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Scan 166
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1870
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1ren, lebte längere Zeit in Venedig, wo er 1690 und 1691 zwei Opern »L'amore di Curtio« und »Il trionfo della continenza« mit ausserordentlichen Beifall auf die Bühne brachte und sich überhaupt seinen grossen Ruf als Tonsetzer erwarb. Später wurde er als Organist an die Kathedrale seiner Vaterstadt berufen und starb dort am 29. März 1733 mit dem Beinamen des Heiligen, da er in einer Anwandlung religiöser Schwärmerei sich in den letzten Jahren in die Einsamkeit zurückgezogen hatte und strenger Entbehrung und Bussübungen lebte. Er wurde aufs Feierlichste am 18. April 1733 in der St. Peterskirche des Carmeliterordens in Brescia begraben.
3Algreen, Sven, ein schwedischer Gelehrter und Musikfreund, welcher sich um Verbesserung der Klaviere ganz besonders verdient gemacht hat, indem er des Mechanikers Dr. Breling Erfindung der Flügeltangenten wissenschaftlich bearbeitete und veröffentlichte. Die nähere Beschreibung dieser wichtigen, für Ton und Spielart der Klaviere so wohlthätigen Erfindung findet man im 19. Bande der von Kästner übersetzten Abhandlungen der königlich schwedischen Akademie der Wissenschaften und Künste.
5Aliani, Francesco, der Sohn eines trefflichen Violinisten zu Piacenza und von demselben schon früh im Violinspiel unterrichtet. Bald aber warf sich seine Vorliebe auf das Violoncello und er studirte dieses Instrument fünf Jahre hindurch bei Giuseppe Rovelli aus Bergamo, damals ersten Violoncellisten der Kapelle des Herzogs Ferdinand von Parma. A. starb 1812 in seiner Vaterstadt als erster Violoncellist am Theater und mit dem Rufe eines der bedeutendsten Lehrer seines Instrumentes. Von ihm erschienen auch Duette für zwei Violoncelli.
7Alicant, Katharine d', königl. Sängerin zu Berlin, ward als solche am 28. Aug. 1701 mit 300 Thalern Gehalt angestellt. Da ihr diese Summe sehr unregelmässig ausgezahlt ward, so richtete sie eine Bittschrift an König Friedrich I. (vgl. Schneider, Geschichte der Oper). 1707 zuletzt im Adresskalender angegeben, ist sie seitdem verschollen.
9Aliprandi, Bernardo, zu Anfang des 18. Jahrhunderts in Toscana geboren, war um 1730 Kammercomponist und später Hofkapellmeister in München. Als solcher componirte er drei daselbst aufgeführte Opern: »Mitridate« (1738), »Ifigenia« (1739) und »Semiramide« (1740). Weiteres über ihn ist unbekannt. — Sein Sohn, ebenfalls Bernardo Aliprandi geheissen, war um 1770 erster Violoncellist der kurfürstlichen Hofkapelle in München und ein ausgezeichneter Virtuose dieses Instrumentes. Seine wenig bekannt gewordenen Compositionen für Violoncello so wie für Viola di Gamba sollen ihn als Tonsetzer von warmer Empfindung, von Geschmack und Phantasie bekunden. Auch über ihn sind nähere biographische Data leider nicht zu ermitteln gewesen.
11Aliquottöne sind solche Töne, die gleichzeitig erzeugt werden, und zwar von verschiedenen unter einander gleichen, im Ganzen ohne Rest aufgehenden, aliquoten, Theilen eines klingenden Körpers, der entweder fest, flüssig oder gasförmig sein kann. Da die Schwingungen dieser Theile gleichzeitig mit denen des ganzen Körpers stattfinden und auch durch solche Theile, die in ihrer Grösse von einander verschieden sind, hervorgerufen werden, also stets von einer grösseren Anzahl Schwingungen (s. Akustik) dieser kleineren Körpertheilchen, deren Grenzen die Schwingungsknoten anzeigen, begleitet sind, die desshalb mehrere höhere und in der Höhe verschiedene Töne geben müssen: so nennt man diese Töne auch wohl Partial-, Bei-, mitklingende oder Obertöne, im Gegensatz zu dem Tone, den der ganze Körper schafft, welcher der Grundton genannt wird. Schon im grauen Alterthume entdeckte man, ohne sich davon eine unserem Wissen nur annähernde Erklärung machen zu können, durch aufmerksame Belauschung des von Seidensaiten erzeugten Tones den ersten sich besonders kenntlich machenden Aliquotton, die Duodecime des Grundtones (s. Ta-kiüen-këü), den man fälschlich zuerst für die Quinte hielt, und dessen fast inniges Verschmelzen mit dem Grundtone zu der eigenthümlichen Vorstellung Anlass gab: diese als Quinte aufgefasste Duodecime sei das Weib des Grundtones, mit dem derselbe einen neuen Grundton zeuge. Weitere Entdeckungen von mit dem Grundtone vereint erklingenden Tönen haben die alten Asiaten jedoch
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