Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 126

Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907

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1erbracht, vielmehr weicht die Arbeit Stainers, obgleich sie Amati noch am nächsten steht, in so manchen wesentlichen Punkten von der des Cremoneser Meisters ab, daß ein direkter Einfluß des letzteren nicht wohl angenommen werden kann*). Auch ist die Echtheit der aus Cremona datierten Instrumente Stainers nicht außer jedem Zweifel stehend.
3Die Stainerschen Geigen weisen zweierlei Patron auf, ein großes und ein wesentlich kleineres**). Die Ecken sind viel weniger hervortretend, als beim Amati-Modell, die Wölbung — zumal der Decke — ist höher und unmittelbar ansteigend. Die ff-Löcher sind kurz und beschreiben oben und unten Halbkreise; sie sind vorzüglich geschnitten. Statt der Schnecke oft ein Löwenkopf oder andere Schnitzerei. Die Arbeit überhaupt ist eine vollendet schöne, der Lack durchsichtig, leuchtend und von bernsteinfarbiger bis rötlichbrauner Tönung. Der flötenartige Klang der Stainerschen Geigen entsprach völlig dem Schönheitsideal früherer Tage. Damit erklärt sich auch die bis in den Anfang des XIX. Jahrh. währende Vorliebe für diese Instrumente, die den besten Arbeiten der Italiener vorgezogen wurden. Hill erzählt in seinem Buche „Antonio Stradivari, his life and work“: „eine Stainersche Violine aus dem Nachlaß des Herzogs von Cumberland wurde 1791 mit ca. 2800 M. bezahlt; dasselbe Instrument erreichte 1895 nur ca. 1750 M.“ Eine schöne Stradivari-Geige kostete vor etwa 100 Jahren ganz wesentlich weniger (s. Seite 84. 85), doch wie ist ihr Wert heute gestiegen! — Die Bevorzugung der Instrumente Stainers hatte einst zur Folge, daß sie unendlich oft nachgeahmt, resp. daß unechte Instrumente mit Zetteln Stainers versehen wurden. Vor Fälschungen ist daher hier ganz besondere Vorsicht geboten: die echten
5*) Zwar könnte man in dem von Stainer verwendeten Lack, der dem italienischen an Schönheit gleichkommt, einen Beweis erblicken, daß der Tiroler Meister in die Details der Cremoneser Kunst eingeweiht gewesen sei. Ein reger Handel bestand im XVII. Jahrh. zwischen Italien und Deutschland, der seinen Weg über Tirol und die Straße von Mittenwald nahm. Es ist darum sehr wohl denkbar, daß Stainer seinen Lack, oder zum mindesten dessen Bestandteile, aus Italien bezogen hat. Dort scheint im XVII. und XVIII. Jahrh. der Geigenlack auch im großen hergestellt worden zu sein, was aus der Ähnlichkeit der vielen von kleinen Meistern verwendeten Lacke hervorgeht, die im Gehalt einander gleichen und nur in der Färbung von einander abweichen.
7**) Maße von Instrumenten des Jak. Stainer:
9<table>
10 <tr>
11 <th></th>
12 <th>Länge</th>
13 <th>Breite oben</th>
14 <th>Breite unten</th>
15 <th>Oberzarge</th>
16 <th>Unterzarge</th>
17 </tr>
18 <tr>
19 <td>Violine a. d. J. 1658 (klein)</td>
20 <td>mm 355</td>
21 <td>162</td>
22 <td>200</td>
23 <td>30 1/2</td>
24 <td>31</td>
25 </tr>
26 <tr>
27 <td>„ 1670 (groß)</td>
28 <td>356</td>
29 <td>166</td>
30 <td>222</td>
31 <td>29</td>
32 <td>30</td>
33 </tr>
34 <tr>
35 <td>Viola</td>
36 <td>405</td>
37 <td>198</td>
38 <td>241</td>
39 <td>46</td>
40 <td>47</td>
41 </tr>
42</table>

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