt er dagegen einen goldigen Grund, den er dann mit einem schönen, durchsichtigen Lack überzog. Seine Geigen sind jetzt sehr beliebt und werden je nach ihrer Schönheit und ihrem Lack (schwarz, weichselbraun oder rot) sehr gut bezahlt. Da er sehr fleißig war, sind seine Arbeiten nicht selten. Zwei gute Geigen von ihm aus den Jahren 1768 und 1773 besitzt das Schottenstift in Wien. Im Jahre 1781 wurde Fr. Geißenhof sein Nachfolger; dieser scheint die von J. G. Thir unvollendet hinterlassenen Geigen allmählich fertig gemacht und noch nachträglich mit Thirs Zettel versehen zu haben, da es noch Geigen mit Thirs Namen und der Jahreszahl 1791 gibt.
9Geigenzettel: Abb. 771, 775, 776.
11Thir, Josef. — Wien
12Ein alter Mann, der 1885 in Wien als achtzigjähriger Greis starb, gab sich als ehemaligen Geigenmacher und letzten Nachkommen der Familie Th. aus. War das erstere schon unwahrscheinlich, trotz einiger Werkzeuge, die er aus Staufers Nachlaß besaß, so kann das zweite schon deshalb nicht richtig sein, da er in Wirklichkeit nicht Thir oder Thier sondern Jos. Tühr hieß.
14Thir (Thier, Tihr, Dier), Mathias. — Wien. 1770. 1795
15Bruder von Joh. Gg. Th., berühmter Lauten- und Geigenmacher, der im sog. Kärntnerviertel in der Himmelpfortgasse (im Bader-Haus) wohnte und am 17. März 1770 den Bürgereid ablegte. Er ist wohl der bekannteste von allen älteren Wiener Geigenmachern. Da seine Geigen gut aussahen und gut klangen und er trotzdem nur 4 fl. für das Stück verlangte, hatte er so großen Zulauf, daß er oft ein Dutzend Gesellen beschäftigen konnte. Arbeiten von ihm sind daher auch heute noch überall in Österreich anzutreffen und selbst im Ausland weit verbreitet. Daß er seine Laufbahn in Preßburg begonnen hat, wie man annimmt, konnte ich bisher nicht feststellen. Seine Geigen sind sauber nach der Form gearbeitet, haben ziemlich hohe Wölbung und sehr guten Ton; auch sein brauner oder dunkelrotbrauner Öllack ist recht gut. Zwei Geigen von ihm aus den Jahren 1774 und 1796 besitzt das Schottenstift in Wien, eine Geige von 1772 der Mathias-Dom in Ofen, eine Violine von 1771 der Preßburger Dom, eine Viola d’amore von 1779 die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.
16Geigenzettel: Abb. 773 und 774.
18Thir, Thomas. — Trevi (?). 1692
19Wahrscheinlich ein Deutscher, der sich in Trevi (lat. Trebia) vorübergehend aufgehalten oder niedergelassen hat und kein geborener Trevianer, wie er sich wohl nur in mangelhafter Sprachkenntnis bezeichnet. Er dürfte der Ahnherr der Familie Thir sein. Eine Viola von ihm befindet sich im Stift St. Florian in Oberösterreich.
20Geigenzettel: Thomas Thir Trebiano / in Italia 1692 (gedruckt).
22Thiriot (Tiriot), Joseph. — Mirecourt. Geb. um 1750, † 20. März 1786
23Er fertigte nur gewöhnliche Mirecourter Geigen nach einem eigenen breiten Modell an, verwendete einen braunen Lack und den Brandstempel: »TIRIOT / A PARIS«. Sein Bruder Nicolas Th. war Bogenmacher und lebte noch 1789.
25Thoma, Jakob. — Wien. 1880. 1892
26Er war ursprünglich Uhrmacher. Als seine Tochter unter Prof. Grün am Wiener Konservatorium zur Violinspielerin ausgebildet wurde, erwachte auch sein Interesse für die Geige und ihren Bau, und er begann schließlich als Dilettant selbst Geigen zu machen. Mit Fleiß und Sorgfalt brachte er es schließlich darin so weit, daß er die Anerkennung einiger Professoren fand, auf deren Gutachten hin ihm auf sein Ansuchen der Gewerbeschein als Geigenmacher ausgestellt wurde. Seine Instrumente sind nicht ungeschickt gemacht. Als seine Tochter nach Amerika heiratete, folgte er ihr dorthin.
27Geigenmacher: Jacobus Thoma / fecit Viennae anno 1880 (gedruckt).
29Thomä, Adolf. — Hohendorf b. Brambach i. S. Geb. 28. März 1872 in Bärendorf
30Ein sehr tüchtiger Bogenmacher, Schüler von Herm. Thomä. Er macht Bogen nach allen Modellen und zeichnet sich durch besondere Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt in seiner Arbeit aus.
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