Books › Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für Gebildete aller Stände, unter Mitwirkung der Literarischen Commission des Berliner Tonkünstlervereins, so wie der Herren Musikdirector Billert, Concertmeister F. David … etc., 1870 › scan 580
Scan 580
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für Gebildete aller Stände, unter Mitwirkung der Literarischen Commission des Berliner Tonkünstlervereins, so wie der Herren Musikdirector Billert, Concertmeister F. David … etc., 1870
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1spruchen. Durch Anwendung verschieden dicker oder schwerer Saiten und ungleicher Länge derselben ist dieser Uebelstand bei richtiger Uebereinstimmung zwischen dem Baue des Instrumentes und der B. möglichst ausgeglichen. Es ist die Hauptaufgabe des Instrumenteversertigers, diese Uebereinstimmung herzustellen. Nicht zur Befestigung der Saiten allein aber soll der Körper eines Instrumentes dienen, sondern auch besonders zur Verstärkung des Tones, da eine Saite wegen ihres geringen Volumens ihre Schwingungen ohne Mitwirkung eines dieselben durch seine Masse und grosse Oberfläche verstärkenden Resonanzbodens nur in sehr geringem Maasse der Luft mittheilen kann (s. Resonanz). Länge, Dicke (Schwere) und Spannung der Saiten erfordern eine entsprechende Entfernung vom Resonanzboden und verhältnissmässige Stärke desselben, welche nach den tieferen Saiten hin proportional zunehmen muss. Die Notwendigkeit des Resonanzkörpers und die Grösse und Form desselben bilden mit den Ansprüchen, welche hinsichtlich der B. an ein Instrument gemacht werden, die maassgebenden Vorschriften für die äussere Form der Instrumente (s. Saiteninstrumente). Die verschiedene Art und Weise, wie die B. mit dem Resonanzkörper in Verbindung gebracht ist, theilt die Saiteninstrumente in mehrere Gattungen ein. Die Instrumente mit frei schwebenden, nicht über den Resonanzboden selbst gezogenen Saiten bilden, wenn letztere alle gleich lang sind, die Gattung der lyraförmigen; mit ungleich langen Saiten die der harfenförmigen. Bei den zither- und cymbal-förmigen Instrumenten laufen die Saiten in ihrer ganzen Länge über den Resonanzboden; bei den lauten- oder geigenförmigen aber sind die Saiten nur zum Theil in ihrer Länge über den Körper des Instrumentes gezogen, der übrige Theil der Länge zieht sich über einen sogenannten Hals, welcher, mit einem Griffbrett versehen, der Applicatur (s.d.) dient. — Die Grösse des Schallkastens ist von wesentlichem Einflusse auf die Stärke des Saitentones, und eben so ist die Art der Lage der Saiten, wenn sie über dem Resonanzboden liegen, wichtig für deren Klang und Tonstärke. Am stärksten sind Resonanz und Ton, wenn die Saiten mit den Fasern oder Jahresringen des Holzes parallel laufen. Diejenigen Saiten, welche dem Rande des Resonanzbodens nahe liegen, erregen dessen Mitschwingen in geringerem Maasse und haben dadurch einen stumpferen Ton; die äussersten hohen Saiten und Tasten des Klavieres sind darum weniger zur Benutzung als vielmehr dazu bestimmt, den vorhergehenden Raum und Klang zu verschaffen; die tiefsten Saiten klingen wegen ihrer grossen Schwingungsweite und geringen Schwingungszahlen unbestimmt und werden daher meist in Verbindung und als Verstärkung der Octave benutzt, wie der Contrabass in ähnlicher Weise vom Violoncell unterstützt wird. Diejenigen Saiten, deren Ton dem Eigentone des Resonanzkastens gleich oder verwandt ist, erregen dessen Vibrationen leichter und in verstärktem Maasse; auch wird die Tonfülle der einzelnen Saiten bei vielzähliger B. durch akustisches Mitklingen anderer, tonverwandter Saiten verstärkt und der Klang der hohen Saiten gehaltvoller. Im Anfange des 16. Jahrhunderts waren die Clavichordia mit besonderen leeren Saiten versehen, welche nicht angeschlagen wurden, sondern durch ihr Mitklingen zur Verstärkung des Tones dienen sollten. Eben so war die früher sehr beliebte Viola Bordone (Baryton) und die zartklingende Viola d'amore mit einer besonderen B. aus Drahtsaiten, welche akustisch mitklingen sollten, versehen. In unserer Zeit wird diese Art von Tonverstärkung nicht mehr angewendet, findet sich jedoch noch z. B. auf dem arabischen Streichinstrumente Kemangeh-roumy, welches ausser sechs Darmsaiten noch sechs unter seinem Halse liegende Drahtsaiten zu diesem Zwecke hat. — Die Art der Bespannung der Instrumente ist aus technischen und klanglichen Rücksichten eine sehr mannigfache. Die Saiten können parallel mit einander gezogen oder fächerartig auseinandergehend, gleichmassig vertheilt oder in selbstständigen Abtheilungen, sämmtliche in Einer Reihe liegend oder in mehreren über einander geschichtet, in einer Fläche oder in bogenförmiger Rundung geordnet, über das Instrument gespannt sein. — Parallel laufende Saiten hatten sowohl die harfen-, als die lyra- und besonders die zitherförmigen Instrumente der alten Völker, eben so das altchinesische Kin und Ché, die indische Vina und die späteren lautenförmigen Griffbrettinstrumente. Fächer- oder strahlenförmige Bespannung hatten nicht nur die Harfen der Aegypter und
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