Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 191

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

26 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 187. See the scan on archive.org.

1wie Lupot, Vuillaume oder Fr. Coussin in Neufchateau haben sich vergeblich bemüht, durch plötzliches Trocknenlassen einer dünnen Lackschicht und schroffe Temperaturwechsel feine Risse zu erzeugen, die dann nochmals überfünft wurden. Von weitem sehen solche Lackierungen wohl wie »zerronnen« aus, in der Nähe betrachtet erkennt man aber leicht das regelmäßige Gitter, das dem Gemäldefreund als Craquelure bei auf Holz gemalten Bildern hinlänglich bekannt ist und das mit dem zerronnenen Lack niemals identisch ist. Joseph G. ist nächst G. del Gesù der beste Meister aus seiner Familie, und wenn jemand, so war er (wie auch Hart meint) der Lehrer seines größeren Vetters. Eine schöne Geige von ihm besitzt Th. Hämmerle in Wien, andere Sir Robert Berwick und Konzertmeister Anton Huber in München, ein prachtvolles Violoncello von 1732 Prof. Georg Wille in Dresden.
2Geigenzettel: Abb. 293.
4Guarneri, Pietro (I) Giovanni. — Cremona, Mantua. Geb. 18. Febr. 1655 in Cremona, † nach 1728
5Erstgeborener Sohn von Andrea G., bei dem er bis 1680 blieb, nachdem er sich schon 1677 mit Caterina Sussagni verheiratet hatte. Später ließ er sich in Mantua nieder und kam nur noch einmal im Jahre 1698 nach Cremona zurück, wahrscheinlich veranlaßt durch die schwere, mit dem Tode endigende Krankheit seines Vaters. In dieser Zeit arbeitete er für seinen Bruder Giuseppe. Daß er zuletzt in Venedig ansässig gewesen und dort ganz heruntergekommen sein soll, beruht wohl auf einer Verwechslung mit seinem Neffen Pietro (II). Man wollte ihn früher für einen Amatischüler halten, doch hat er wahrscheinlich bei seinem Vater gelernt. Er war ein sehr begabter Geigenmacher, aber ein etwas unruhiger Geist, was ihn verhindert haben mag, voll auszureifen. In der Form weichen seine Geigen bedeutend von denen seines Vaters und Bruders ab, ja er machte sogar Versuche, neue Formen zu finden, wofür eine noch erhaltene Altviola von 1698 spricht, bei der er die Ecken weggelassen hat, also dasselbe tat, was später u. a. Chanot getan hat, der eine ganz neue Erfindung damit gemacht zu haben glaubte. Sonst ist sein Modell sehr schön und groß, die F-Löcher sind breit und rund und halten die Mitte zwischen Amati und Stradivari, während die )( mehr an Nic. Amati erinnern; die Schnecke ist breit und hat einen originellen Zug, und die Einlagen sind sehr schön. Die Wölbung nahm er bei breiter Brust ein wenig zu hoch, weshalb auch der Ton seiner Geigen, so edel er an sich genannt werden muß, oft nicht allzu groß ist. Das Holz ist in der Regel sehr schön und der blaßrote oder braungelbe Lack vor trefflich. Seine Arbeit ist manchmal barock und nicht immer sehr genau, und wenn dies bei ihm die Schönheit des Tons nicht beeinträchtigt, so scheinen die recht zu haben, die behaupten, daß es doch ein Geheimnis der Cremoneser gab, von dem eben der Ton abhängig war. Eine aus Venedig(?) datierte Violine von ihm befand sich nach der Mitteilung des Geigenmachers Methfessel in Wien in Privatbesitz. Eine tadellos erhaltene halbe Violine von ihm aus dem Jahre 1696 besitzt Heinrich Doevenspech in Düsseldorf. — Eine schöne Violine von ihm aus dem Nachlasse ihres Vaters, des trefflichen Malers Prof. Gussow, besitzt Frau Prof. Dr. v. Fritze in Berlin 1).
6Geigenzettel: Revisto e coretto da me Pietro Guarneri / Cremonese in Mantova 1697. (gedruckt) und Abb. 278.
8Guarneri, Pietro(II).—Venedig. Geb. 14. April 1695 in Cremona, † nach 1760 in Venedig
9Sohn von Giuseppe (»Joseph«) G. und Schüler seines Vaters. In seinen reiferen Jahren schloß er sich mehr an seinen Oheim Pietro an und machte recht hübsche Geigen nach dessen Modellen, weshalb man ihre Arbeiten leicht verwechselt. In seinen letzten Jahren soll es ihm sehr schlecht gegangen sein. Sichere Arbeiten von ihm beweisen, daß er seinem Namen alle Ehre machte. Universitätsprof. Dr. Disselhorst in Halle a. S. besitzt eine prächtige Violine von ihm aus dem Jahre 1751, großes flaches Modell mit charakteristischen großen F-Löchern und leuchtendem braunen Lack. Das Deckenholz könnte schöner sein, die Arbeit aber ist tadellos, und im Tone kommt die Violine den besten Cremonesern gleich. Auch die Schnecke ist groß und schwungvoll in den Linien. — Auch der Kgl. Opernsänger Gustaf Sjöberg in Stockholm hat eine sehr gute Violine von 1719 von ihm. Ein dritter Pietro G. soll 1720—1750 in Mantua gelebt haben.
10Geigenzettel: Abb. 253 und 270.
12Guarneri, Ubaldo. — Cremona. 1683
13Ein bisher unbekanntes Mitglied der Familie G., das Valdrighi (Nr. 4218) aufzählt. Er vermutet in Ub. G. einen Sohn Andreas.
15Gudi, Hieronimo. — Cremona. 1726. 1727
16Ein Meister von hervorragenden Fähigkeiten, der jung gestorben sein muß, da er sonst bekannter wäre. Vidal macht auf eine herrliche Viola d’amore von ihm aufmerksam, die sich in der Sammlung Gautier in Nizza befindet: prachtvolles Holz, meisterhafte Arbeit, goldgelber Lack, edler Ton, Frauenköpfcchen am Wirbelkasten. Eine schöne Geige von ihm besitzt das Cisterzienserinnenkloster Oberschönenfeld bei Augsburg. Auch Kammermusiker W. F. Borsche in Hannover besaß eine gute Violine von ihm (mit einer leider erneuerten Schnecke).
17Geigenzettel: Hieronimo Gudi da Cremona 1727 (gedruckt).
19Guédon, Jacques Antoine. — Paris. 1755. 1783
20Er wohnte erst Rue de la Tissanderie (1775/77), später Rue Barillerie (1779/83) und gehört nicht zu den hervorragenden Meistern.
22Gülich, Johann.—Mannheim. 1794. † 27. März 1837
23Sohn von Math. G. und sein Nachfolger. Er diente zuerst in der k. k. Armee, und als er im Jahre 1794 nach Mannheim zurückkehrte, sollte er zum pfälzischen Militär eingezogen werden. Intendant v. Dalberg
251) In der Reihe der Männer, die sich ernsthaft mit der Erforschung des altitalienischen Geigenlacks beschäftigt haben, nimmt Prof. Gussow einen hervorragenden Platz ein, und mehrere der besten Arbeiten von Riechers tragen Gussowschen Geigenlack.

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