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Scan 128
Die Geigen und Lautenmacher, 1922
10 lines. Read by computer on 23 September 2026. Printed page 124. See the scan on archive.org.
1in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts allerlei Instrumente. Viel früher, nämlich schon seit ungefähr 1729, wurden in der alten, festen Stadt Grenoble Geigen gemacht, und Gaspard Cuchet war ein tüchtiger Meister, dem nur ein gutes Modell fehlte. César Pons halte ich für seinen Schüler, wenn er sich auch in seinen Violinen deutschen Vorbildern zu nähern gesucht hat. Er hinterließ zwei Söhne, von denen der jüngere, L. Pons, sein Nachfolger wurde, aber wesentlich handwerksmäßiger arbeitete. Erst lange nach seinem Tode kam Octave Henry aus Paris und begründete 1854 sein Geschäft, das unter der Firma Henry & Arnaud noch fortbesteht. Wenn in den sechziger Jahren V. Grivel ein gewisses Ansehen genoß, verdankt er dies mehr seinem Wissen als seinem Können. Er beschäftigte sich mit dem Studium der alten Meister, und das war immerhin verdienstlicher als die Versuche des längst vergessenen Charles A. Baur in dem nahe gelegenen Tour, etwas Neues an die Stelle der in jahrhundertlangem Suchen gefundenen Formen zu setzen.
3In Chambéry, wo vorher der Italiener Pietro Natale arbeitete, haben erst um die Jahrhundertwende Bessolaz und Staenz ihre Arbeitsstätte aufgeschlagen.
5Nähert man sich wieder der Mittelmeerküste, so interessiert uns zunächst Viviers, weil dort schon im 18. Jahrhundert André Dulac, der vielleicht einmal in der Werkstatt Guersans war, seine dunkel lackierten Geigen gebaut hat. Sein Schüler könnte der um 1820 in Montpellier arbeitende G. Roger gewesen sein, nur muß bemerkt werden, daß seine Leistungen ebenso wenig Wert haben wie die Valenzanes, der wahrscheinlich ein Italiener aus Asti war. Wesentlich besser verstand sich P. A. Moitessier auf Geigen, obwohl ihm der Orgelbau besser zugesagte. Nach ihm kamen in den sechziger Jahren Charles und A. Lapeyrie und zuletzt der erfundungslustige Challard. Nach Béziers wagte sich erst 1863 der Mirecourter Victor Le-cavallé. Viel früher sind in Tarascon Geigen entstanden. Daß es in der Heimat Tartarins nicht ohne kleine Übertreibungen abgeht, weiß man, so hat man dem Geistlichen Tardieu, der um 1705 noch am Leben war, ganz ohne Berechtigung die Erfindung des Violoncellos zugeschrieben, das ja bekanntlich längst erfunden war; die Kniegeigen, die er gemacht hat, waren noch fünfsaitig, dagegen hat André Reynaud, gleichfalls ein ehemaliger Geistlicher und vielleicht von Tardieu unterrichtet, sehr gute Violoncelli gebaut. Beide waren wohl von Haus aus Dilettanten, aber sie standen schließlich hinter Berufsleuten nicht zurück. Schüler scheinen sie nicht ausgebildet zu haben, auch von auswärts verschlug das Schicksal keinen Geigenmacher nach Tarascon, und als Conte fils sich im Jahre 1852 selbständig machen wollte, zog er es vor, sich in Villefranche anzusiedeln.
7Wer in diesen Gegenden ein besseres Instrument haben wollte, ging nach Toulouse, dem Mittelpunkt des südlichen Frankreichs, wo es seit den Tagen Cabrollys, der schon vor 17341) vielleicht aus Mailand gekommen war, immer geschickte Meister gegeben hat, wenn man von dem ziemlich unbekannt gebliebenen Bergé absieht. Nach ihm stellte sich ein Gand ein, dessen Gitarren gern gekauft wurden, und um 1808 erschien Joseph Laurent Mast aus Mirecourt; er blieb seiner heimischen Arbeitsweise treu, war aber auch ganz geschickt. Indirekt durch ihn veranlaßt, verlegte der gleichfalls aus Mirecourt stammende Charles Simonin, einer der besten Gehilfen J. B. Vuillaumes, 1849 seine Werkstatt von Genf nach Toulouse, und seine Nachfolger Pierre Gauthié & Co. haben es sicher nicht leicht, es ihm gleichzutun. Louis, der
91) Wohl schon vor 1725, da der in Brunis Inventaire genannte »Cabresy« nur durch einen Lesefehler aus Cabroly entstanden sein dürfte.
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