Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 192

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

24 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 188. See the scan on archive.org.

1machte dagegen geltend, daß Johann G. wegen »merklichen Leibesschadens« zum Kriegsdienst untauglich sei, und für den alten Vater den Dienst als Kalkant (Orchesterdiener) versehen müsse. Im Jahre 1800 übernahm er die väterliche Werkstatt und im Jahre 1801 wurde er als Kalkant mit 200 fl. Gehalt fest angestellt. Von da an geriet er oft in einen Widerstreit zwischen seinem eigentlichen Berufe und seinem Amte, da er dem einen nur nachkommen konnte, wenn er das andere vernachlässigte. Seine Stelle scheint er dann schon vor 1817 aufgegeben zu haben, aber er brachte es trotz allem Fleiße zu keinem Vermögen und besaß außer seinem auf 350 Gulden geschätzten Hause, das er mit dem Gelde seiner 1806 verstorbenen ersten Frau gekauft hatte, keine irdischen Güter. Eine aus dem Theaterorchester stammende Geige von ihm besitzt das Altertumsmuseum in Mannheim. Das Theaterorchester besaß noch 1820 fünf Violinen von ihm aus den Jahren 1804—1811, zwei von 1812 und ein im Jahre 1804 von ihm verkleinertes Violoncello (von Rauch).
2Geigenzettel: Johann Güllich, Lauten- und / Geigenmacher Mannheim 180. (gedruckt).
4Gülich (Gylig), Mathias. — Mannheim. Geb. um 1714, † im August 1803
5Er wird zuerst im kurpf. Hofkalender 1763 als Lautenmacher und kurpfalzbayrischer Hof-Lauten- und Geigenmacher (Instrumentenmacher) erwähnt, und diente seit 1774 bei der Hofmusik und der französischen Komödie als »Kalkant«, wofür er seit 1779 ein Gehalt von 150 fl. bezog, dabei aber die Saiten liefern und die Instrumente ausbessern mußte. Er selbst unterschreibt ein Gesuch von 1782 mit Matthäus Gilig, auf seinen Zetteln nennt er sich Mathias Güllich, in Urkunden erscheint auch Gylig, und der bayrische Hofkalender von 1798 macht gar Gygli daraus. Daß er mit der bayrischen Hofmusik nach München übersiedelt ist, erscheint unwahrscheinlich. Die Übersiedlung fand 1778 statt, während sich Güllich nachweisbar dauernd in Mannheim befand. Alt geworden und vom Schlag getroffen, geriet er in Düftigkeit und fand dann im Mannheimer Borromäusspital seit 1800 eine letzte Zuflucht. Sein Sohn übernahm damals die Werkstatt. — In den Sammlungen des Mannheimer Altertumsvereins befindet sich eine 1776 von ihm reparierte Viola da Gamba mit seinem Zettel. Eine Violine von 1779 und eine Altviola von 1776 besaß nach den Theaterakten des Mannheimer Stadtarchivs (»Verzeichnis der am 15. Nov. 1820 dem Kalkanten Karl Mann übergebenen Orchesterinstrumente«) das Mannheimer Theater.
6Geigenzettel: Mathias Güllich Lauden- und Geigenmacher in Mannheim 17.. (gedruckt).
8Guénet. — Bourg. 1850
9Ein Uhrmacher, der einige Drehleiern (Viellen) gemacht hat.
11Günther, Franz. — Halle, Potsdam, Berlin, Zürich, Tiengen. Geb. 13. Oktober 1857 in Radegast (Anhalt-Cöthen)
12Sohn von Georg G. Im Jahre 1871 kam er zu Ludw. Bausch nach Leipzig in die Lehre und lernte nach dem Tode seines Meisters bei seinem Vater aus; von 1878 bis 1880 arbeitete er bei seinem Bruder in Magdeburg, dann bis 1886 in Halle, wo er sich auch nach dem Tode seines Vaters selbständig machte und bis Ende September 1893 blieb. Am 1. Oktober 1893 siedelte er nach Potsdam über und übernahm 1894 das Grimmsche Geschäft in Berlin, das er bis 1901 fortführte. Seine Geigen sind nach Stradivari gemacht, der Rand nach Vuillaume (also nicht abgerundet). Bis 1898 verwendete er Spirituslack, seitdem Lasurölfarben aus Tuben und als letzten Überzug Schellack. Decke und Boden stimmte er nach eigenem System ab. Auf der Berliner Musikausstellung 1898 erhielt er für seine Geigen und Bogen die goldene Medaille. Seine Zettel sind meistens handschriftlich. Um den altitalienischen Geigenlack zu erforschen, ging er auf Prof. J. Joachims Rat nach Mailand und hielt sich dann längere Zeit in Zürich auf. Die Kriegserignisse führten ihn in die Heimat zurück und verschlugen ihn zuletzt nach Tiengen an der Schweizer Grenze, als er diese nicht mehr überschreiten durfte. Er ist überzeugt, die Arbeitsweise der alten Cremoneser vollkommen erforscht zu haben und legt auf den Lack ein Hauptgewicht.
13Geigenzettel: Verfertigt von Franz Günther, / Berlin, d…… (gedruckt).
15Günther, Georg. — Radegast, Halle a. S. 1853, † 1886
16Schüler von L. Bausch in Leipzig. Im Jahre 1853 machte er sich selbständig und siedelte 1865 nach Halle über. Solide Arbeit, längliches Patron, dunkelbrauner Lack. Die Wölbung zeigt stellenweise einen hartlinigen Verlauf. Der Ton ist gut, trägt aber nicht genügend, dagegen wird G. noch heute nachgerühmt, daß er bei Wiederherstellungsarbeiten verstand, den Ton wirklich zu verbessern.
18Günther, Gustav. — Magdeburg, Mainz. Geb. 1853 in Halle a. S.
19Schüler von L. Bausch. Er erhielt auch eine umfassende musikalische Ausbildung und spielt alle Streichinstrumente, was ihm als Geigenmacher sehr zustatten kommt. Während seiner Militärzeit diente er als Hoboist. 1879 ließ er sich in Magdeburg nieder und übernahm dann 1881 die Werkstatt von A. Milch in Mainz. Er hat nur wenig neue Geigen gemacht, diese sind kräftig im Holz, nach Stradivari, und haben Öl- und Spirituslack. Seit 1895 hat er den Neubau fast ganz aufgegeben, dagegen reist er jährlich ein- bis zweimal nach Italien, um alte Geigen einzukaufen, die er dann recht gut wieder herstellt. An Stelle des Zettels verwendet er auch eine Brandmarke mit seinem Namen. Sein Sohn und Schüler Georg G., geb. 1893 in Mainz, ist gleichfalls ein tüchtiger Geigenmacher geworden und im väterlichen Geschäft tätig.
21Günther, H., lebt (1895) in Dresden
22Guérin, Alexandre Sauveur. — Marseille. Geb. 20. Aug. 1834 in Hyères
23Schüler und Nachfolger von Edm. Daniel. Er hat sich fast ausschließlich auf den Handel verlegt.

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