Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 7

Der Geigenbau in Italien und sein deutscher Ursprung : eine historische Skizze, 1875

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1eine solche in den Lebensmomenten seiner Vertreter und in den Ergebnissen des Gewerbs- und Handelsbetriebes abspiegelt. Hier lassen sich wenigstens die Steine zum künftigen Bau zusammentragen. Zur Orientierung über das zu erforschende Gebiet mögen daher einige Andeutungen beitragen.
3Die Urform, aus welcher die Geige mit den anderen zu ihrer Familie gehörigen Instrumenten — Viola, Violoncell und Contrabass sich entwickelte, ist sehr einfach und findet sich zum Theil heute noch unter dem Namen Omerti und Ravanastron in Indien, dann unter der Bezeichnung Rebab oder Rebec auf Java und in Arabien. Es ist wahrscheinlich, daß solche Tonwerkzeuge — Instrumente in unserem Sinne kann man sie wohl nicht nennen — in der bei den verschiedenen Stämmen mannigfach veränderten Urform gleich mit der Einwanderung der indo-germanischen Völker nach Europa gebracht wurden. Finden sich doch Arten davon noch gegenwärtig hie und da im Gebrauche. So bei den Serben die Gusle und bei den Russen das Goudok.
5Vornehmlich auf zwei solche ursprüngliche Typen scheint das Entstehen der Geige zurückzuführen zu sein, — das Croth der Britten und das ohne Zweifel über Spanien nach Frankreich gekommene Rebec. Jahrhunderte aber vergingen und eine Unzahl oft sehr wunderlicher Umformungen, von welchen uns Bildwerke von alten Kirchen und Abbildungen in alten Handschriften ganze Musterkarten überliefert haben, war notwendig, ehe daraus die Gestalt unserer Geige herauswuchs.
7Den Übergang bildeten die Violen, die ihrerseits ebenfalls wieder vielerlei Umformungen passirten, bis ihre Form ein festes Gepräge erhielt. Man kann sich von dieser Violaform eine gute Vorstellung machen, denn sie ähnelt mit ihrem flachen Boden, ihrem gegen den Hals mehr zugespitzten, als abgerundeten Corpus und mit den breiten in den Bügeln nicht geschweifsten Zargen auffallend unserem Contrabass oder der Viola d'amour, welch' letztere freilich jetzt auch schon anfängt zur Rarität zu werden. Zuweilen sind die Zargen in den Bügeln bloß einge- bogen, so wie es an unseren Guitarren der Fall ist. Im Anschluß an die Singstimmen, zu deren Begleitung sie mehr und mehr verwendet werden mochten, theilten sie sich in Discant-, Alt-, Tenor- und Bass-Violen und wurden beim Spielen theils an der Schulter, theils zwischen den Knien gehalten, daher auch der Name Schulterviola (Viola di spalte oder Viola di braccio, woher das deutsche Wort: Bratsche) und Kniegeige (Viola da Gamba). Nur die Bassviola, die überhaupt kaum sehr wesentlich verändert im Contrabass fortlebt, wurde wie dieser in freistehender Haltung gespielt.
9Die Erzeugung der Violen derselben Art wurde noch lange, nachdem bereits das neue Modell für Violinen, Violen und Violoncellos gefunden war und Verbreitung gefunden hatte, fortbetrieben — Beweis, daß das dumpfe, sänseelnde Getön, welches ihr Spiel vermöge ihrer äußeren Bauart und ihrer inneren Structur, welcher häufig selbst der so wichtige Bassbalken noch abgeht, verursachen mußte, lange noch bestieß blieb, bevor der helle, glänzende, kräftige und weittragende Ton der neuen Instrumente die Alleinherrschaft an sich riß.
11Obgleich übrigens Galilei in seinen Dialogen sagt, „sowohl die Violine, als der Bass oder das Violoncello sei von den Italienern, vielleicht von den Neapolitanern (?) erfunden worden," so ließen sich darüber doch noch Zweifel aufwerfen. In England herrschte von alter Zeit her eine rege Tätigkeit in der Hervorbringung von Tonwerkzeugen, die mit dem Bogen gespielt werden, gleichwie dort die Fiedler und Viola- spieler gesucht und gut gezahlt wurden. Warum könnte also nicht auch daselbst das Streichinstrument zuerst die Metamorphose zur Geige durchgemacht haben? So unwahrscheinlich wäre es ferner gleichfalls nicht, daß die Geige aus Deutschland nach Italien verpflanzt worden wäre. Sind es ja Meister, deren Namen auf deutsche Abstammung hinweist, von denen der eigentliche Geigenbau am frühesten in Italien cultivirt wird. Doch ist die ältere Gewerbsgeschichte in beiden Ländern noch zu wenig aufgeklärt, als daß sich eine bestimmte Behauptung hierüber aufstellen ließe. Thatfache ist es hingegen, daß die ältesten bis jetzt bekannten Geigen in Italien gebaut wurden.
13Man war bisher gewohnt, Brescia als die Wiege des italienischen Geigenbaues anzusehen. So lange man jedoch diese Annahme nur auf Gaspar da Salo (ungefähr von 1560 bis 1610) baute, bestand sie nicht zu Recht. Aus Anlaß der Inschrift einer Geige mit dem Namen Joan. Kerlino 1449 angestellte neuere Nachforschungen aber ergaben, daß ein Geigenbauer dieses Namens in Brescia gelebt hatte, und damit gewann auch jene Annahme eine Berechtigung. Widrigens hätte die Ehre, als die Wiege eines in seinen Hervorbringungen und in seiner stetig fortschreitenden Entwicklung gleich bewunderungswürdigen Zweiges des menschlichen Kunstfleißes zu gelten, für Bologna in Anspruch genommen werden müssen, da aus dieser Stadt ein bisher unter dem Namen Gasparo Duifsofprugcar bekannter Meister vom Jahre 1511 an eine Reihe nicht minder durch technische Vollendung, als äußere Ausstattung bemerkenswerther Violinen hinaussendet. Gleichzeitig mit Bologna wird die Anfertigung von Streichinstrumenten zu Mantua, Verona und Venedig betrieben. Es sind dies aber, so weit man aus den in Museen aufbewahrten Exemplaren ersieht,

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