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Scan 129
Die Geigen und Lautenmacher, 1922
10 lines. Read by computer on 23 September 2026. Printed page 125. See the scan on archive.org.
1»Luthier de l'école italienne«, wie er sich selbst betitelt, hat mehr gewollt, als er leisten konnte. In dem etwas westlicher liegenden Auch ist René Simon, der zehn Jahre lang bei Vuillaume gearbeitet, zufällig kleben geblieben, und der Vollständigkeit halber seien noch der um 1820 in Bayonne tätige, wenig begabte Milhet und der als 82jähriger Greis erst 1881 verstorbene Jean Joseph Coffe erwähnt.
3SÜDWESTFRANKREICH
5In den kleineren Orten vor Bordeaux sucht man vergeblich nach Geigen- und Lautenmachern, nur der in Bordeaux geborene Léon Sir, der in Marmande das Geschäft seiner Mutter führt, und der Uhrmacher Lafage in Langon beschäftigen sich, jeder auf seine Art, mit dem Geigenbau. In Bordeaux selbst aber haben schon seit dem Ende des 17. Jahrhunderts tüchtige Meister in größerer Anzahl gewirkt. Trotzdem kennt man den Namen des Vorgängers und Lehrers von Gaviniés noch nicht. Er soll Pierre Malahar (?) geheißen haben. François Gaviniés konnte nicht nur Geigen machen, sondern auch trefflich spielen und bildete seinen Sohn zu einem hervorragenden Virtuosen aus. Nach seinem im Jahre 1741 erfolgten Wegzug soll Jean Baptiste Frébrunet eine Zeitlang seine Werkstatt geleitet haben. Aber auch dieser hielt es nicht allzu lange in der schönen Hauptstadt der Guyenne aus. Edmond Saunier blieb von 1754 an gleichfalls nur zehn Jahre da, sie fanden wohl nicht genug Arbeit, da der geschickte Feyzeau es verstanden hatte, alles an sich zu ziehen. Als Feyzeau gestorben war, lebte noch Barbier, der Hoflautenmacher des Prinzen Ferdinand, der sehr gute Gitarren baute, und Charpentier führte die vorkommenden kleineren Ausbesserungen aus, bis der Pariser J. B. F. Henry sich einstellte. Das war endlich ein Mann, der höhergespannten Anforderungen gewachsen war, und doch mußte auch er nach einem Aufenthalt von zwei Jahren wieder fortziehen. Dafür blieben Alexander Paverot, ein ziemlich talentloser Mirecourter, und der Gitarrenmacher Parizot. Was Henry und seine Vorgänger vergeblich anstrebten, glückte endlich dem talentvollen Nicolas Vaillant (»Nicolas de Bordeaux«), denn er verstand nicht nur sein Fach, sondern wußte auch, sich durchzusetzen. Sein Nachfolger Alexandre Delanoy hatte bei Buthod und Vuillaume eine treffliche Schule durchgemacht und hatte es viel leichter, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, denn es zweifelte jetzt niemand mehr, daß auch in Bordeaux gute Geigen gemacht werden können. Außer ihm erfreute sich noch Lauriol einer verdienten Wertschätzung, und gegenwärtig gelten Charles Résuche, der im Jahre 1899 F. Meynieus Werkstatt übernahm, und Barguès gleichfalls für recht gute Geigenmacher. Es wird jetzt mehr gegeigt in Bordeaux als früher, und das Geigenklavier, das Pierre Peynaud in Taillan erfunden hat, wird den Fiedelbogen wohl auch nicht außer Kurs setzen.
7Noch ist die Bergstadt Angoulême zu erwähnen, da hier in den letzten Jahrzehnten Faye, dann Fontaubert und Valentins Nachfolger Javelland-Labbé ihre Werkstätten eingerichtet haben. Auch in der Seefestung La Rochelle gibt es so viele Geiger, daß es Théodore Rigondeau nie an Auftraggebern fehlte. Sein Geschäft übernahm im Jahre 1874 sein langjähriger Schüler Eugène Ferrand und führt es im Geiste seines Lehrers fort. In Laroche trifft man sogar zwei Geigengeschäfte an, nur konnte ich nicht in Erfahrung bringen, ob ihre Besitzer Moreau und Didion gelernte Geigenmacher oder nur Händler sind.
9Es läßt sich nicht verkennen, daß in Frankreich zu allen Zeiten hervorragend begabte Männer sich dem Geigen- und Lautenbau zugewendet haben, der Anstoß zu höheren Leistungen kam
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