Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 5

Der Geigenbau in Italien und sein deutscher Ursprung : eine historische Skizze, 1875

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1So weltbekannt von seinem Vororte Cremona her der italienische Geigenbau ist, so viel Unklarheit herrscht noch darüber, was ihm eigentlich seine Bedeutung verlieh. Anstatt natürliche Erklärungsgründe aufzusuchen, nahm man zum Geheimnis die Zuflucht, um welches dann noch Sage und Legende ihre Schleier woben.
3Wunderbar ist es nun allerdings, daß durch die Praxis allein ein Geigenmodell geschaffen wurde, das bei aller Gefälligkeit der Form und bequemen Spielbarkeit zugleich in Bezug auf Wohlklang und Macht des Tones das beste ist, welches — soweit die zahlreichen, zum Theil von den scharfsinnigsten wissenschaftlichen Untersuchungen begleiteten Versuche einen Schluss gestatten — überhaupt gefunden werden kann. Auch der in Farbe, Feuer und Durchsichtigkeit noch immer nicht erreichte italienische Lack, auf welchen Liebhaber und Sammler so viel Werth legen, mag als ein Geheimnis zugestanden werden. Irrig erscheint es dagegen, die den Cremonefer Instrumenten eigenthümlichen Vorzüge im Tone besonderen Kunstgriffen zuzuschreiben, da doch die Regeln, nach denen sie gebaut sind, aus zerlegten Exemplaren dem beobachtenden und denkenden Meister deutlich erkennbar sind, und es auch die Erfahrung lehrt, daß in gleicher Weise gebaute neue Instrumente mit der Zeit jenen im Tone und in der leichten Ansprache ebenbürtig werden.
5In dieser vorgefassten Meinung liegt das von ihm leider zum großen Theile selbst verschuldete Hauptsinnerniß, mit welchem der moderne Geigenbau zu kämpfen hat, das nämlich, daß er es zu keinem rechten Anwerthe und daher auch zu keinem nachhaltigen und schwunghaften Schaffen bringen kann.
7Man hat zwar in den hundert Jahren, seit der klassische Geigenbau in Italien erlosch, nicht aufgehört, neue Instrumente zu erzeugen. Ist aber das, was producirt wurde, im Stande, die Lücke auszufüllen, welche die Italiener gelassen? Man darf dies füglich bezweifeln. Wohl läßt es sich nicht läugnen, daß sich manches Treffliche darunter befindet. Im Ganzen war das aber doch eine Periode des Experimentirens. Es fehlte ein leitendes Princip, wie es die alten Italiener in treu bewährter Tradition die ganze Zeit über festgehalten hatten. Viele glaubten es besser machen zu können und verfielen auf Abwege. Dazu gesellte sich noch eine verkehrte Methode, die großen italienischen Meister nachzuahmen. Auf die Vorliebe des Publicums speculirend, stellte man Instrumente her, nicht wie sie einst aus den Händen derselben hervorgegangen waren, sondern wie die italienischen nach hundert und mehr Jahren im Zustande ihrer Abnutzung und selbst Beschädigung aussehen. Um die neuen Machwerke auch in der Weichheit und leichten Ansprache des Tones den alten ähnlich zu machen, wurde man häufig noch verleitet, die Decken schwächer, als es sein soll, auszuarbeiten, oder das Holz zu beizen, oder künstlich auszutrocknen, wodurch den Instrumenten die

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