Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 658

Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904

6 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 636. See the scan on archive.org.

1gerade; die Ecken sind vorspringend und breit. Die F-Löcher, die ihre Abstammung von Amati noch erkennen lassen, sind klein und fein geschnitten und stehen etwas geneigt, um den Raum zwischen den oberen runden Enden zu verringern. Diese Beschreibung kann aber, wie gesagt, nur in der Hauptsache stimmen, denn im Einzelnen gestattete er sich noch immer kleine Abweichungen, die wohl durch die Eigenschaften des ihm jeweils zu Gebote stehenden Materials veranlasst und diesem angepasst wurden. Stradivari entwickelte eine unglaubliche Fruchtbarkeit; aber selbst, wenn er jede Woche nur eine Geige fertiggebracht hätte, so giebt das bei seiner sechzigjährigen Arbeitsdauer immerhin etwa 3000 Geigen. Er erhielt für eine Geige, nach unserem Gelde gerechnet, 100—160 M., was aber bei der damaligen Kaufkraft des Geldes schon einen ziemlich hohen Preis darstellt. Es ist daher sicher, dass seine Geigen von allem Anfang an von ihren Besitzern als werthvolle Kunstwerke behandelt und als solche vererbt wurden und so könnte die Annahme Hill's, dass sich etwa 1000 bis in unsere Zeit erhalten haben, vielleicht das Richtige treffen. Wenn man aber die zweifellos echten Werke zusammenzählt, so wird man schwerlich einige 100 herausbekommen. Die Brüder Hill haben versucht, eine vollständige Liste seiner noch nachweisbaren Arbeiten aufzustellen, haben die Arbeit aber unausführbar gefunden. Es gelang ihnen jedoch, 540 Geigen, 12 Bratschen und 50 Violoncelli nachzuweisen. Stradivari war peinlich genau in der Arbeit, und als echter Künstler hat er nur in Geigen, die thatsächlich aus seiner Hand hervorgegangen waren, seinen Zettel geklebt. Von Gehilfen liess er sich nur die untergeordneten Vorarbeiten machen und in Geigen, die zwar in seiner Werkstatt, aber nicht von ihm selbst fertiggemacht wurden, bemerkte er ausdrücklich "sub disciplina" oder "sotto la disciplina di Antonio Stradivari" etc.*). Wenn gleichwohl einige echte Werke von ihm vorkommen, die nicht ganz auf seiner sonstigen Höhe stehen, so ist das darauf zurückzuführen, dass die Söhne des Meisters nach seinem Tode auch die unvollendeten Geigen und diejenigen, die er nur zu Versuchszwecken gemacht hat, mit seinen Zetteln versahen und verkauften. Er selbst gab solche Arbeiten nicht aus den Händen, und Thatsache ist es, dass aus den Jahren 1670—1690, also aus der Zeit, in der er an der Herausbildung seines eigenen Modells arbeitete, nur sehr wenig Geigen vorhanden sind. Die Zahl der ehrlichen Stradivari-Nachahmer ist Legion; bei den Preisen, die die Stradivari-Geigen jetzt erreichen, ist es auch bis zu einem gewissen Grade erklärlich, dass die Zahl der unehrlichen Nachahmer und Fälscher nicht minder gross ist. Unter 15000 M. ist jetzt keine "Stradivari" mehr zu haben; für die besterhaltene Geige des Meisters, die sogen. "Messias" **), zahlten Hill & Sons 1893 die Summe von 50000 Frs.; die "Herkules", im Besitze Ysaye's in Brüssel, wurde um 26000 Frs. gekauft. In welcher Weise die Preise stiegen, ersieht man aus der Thatsache, dass die aus dem Besitze des Stahlfederfabrikanten Gillot stammende, "der Kaiser" (the Emperor) genannte Geige 1872 bei Christie um 5800 M. verkauft wurde und jetzt 20000 M. kostet. Das Violoncello von 1714, das Alex. Batta besass — eines der herrlichsten Werke des grossen Meisters —, erwarb er 1836 für 7500 Frs. und Hill kaufte es 1893 für 80000 Frs. Nicht die beste, aber eine der interessantesten Violinen soll das Haus Salabue besitzen, die eine Angabe des Alters Stradivari's neben der Jahreszahl 1736 von dessen eigener Hand enthält. Ein Jahr nach der Vollendung dieser Violine
3*) Bei einigen Geigen, die noch den ursprünglichen Hals besitzen, findet man an diesem die Buchstaben P. S., die man mit Paolo Stradivari — dem Namen des jüngsten Sohnes des Meisters — deutet. Also auch hier hat er darauf gesehen, dass das bezeichnet wird, was er nicht selbst gemacht hat.
5**) So genannt, weil der Sammler Tarisio, der sie besass, immer von ihr sprach und sie doch nie nach Paris brachte, so dass man dort auf sie wartete wie die Juden auf den Messias.

The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.