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Scan 52
Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907
10 lines. Read by computer on 25 September 2026. Printed page 48. See the scan on archive.org.
1Bertassi, Ambrogio. Piadena (bei Cremona), gegen 1730. Leidlich gute Arbeit. Wert: etwa 300–500 M.
3Bertoleti, Antonio. Brescia, Ende des XVIII. Jahrh.
5Bertolotti, Gasparo di, bekannt unter dem Namen Gaspar da Salò. Brescia, * 1542 in Salò am Gardasee, † 1609 in Brescia. Einer der ersten, wenn nicht der erste Meister, von welchem Violinen auf uns gekommen sind, deren Echtheit außer Zweifel steht*). Seine Arbeit macht weit mehr noch, als die des Andrea Amati, den Eindruck des Altertümlichen und ist insonderheit charakteristisch für den Stil des Übergangs aus der alten in die neue Zeit. Wann die ersten Violinen des Gasparo da Salò gebaut sind, läßt sich nicht genau feststellen, da der Meister nur Zettel ohne Jahreszahl benutzte. Es hindert uns also nichts, den Erzeugnissen der Brescianer Schule die Priorität vor jenen des Andrea Amati zuzusprechen, da ihre ganze Erscheinung die primitivere ist. Möglich, aber nicht erwiesen ist es, daß der zwar um einige Jahre ältere Cremoneser Meister, falls er nicht von Gasparo da Salò direkte Unterweisung erhielt, erst angeregt durch die Arbeiten des Brescianers den Bau der Violinen in seiner Vaterstadt begann und vervollkommnete.
7Gasparo da Salòs Violinen haben meist kleines Patron. Die Wölbung nahm er anfänglich höher, als bei seinen späteren Arbeiten; Bügel flach und schwerfällig, ff-Löcher in der Größe variierend, lang und weit offen, ziemlich parallel und ungraziös. Schnecke naiver Form, manchmal doppelte Windung; Deckenholz von großer Regelmäßigkeit der Jahre; Lack meist sehr dunkel, selten nur gelblich, ähnlich demjenigen Magginis. Ton nur mäßig ausgiebig, zumal bei den tieferen Saiten Alt-Charakter. — Macht auch dies alles noch den Eindruck einer erst werdenden Kunst, so ist doch Gasparo da Salò ein für seine Zeit außerordentlicher Meister gewesen, dessen Instrumente vollauf das leisteten, wonach die damalige Tonkunst verlangte. Obgleich er sehr viel gearbeitet haben soll, ist uns doch von ihm nur verhältnismäßig wenig zuver-
9*) Oft ist Gasparo da Salò als „Erfinder der Violine“ bezeichnet worden. Durch allmähliche Umgestaltung nur, nicht plötzlich, wird sich aus älteren Typen die Diskantgeige, unsere Violine, entwickelt haben; nicht ein einzelner Meister hat sie erdacht. Das Bedürfnis nach Streichinstrumenten von größerem Umfang in der Höhe und hellerem Klang, wie ihn die alten Violen und Lyren hatten, lag eben vor. Daß aber Gasparo da Salò ein hervorragendes Verdienst um die Festlegung des neuen Instrumententyps zufällt, ist zweifellos, zumal ein wesentlich früheres Entstehen der Violine nicht wohl angenommen werden kann, da die Literatur für dieses Instrument nicht so weit zurückreicht. In den beiden Opern „L'Euridice“ von Caccini und Peri (Florenz 1600) kommt die Violine noch nicht zur Verwendung. Erst Claudio Monteverdis „Orfeo“ (1607) weist sie auf.
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