Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 641

Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904

18 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 619. See the scan on archive.org.

1ort an, obwohl der Vogtländer Ursprung unverkennbar ist. Auch ein Ludwig St. kommt vor mit dem Zettel:
3Ludwig Steiner in Absam a Tyrol tectit me. Anno 17..
5Joseph Steiner in Mittenbald Anno 1792
7Steinert, Jacob. ? XVIII. Jahrh.
8Eine in meiner Sammlung befindliche vogtländische Geige mit weitjähriger Decke, Buchenholzboden, gelbem Lack, ohne Einlagen, die aus dem Besitze des Dichters Mathias Claudius stammt, trägt den folgenden geschriebenen Zettel. Ob ein Jacob Steinert wirklich gelebt hat, oder ob Jacob Stainer der Taufpathe der Geige war, will ich nicht entscheiden
10Jacob Steinert
11ad modum Cremonens. fecit
13Steininger, Franz Xaver (François). — Darmstadt, Frankfurt a. M., Paris, St. Petersburg. Geb. in Mainz 3. Juni 1778, † um 1850.
14Sohn und Schüler von Jakob St. Als sein Vater von Frankfurt nach Aschaffenburg berufen wurde, ging er auf die Wanderschaft, arbeitete hauptsächlich in Linz und Wien und kam vermutlich bis nach Paris. Im Jahre 1800 war er wieder in Aschaffenburg und erhielt einen Ruf als Hof-Geigenmacher nach Darmstadt. Dort scheint er jedoch keine ausreichende Beschäftigung gefunden zu haben, denn schon 1801 siedelte er nach Frankfurt, wo er seine Lehrzeit zugebracht, über und wo ein Geigenmacher sehr nötig war. Er fand bald einen grossen Kundenkreis, und als er sich 1802 um das Bürgerrecht bewarb, konnte er eine Reihe glänzender Zeugnisse vorlegen. Gegen die Verpflichtung, nur von ihm gemachte Geigen zu verkaufen und die Instrumente der städtischen Capelle an der Katharinenkirche lebenslänglich unentgeltlich zu unterhalten, wurde ihm und seiner Frau, einer geborenen Bernritter aus Aschaffenburg, 1803 das Bürgerrecht ertheilt. Nun kamen aber schlechte Zeiten und schwere Schicksalsschläge für ihn. 1805 starb seine Frau, die Kriegsjahre von 1806 an brachten ihn in seinem Erwerb zurück, die unerschwinglichen Kriegs-lasten ruinirten ihn vollends, so dass er sich entschloss, eine Kunstreise zu unternehmen. Er liess seinen jüngeren Bruder in der Frankfurter Werkstatt zurück und ging nach St. Petersburg, wo er bald so reichliche Anerkennung und lohnende Arbeit fand, dass er seinen Bruder, der ohne ihn nicht leben zu können angab, nachkommen liess. Vorher war er wohl wieder in Paris; auch in London scheint er sich aufgehalten zu haben, wie auch in Berlin und Warschau. Erst im Jahre 1818 kehrte er, nur ungern in St. Petersburg entlassen, nach Frankfurt zurück und erhielt das Bürgerrecht wieder. Sein Gesuch darum wurde von den ersten Musikern, darunter von Louis Spohr, der damals Operndirector in Frankfurt war, wärmstens unterstützt. Im Jahre 1819 heirathete er Elisabeth Kauth aus Bensheim und blieb jetzt mit kurzen Unterbrechungen bis 1835 in Frankfurt; nur von 1827—1828 arbeitete er in Paris. Die Frankfurter Gewerbekalender führen ihn bis 1835 als streichenden Instrumentenmacher in der Meisengasse wohnhaft auf. Die Frankfurter Adressbücher von 1835—1852 nennen ihn als auswärts wohnenden Bürger, und zwar als Geigenmacher in St. Petersburg. Von 1853 ab fehlt sein Name; er scheint also um diese Zeit schon gestorben gewesen zu sein. Er war ein feiner Künstler, der auch Verbesserungen am Bassbalken anbrachte, die sich bewährt haben. Seine Arbeiten beweisen, dass er die Italiener studirt hat; die französische Schule ist ebenfalls nicht ohne Einfluss auf ihn gewesen; ja, die Franzosen rechnen ihn kurzweg zu den Pariser Meistern. Besonders schön sind seine Violoncelli, von denen eines von 1828 auf einer Pariser Auction schon 1887 mit 650 frcs. bezahlt wurde. Er nahm nur sehr schönes Holz und war auch im Lack nicht schlecht.
16F. Steininger
17Paris 1827

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