Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 6

Der Geigenbau in Italien und sein deutscher Ursprung : eine historische Skizze, 1875

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1Kraft geraubt wurde, die heftige Erschütterung, welcher der Resonanzkörper durch die Vibration ausgesetzt ist, auf die Dauer auszuhalten, was zur Folge hatte, daß auch die Tonqualität solcher Instrumente je länger je mehr sich verminderte. Auf diese Weise kamen die neuen Instrumente in Misscredit, auch jene nicht ausgenommen, die solid und regelrecht gearbeitet waren, und der Begehr wendete sich um so lebhafter und ausschließlicher den wohlerhaltenen Stücken aus der Erbschaft der Italiener zu.
3Wie lange wird dies aber noch anhalten? Auch die Bogeninstrumente, wie groß auch ihre Dauer bei sorgfältiger Behandlung sei, unterliegen der Zeit und Zufall und Unverstand beschleunigen das Vernichtungswerk. Es scheint nun hohe Zeit zu sein, wieder auf einen Nachschub durch Neues zu denken. Zur Vermeidung von Missverständnissen sei aber ein für allemal bemerkt, daß damit nicht der große Bedarf gemeint ist, für welchen anderweitig vorgesorgt wird, sondern jene ausserlesenen Tonwerkzeuge, wie sie das höhere Solospiel und die Kammermusik erheischt. Ueber die bei deren Erzeugung einzuhaltende Methode dürfte heute zu Tage, nach den vielen vergeblich angestellten Versuchen und Untersuchungen kein Zweifel mehr bestehen. Es kann nur ein Weg zum Ziele führen, nämlich der, in Auswahl des Holzes, in Form, Construction und Ausarbeitung genau so wie die alten Meister vorzugehen, welche die besten Vorbilder geliefert haben, wobei es natürlich unbenommen bleibt, ja geboten ist, in den Nebenbestandtheilen jene Abänderungen vorzunehmen, die durch das ungleich ausgebildetere Violinspiel und die höhere Stimmung der Gegenwart bedingt sind. Der unumgänglichen Selbstverleugnung, welcher sich dabei die Producenten zu unterziehen haben, muß das Vertrauen der Abnehmer entgegenkommen. Denn Angebot und Nachfrage stehen mit einander in innigster Wechselwirkung. Wo diese nachläßt, muß auch jene erlahmen.
5Aus diesem Grunde hat die Verbreitung richtiger Ansichten über den Geigenbau und seine Entwicklung zugleich auch eine praktische Seite; ja sie ist die unerlässliche Vorbedingung, um denselben wieder auf jene Stufe zu heben, die er merkwürdiger Weise schon zu einer Zeit einnahm, wo das Bedürfniß nach vollkommenen Instrumenten weder extensiv noch intensiv im Entferntesten dem heutigen gleich kam.*)
7Eine solche Aufgabe war der über meine Anregung in den Plan der Wiener Weltausstellung einbezogenen Ausstellung von Cremonese Instrumenten zugezahlt. Durch ein Materiale, wie man es sonst nirgends beisammen findet, unterstützt, sollten von den berufensten Männern aus dem Kreise der Instrumentenmacher, der Musiker und selbst der Physiker die auf diesem Gebiete noch strittigen Fragen erörtert und ihrer Lösung entgegengeführt, an der Hand der zur Schau versammelten Instrumente die Entwicklung des klassischen Geigenbaues im Ganzen wie in seinen verschiedenen Schulen und Meistern dargelegt, nebstbei aber zugleich, so weit es anging, die noch so dunkle Geschichte dieses Zweiges und seiner Vertreter aufgehellt werden. Die Ausstellung kam jedoch nicht zu Stande; glücklicherweise nicht wegen in der Natur des Unternehmens selbst liegenden Hindernissen, daher man die Hoffnung noch nicht aufzugeben braucht, unter günstigeren Verhältnissen den Gedanken früher oder später einmal verwirklicht zu sehen.
9Ohne daß ihr eine reiche Auswahl von Instrumenten zu Grunde liegt, hat eine Nachweisung der technischen Fortbildung und des Anteiles, welchen einzelne Meister oder ganze Schulen daran genommen, etwas sehr Müßiges. Man erfaßt nicht den Zusammenhang und ist daher auch nicht nicht in der Lage, Ursache und Wirkung richtig zu beurtheilen. Dabei ist nicht zu übersehen, daß auch aus einer und derselben Werkstätte nicht immer gleich gute oder gleich schöne Arbeiten hervorgingen. Selbst Meister minderen Ranges haben Prachtstücke geliefert, während umgekehrt die Koryphäen manchmal in einem oder dem andern Punkte hinter ihrer sonstigen Mustergüte zurückgeblieben sind. Wird dann das, was man an einem Instrumente, welches gerade zur Hand ist, wahrnimmt, verallgemeinert, so sind Irrungen unvermeidlich; werden dazu diese von vermeintlichen Autoritäten, die mehr scheinen wollen, als sie wissen, mit anmaßlicher Sicherheit vorgetragen, so finden sie leicht Verbreitung und sind später nur schwer auszurotten. Endlich mangelt es auch noch an einer einheitlichen Terminologie, wie sie nothwendig ist, um mit denselben Ausdrücken immer dieselben Begriffe zu bezeichnen. In allen diesen Beziehungen dürften also Specialausstellungen von Cremonese Instrumenten kaum zu ersetzen sein.
11Anders verhält es sich mit der äußeren Geschichte des Geigenbaues, insoweit sich
13*) Um nicht eines Plagiates gezielen zu werden, kann ich nicht umhin, hier darauf hinzuweisen, daß ich diese Ansichten über den Geigenbau, nur viel ausführlicher, bereits in meinem Berichte über die Orchesterinstrumente auf der Pariser Weltausstellung 1855 (XXVII. Heft des offiziellen österr. Berichtes) niedergelegt habe. Diesen Bericht benützte Hiacinth Abele in seiner Schrift „Die Violine" in ausgiebigster Weise, ohne, wie er es bei Anderen thut, die Quelle zu citiren. Ganze Seiten sind darin aus meiner Schrift wörtlich aufgenommen, und fanden theilsweise wieder in andere Werke unter seinem Namen Eingang. Unter solchen Umständen wäre daher eine Verwechslung der Originalität leicht, um so mehr, als mein Bericht als ein Theil eines grösseren, im Handel wenig verbreiteten Sammelwerkes in den musikalischen Kreisen nicht sehr bekannt wurde.

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