Scan 487
Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904
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1Otto, Jakob August. — Weimar, Jena. Geb. in Gotha 1760, † zu Lobeda 1829.
3Um Unterricht im Geigenspiel zu erhalten, kam er zu Ernst in Gotha, der aber bald die angeborene Begabung seines Schülers für das Geigenmachen erkannte und ihn zum Geigenmacher ausbildete. Von Ernst erbte Otto auch die Lust zu theoretischen Studien und diesen verdankt er jetzt hauptsächlich seinen Ruhm, da sie ihn veranlassten, einige kleine gehaltvolle Schriften über das Geigenmachen herauszugeben, die heute noch nicht veraltet sind, fort und fort ausgeschrieben und in fremde Sprachen übersetzt wurden. Er besass eine grosse Handgeschicklichkeit, that sich viel darauf zu Gute, allerlerlei „Geheimnisse“ ergründet zu haben und zu besitzen. Leider scheinen gerade diese Geheimnisse seinen Arbeiten geschadet zu haben, denn bei aller Sauberkeit ist ihr Tonwerth nicht sehr hochstehend. Otto’s Geigen sind wieder ein Beweis, dass sich Fragen der Kunst nicht „wissenschaftlich“ lösen lassen. Er gehört aber zweifellos zu den deutschen Meistern, die die Kunst hochgehalten und durch Lehre und Schrift viel dazu beigetragen haben, dass das Geigenmachen des 19. Jahrhunderts in Deutschland seine Geltung behielt. Als Reparateur war er sehr tüchtig, einen Steg konnte Niemand feiner aufsetzen als er und ein Verfahren, neue Geigen einzuspielen, hat er gleichfalls erfunden, aber als Geheimniss für seine fünf Söhne, die sämmtlich Geigenmacher wurden, bewahrt. Er war ungemein fleissig und hatte den Titel eines weimarschen Hofinstrumentenmachers. Ausser in Weimar und Jena findet man ihn vorübergehend auch in Halle, Magdeburg (1816), in Leipzig und Berlin, wo er wohl nur den Boden für seine Söhne vorbereiten wollte. Seine Arbeiten werden immer einen gewissen Sammlerwerth haben, und, wenn sie nicht zu schwach im Holz sind, lassen sie sich auch leicht im Ton verbessern. Er ist auch der erste deutsche Geigenmacher, der schon im Jahre 1788 Guitarren nach italienischem Vorbild machte, wobei er werthvolle Verbesserungen einführte. Ueber eine seiner Guitarren finden sich im Körner—Schiller’schen Briefwechsel die folgenden Stellen. Der Vater des Dichters Theodor Körner schreibt am 27. Januar 1797: „Noch eine Bitte an dich von Minna. In Jena ist jetzt ein gewisser Instrumentenmacher Otto, der spanische Zithern oder Guitarren verfertigt und sich sonst in Gotha aufgehalten hat. Von diesem wünscht meine Frau bald eine Guitarre zu haben. Sei so gut, sie zu kaufen oder zu bestellen und lass sie vom Künstler einpacken … etc.“ Schiller antwortet darauf am 7. Februar: „… Den Instrumentenmacher Otto, von dem du schreibst, haben wir lange nicht ausfindig machen können, weil man ihm nicht erlaubt hat, sich hier niederzulassen. Endlich ist er wieder hier angekommen und hat sich beim dermaligen Prorector Griesbach abermals um den Schutz der Universität gemeldet Bei dieser Gelegenheit habe ich ihn aufgefunden und die Guitarre bestellt. Unter zehn Thaler lässt er sie aber nicht; er sagt, dass er für diesen Preis zwei nach Dresden geliefert habe — ich glaube an Naumann und an Brühl. In vierzehn Tagen verspricht er sie zu liefern …“ Er lieferte aber nicht so schnell, der Briefwechsel enthält noch verschiedene Stellen, die die Ungeduld zum Ausdruck bringen, erst am 28 April schreibt Dr. Körner: „… Die Guitarre ist da und hat einen schönen Ton …“ Diese Guitarre hatte Theod. Körner als Student der Bergakademie mit nach Freiberg genommen; sie befindet sich jetzt im Körner-Museum in Dresden.
5v. Lütgendorff, Geigen- und Lautenmacher.
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