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Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904
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1Vorwort und Einleitung.
3»Königin aller Instrumente« nannten die Araber in ihrer poetischen Sprache die Laute, von der sie glaubten, dass ihr süßer Ton Kranke gesund machen könne. Königin war sie auch bei uns im Abendlande bis in’s 17. Jahrhundert hinein. Heute aber ist die Laute verschwunden und vergessen, und nur einige verarmte Nachkommen von ihr fristen noch ein bescheidenes Dasein in der Volksmusik. Den Thron, wenn auch nicht die Stelle der Laute nimmt jetzt unbestritten die Geige ein. Schon im Jahre 1636 sagt Mersenne in seiner »Harmonie universelle«: »(Die Violine) ist im Stande, alle Töne ebenso akustisch richtig hervorzubringen wie die menschliche Stimme … daher kommt es, dass man sie allen andern Instrumenten vorzieht, da durch den Bogenstrich auf den Saiten ein Klang entsteht, der in der That bezaubernd ist. (Diese Wirkung) zwingt die Zuhörer zu dem Geständniss, dass die Violine die Königin aller Instrumente sei.«
5Es besteht mehr als ein Zusammenhang zwischen Laute und Geige, und es unterliegt wohl auch keinem Zweifel, dass die erste Violine aus der Werkstatt eines Lautenmachers hervorgegangen ist. Fast alle Lautenmacher machten gleichzeitig Streichinstrumente, wie uns viele alte Bilder, Holzschnitte und dergl., auf denen wir die Meister an der Arbeit sehen, beweisen würden, auch wenn wir nicht an den erhaltenen Arbeiten noch sichere Belege für diese That- sache hätten. Es kann daher nicht gewagt erscheinen, wenn ich sage, dass ein Lautenmacher die erste Violine gemacht hat. Wer dieser geniale Meister aber war, ob ein Deutscher oder ein Italiener, auf diese Frage, so oft sie auch schon gestellt wurde, hat noch Niemand die rechte Antwort gegeben. Die Frage wird sich auch gar nicht so ohne Weiteres beantworten lassen, denn ich glaube nicht an einen Erfinder. Ziemlich gleichzeitig mit der Entdeckung der echten Octave und der vollkommenen Cadenz durch Carissimi und Monteverde (1585—1672), und nachdem man die natürliche Einteilung der menschlichen Stimme in Sopran, Alt, Tenor und Bass erkannt hatte, entwickelten sich die ihr entsprechenden Streichinstrumente aus den bisher gebrauchten, vielgestaltigen Geigen wie von selbst. So kam auch die Violine, als ihre Zeit da war, wie die Rose erblüht, wenn der Frühling seinen Siegeszug vollendet. Sie mag das Werk mehrerer Künstler gewesen sein,
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