Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 6

Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904

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1die vielleicht gleichzeitig die bestehende, fühlbare Lücke auszufüllen sich entschlossen, und Einer nach dem Andern mag sie dann jener Vollendung entgegen geführt haben, die sie bereits am Anfange des 18. Jahrhunderts erreichte, und die seither nicht mehr überboten werden konnte. Ich habe deshalb auch nicht nach dem Erfinder der Violine gesucht, aber ich wollte die Meister alle kennen lernen, die sich Verdienste um sie erworben haben, und als ich hierüber Belehrung suchte, fand ich nur ein unbestelltes Arbeitsfeld in der einschlägigen Literatur. Was in verschiedenen Werken zerspreut zu finden ist, mag im Einzelnen oft recht werthvoll sein, ist aber fast immer unvollständig und gar Vieles, was aus einem Buche in zwölf andere überging, erwies sich bei genauerer Prüfung als unrichtig. Zahlreiche Namen sind bisher nur in entstellter Form bekannt gewesen, weil schon das Lesen alter Handschriften auf den Zetteln nicht Jedermanns Sache ist. So tauchten manche Namen von Geigenmachern, die nie gelebt haben, immer wieder auf: Namen, die nur aus dem Missverständniss einer Inschrift entstanden sind. Bei anderen Namen wieder ergab sich, dass sie nicht einem, sondern sechs und mehr Geigenmachern zugehörten u. s. w.
3In der Erkenntniss dieser Thatsachen und von dem Wunsche geleitet, Licht in das Dunkel zu bringen, begann ich vor mehr als einem Jahrzehnt zu sammeln und zu forschen; aus Archiven und Kirchenbüchern holte ich mir urkundliches Material zusammen; in Sammlungen und Museen, bei Geigenmachern, Musikern und Liebhabern suchte ich nach den Werken bekannter und unbekannter Meister; ich holte mir Rath bei Kennern und aus Büchern und habe mich eifrig bemüht, alle Quellen zwei- und dreifach nachzuprüfen und habe bei einem hervorragenden Geigenmacher so lange praktischen Unterricht genommen, bis ich schliesslich selbst eine Geige nach allen Regeln der Kunst machen konnte, so dass ich es jetzt wagen darf, die Frucht langjähriger und sorgfältiger Arbeit der Oeffentlichkeit zu übergeben.
5Die Geschichte der Geige ist bereits von vielen trefflichen und sachkundigen Männern behandelt worden; eine Geschichte der Geigenmacher fehlte uns bisher noch. Eine solche Geschichte zu schreiben, war auch Anfangs meine (jetzt noch nicht aufgegebene) Absicht. Aus den Bausteinen, die ich dazu zusammen trug, ist inzwischen das vorliegende Buch entstanden, das in gedrängter Kürze möglichst getreue und zuverlässige Nachrichten über das Leben und Wirken aller — auch der minder bedeutenden — Geigen- und Lautenmacher enthält, soweit sie mir wenigstens dem Namen nach bekannt geworden sind.
7Die Geige sowohl wie die Laute sind Kunstwerke, und ihre Verfertiger sollen Künstler sein. Wie es auf allen Gebieten der Kunst Meister giebt, die das Höchste erreichen, und solche, die aus ihrer Kunst ein Handwerk machen; wie es überall Dilettanten und talentlose Stümper giebt, so theilt sich auch die grosse Schaar der Verfertiger von Geigen und Lauten in echte, gottbegnadete Künstler, brave Handwerker und in Pfuscher, die nicht einmal das Handwerk recht erlernt und begriffen haben. Nur möchte ich gleich vorweg bemerken, dass es unter Geigen- und Lautenmachern wesentlich mehr echte Künstler gegeben hat und noch giebt, als man gewöhnlich anzunehmen ge-

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