Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 77

41883.f.4 – Untersuchungen über die Zusammensetzung der Klänge der Streichinstrumente / Dr. J. Ritz., 1883

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1IV.
2Das Mitklingen der freien Saiten.
4Unter Mitklingen der freien Saiten verstehe ich die Erscheinung, dass eine gestrichene Saite eine andere nicht gestrichene Saite desselben Instrumentes unter gewissen Bedingungen veranlasst, mitzuschwingen also auch mitzuklingen. Die Erscheinung ist allgemein bekannt unter der Bezeichnung des Mittönens; es wird sich indessen im Folgenden zeigen, dass in den meisten bei Streichinstrumenten inbetracht kommenden Fällen eine ganze Gruppe von Obertönen zum Mitklingen veranlasst wird, dass also für die vorliegende Erscheinung der Ausdruck Mitklingen richtiger ist. Es ist bisher meines Wissens noch nicht untersucht worden, in welcher Breite und Häufigkeit die Erscheinung bei den Streichinstrumenten auftrete, d. h. inwieweit beim Spiel die Saiten ein und desselben Instrumentes sich gegenseitig beeinflussen, und ob etwa dadurch die Klangfarbe dieser Instrumente betroffen werden könne.
6Ich versuche im vorliegenden Abschnitt den zuletzt angedeuteten Fragen etwas näher zu treten. Zu diesem Zwecke muss zuerst untersucht werden, unter welchen Umständen eine Saite imstande ist, eine andere Saite in Mitschwingung zu versetzen. Bisher hat man die Erscheinung des Mittönens bei Saiten meist in der Weise untersucht und beobachtet, dass man eine primäre Saite als Ganzes in Erregung brachte, und zusah, unter welchen Umständen sie auf eine zweite Saite erregend einwirke; auf die einzelnen Bestandteile des Klanges der primären Saite wurde dabei gar keine Rücksicht genommen, sowie anderseits durchaus ununtersucht blieb, in welcher Weise jeweils die zweite Saite das Mitschwingen ausführte, d. h. welche ihrer Obertöne sich daran beteiligten. Es blieb daher die Untersuchung des Phänomens des Mittönens meist beschränkt auf die Fälle, wo eine primäre Saite eine zweite gleichgestimmte*) oder eine Saite erregt, deren Grundton 2 oder 3 mal so viele Schwingungen ausführt, als der Grundton der ersteren. Und in der That wird die Erscheinung des Mittönens damit so ziemlich erschöpft sein in jenen Fällen, wo die Saite, die erregt werden soll, in grösserer Entfernung von der primären Saite liegt, wo also die beiden Saiten auf zwei verschiedenen Instrumenten aufgespannt sind. Sind aber beide Saiten auf demselben Instrumente, und noch dazu auf so empfindlichen Instrumenten, wie die Streichinstrumente denn doch sind, aufgezogen, so wird nicht bloss in jenen einfachen Fällen
8*) Tyndall beschreibt in seinem Buche „der Schall“ pag. 387 derartige Versuche nach Sauveur, wobei die beiden Saiten im Einklang stehen.

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