Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 106

Cremona. Eine Charakteristik der italienischen Geigenbauer und ihrer Instrumente, 1919

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1Spezimina der Geigenbaukunst, sowohl in Bezug auf originelle Form bei Verwendung des schönsten Materials, als auch auf vollendete Arbeit. Sein Lack ist tiefgelb-goldig, von hoher Schönheit und vortrefflicher Qualität. Die Grösse der Instrumente aus dieser Zeit ist ein wenig verschieden.
3In der letzten Periode nach 1740 baute er jene grossen, massiven Instrumente mit schweren Rändern, die Reifchen tiefer eingelegt, die Ecken grotesk, die Schnecke kräftig und majestätisch, die f-Löcher etwas mehr abgerundet.
5Unter solchen Meisterstücken kommen seltsamer Weise ganz liederlich gearbeitete Exemplare vor, die sogenannten Gefängnisgeigen (violons de la servante). Guarnerius, so erzählt man, soll ein sehr unregelmässiges Leben geführt, dem Trunk und dem Spiel sich ergeben haben und schliesslich wegen politischer Umtriebe ins Gefängnis gesteckt worden sein. Dort hat er mit unvollkommenem Werkzeug Instrumente aus freier Hand gemacht, wozu ihm die Tochter des Gefängniswärters heimlich das Material zugetragen haben soll. Deshalb die grosse Verschiedenheit in Holz, Lack und Arbeit, wodurch der Kenner oft bei der Beurteilung, mehr als bei irgend einem andern Meister, in Verlegenheit gesetzt wird. Die Entstehung dieser Lesart lässt sich aber auch auf eine blosse Namenverwechslung zurückzuführen. Ein gewisser Giacomo Guarneri, † 8. X. 1715 im Gefängnis zu Cremona, mag die Legendenbildung veranlasst haben.
7Wenn man die Stärke der Decken genau prüft, so findet man eine grosse Unregelmässigkeit; sie sind meist sehr dick in der Brust, es gibt jedoch auch Geigen, deren Decken überall von gleicher Dicke sind, und sogar solche (bei Dr. Weber in Berlin), deren Decken dick an den Rändern und dünner in der Brust sind. Da trotzdem alle vortrefflich klingen, so ist anzunehmen, dass dieser Meister im Besitz einer ganz besonderen Kenntnis der tongebenden Eigenschaften des Holzes sich befunden und es in eigenartiger Manier mit grossem Geschick zu verarbeiten verstanden habe.
9Er verfertigte mehr Violinen als Violen, man kennt von ihm keine Violoncelli.
11Bei Lebzeiten hat Guarneri nicht den Ruhm gefunden, der ihm gebührte. Erst lange nach seinem Tode und ins-

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