Scan 165
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
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1Geipel. — Markneukirchen
2Von dieser Familie, deren Stammvater, aus dem Böhmischen eingewandert, schon 1726 erscheint (ein Adam Geipel lebt noch in Fleissen), sind oder waren in der Markneukirchener Geigenindustrie tätig:
4Geipel, Carl Christian. Geb. 1. Oktober 1863
5Geipel, Ernst Ferdinand. Geb. 26. Febr. 1866 in Landwüst
7Geipel, J. Friedrich I. 1727
8Er war der Schüler seines dem Vornamen nach nicht bekannten Vaters und wurde am 10. Januar 1727 als Meister in die Zunft aufgenommen, wobei er nur die ermäßigten Gebühren als Sohn eines Meisters zu bezahlen hatte.
10Geipel, J. Friedrich II. Geb. 10. Sept. 1809, † 18. März 1872
11Er war ursprünglich Tischler und wurde erst später Geigenmacher.
13Geipel, Moritz. Geb. 12. November 1852
14Geipel, Reinhold Adolph. † 1910
15Geipel, Walter Edwin. — Homburg, Mannheim. 1918. Geb. in Zwota
16Tüchtiger Geigenbaumeister.
18Geissenhof, Franz. — Wien. Geb. in Vils 1754, † 2. Januar 1821 in Wien
19Er war ein Sohn des Pflegers und Urbarverwalters Joh. Mich. G. und kam als Gehilfe nach Wien, wo er Schüler und seit 1781 Nachfolger von Joh. Gg. Thir wurde. Er legte am 29. Juli 1780 den Bürgereid ab und wohnte Singerstraße Nr. 922. Er war ein hervorragender Meister, der nach italienischen Vorbildern und besonders nach dem Stradivari-Modell von 1716 arbeitete. In bezug auf die Arbeit kann er als der beste Wiener Meister bezeichnet werden. Leider ist der Ton seiner Geigen nicht sehr groß. In seiner Arbeit lassen sich vier Perioden unterscheiden. Die erste ist bis 1790 anzusetzen; in dieser Zeit haben seine Geigen einen sehr dunklen Lack und sehen wie die seines Lehrmeisters Thir aus. Die zweite Periode umfaßt die Zeit von 1790—1800. Er bevorzugt jetzt ein flacheres Modell, der Lack, wenn auch noch dunkel, wird durchsichtiger, nur konnte er sich noch kein schönes Ahornholz verschaffen. Die Böden sind daher nur wenig oder gar nicht geflammt. In seiner dritten Periode von 1800 bis 1810 erreicht er die volle Höhe seines Könnens, das Modell wird breiter, Wölbung, Einlagen und Ränder sind von tadelloser Schönheit, der Lack wird braungelb, manchmal mehr oder weniger rötlich gemischt. In der vierten Periode von 1810 an nimmt er die Ränder etwas massiger, seine Arbeit ist jetzt so vollendet, daß sie von niemand mehr übertroffen werden könnte. Der Lack wird von 1815 an immer heller und manchmal sogar hellgelb. Leider pflegte er, wie viele andere Geigenmacher seiner Zeit, seine Geigen vor dem Lackieren mit Leimwasser zu tränken, um die Holzflächen besser glatt zu erhalten. Der Lack wurde dadurch sehr empfindlich und kann namentlich durch Nässe leicht zerstört werden. In seiner Glanzzeit machte er die Schnecken ganz besonders schön, die Facetten treten rein und in vornehmster Linienführung hervor, wie sie kein zweiter Wiener Geigenmacher ausstechen konnte. Auch die F-Löcher nach Stradivari sind von besonderer Feinheit und die unteren Zungen sehr elegant ausgehöhlt. Außer seinen Zetteln gebrauchte er am Boden, in der Nähe des Halsansatzes, ein F. G. als Brandmarke (Nr. 21) von einem schief gestellten Parallelogramm von Doppellinien umrahmt. Kommt die Brandmarke am Plättchen des Halsansatzes vor, dann fehlt die Umrahmung. Er scheint die Marke in den Lack eingebrannt zu haben, weshalb sie jetzt manchmal hell hervortritt oder verwischt erscheint. Geissenhof war außerordentlich genau und gewissenhaft in der Arbeit, er arbeitete meistens allein, da er keinen Gehilfen finden konnte, der seinen strengen Anforderungen entsprach. Er ließ kein Stück aus der Werkstatt, das nicht ganz einwandfrei war, und doch ist die Zahl der von ihm gebauten Instrumente ziemlich groß, so daß man daraus leicht ersehen kann, wie fleißig er war. In einzelnen wenigen Fällen arbeitete er wohl auf Bestellung auch nach den Modellen von Gaspar da Salò oder Maggini usw., aber mit weniger Erfolg. Seine Violinen entsprechen seinen Violinen; Violoncelli scheint er sehr selten gebaut zu haben, ich kenne nur drei davon und nur einen einzigen Kontrabass. Er stand in hohem Ansehen und erhielt für eine Violine die damals und für Wien ziemlich hohe Summe von 60 fl. Schein. Der Verkaufswert seiner Geigen ist in den letzten Jahren außerordentlich gestiegen. Von einem schön kastanienbraun lackierten Quartett, das im Jahre 1877 noch für 100 fl. gekauft werden konnte, sind die beiden Violinen und die Viola einige Jahre vor dem Kriege für 1600 K. verkauft worden. Heute zahlt man für gut erhaltene Violinen geradezu fabelhafte Preise. Von den mir bekanntgewordenen Arbeiten erwähne ich der Kürze halber nur die folgenden: Eine sehr schöne Viola befand sich in der Wiener Musik- und Theaterausstellung. Das Stift Schotten in Wien besaß zwei Geigen von ihm aus den Jahren 1800 und 18091) und das Stift Klosterneuburg eine solche von 1810, Herr Edw. Speyer in Ridgehurst eine solche von 1804, eine Violine von 1797 Steueroftizial Banauch in Austerlitz. Die letzte Arbeit von ihm (gelbbraun lackiert), die bei seinem Tode bis auf die Wirbellöcher fertig war2) besitzt A. Kottenbach in Wien. Eine Violine nach Gaspar da Salò besitzt Hofmusiker Franz Heinrich, zwei Violinen von 1786 und 1805, eine davon nach Maggini, Valentin Waller, in dessen Sammlung sich auch eine Viola von 1805 befindet. Ein Violoncello von 1804 und eine goldgelbe Violine von 1817 besitzt Prof. Mayr, eine ebenso lackierte, prachtvolle Viola Dr. med.
211) Im Inventar von 1868 werden die beiden Geigen noch aufgezählt, in dem von 1887 nicht mehr, doch wird bemerkt, daß sie 1881 oder kurz darnach gestohlen worden seien.
222) Sie war als Weihnachtsgeschenk für den damaligen Schüler (späteren Lehrer) Weiß bestellt, von dem sie der jetzige Besitzer erbt.
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