Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 254

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

20 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 250. See the scan on archive.org.

1Kerlino, Giovanni
2Dieser Name wird als der des ältesten Brescianer Geigenmachers überliefert. In Brescia aber kam der Name niemals vor. In keiner Urkunde wird er erwähnt, und wenn er überhaupt je gelebt haben sollte, dann war er gewiß nie in Brescia, wie Giovanni Livi schon im Jahre 1896 nachgewiesen hat. Was man von ihm erzählt, beruht hauptsächlich auf den Mitteilungen von Fétis, der in seinem Buche über Stradivari (S. 49) erwähnt, daß es nach Laborde um 1450 einen breitagnischen Geigenmacher Kerlino gegeben habe. Fétis sah ein schon von Laborde erwähntes Instrument von Kerlino 25 Jahre später im Besitze des Geigenmachers Koliker und beschreibt es folgendermaßen: »Es war keine gewöhnliche Violine, sondern eine dazu umgearbeitete Viola. Sie war höher gewölbt und hatte höhere Zargen als die Violen aus späterer Zeit. An Stelle des Ebenholzsaitenhalters befand sich ein Haken von Elfenbein mit vier Löchern. Das Instrument trug auf der Rückseite die Inschrift »Joan. Kerlino 1449«. — Das ganze Instrument war zweifellos ein Machwerk Kolikers, an dem vielleicht einige Teile alt waren. Auch die Inschrift wird wohl unecht gewesen sein, so daß man vielleicht der Wahrheit nahe kommt, wenn man, wie James M. Fleming, den Namen Kerlino für eine aus einer Umdrehung des Namens Koliker (= Ker-li-ko) entstandene Erfindung des Pariser Geigenmachers hält. Seit der Name Kerlino aufgetaucht ist, hat er den Forschern viel Kopfzerbrechens gemacht, da es unmöglich erschien, seine Lebenszeit und seine Heimat zu bestimmen. Nur darin waren alle einig, daß er kein Italiener gewesen sein dürfte. Laborde verlegte seine Heimat in die Bretagne, Rühlmann tritt mit Nachdruck für eine deutsche Abstammung ein, und de Piccolellis hält Kerlino, freilich ein wenig zweifelnd, für einen Tiroler. Da vom 15.—18. Jahrhundert eine ganze Anzahl flandrischer Musiker Namens Kerle in Italien nachweisbar ist, läge es meiner Meinung nach am nächsten, ihn für einen eingewanderten Flamländer zu halten oder ihn zur Familie Gerle (Gerlein) zu zählen, denn sowohl für einen Kerle, als für einen Gerlein wäre es damals nicht schwer gewesen, die verwelschte Namensform Kerlino zu bilden. Alle Zweifel an der Existenz dieses Kerlino wurden jedoch niedergeschlagen durch die Mitteilung, daß die Markgräfin Isabella von Mantua im Juni 1495 einige Violen von ihm machen ließ und gegen Ende des genannten Jahres den Lautenspieler Angelo Testagrossa beauftragte, nach Brescia zu reisen, um die bestellten Violen zu prüfen. (Vgl. Bertolotti, S. 17 und Davari, S. 16). Die Urkunden, aus denen diese Tatsachen hervorgehen, sind jedoch gewaltsam mit Kerlino in Verbindung gebracht, denn in ihnen ist nur von einem Brescianer »maistro de le viole« die Rede, ohne daß ein Name angegeben wird. Sie beweisen also gar nichts für das wirkliche Vorkommen Kerlinos. Solange also kein urkundlicher Beweis vorliegt, daß es je einen Kerlino gegeben hat, muß auch dieser Geigenmacher die Zahl der erfundenen Größen vermehren helfen. Da der Name Kerlino aber entschieden ungeschickt erfunden wäre, will ich doch für möglich halten, daß es irgendeinen alten Meister gegeben hat, dessen Name schließlich diese rätselhafte Form angenommen hat. Es wäre z. B. denkbar, daß ein Lauten- und Violinmacher Zerlino oder Zarlino (vgl. Zarlino da Chioggia) irgendwo vorkam. Diesen Namen könnte man zur Not auch Cerlino geschrieben haben. Das C in ein K zu verwandeln, wäre dann nicht mehr allzu schwer gewesen.
4Kern, Hermann August. — Markneukirchen.
5Geb. 12. April 1873
6Nachdem er in seiner Vaterstadt das Geigenmachen erlernt hatte, zog er fort und hat seitdem in verschiedenen Werkstätten gearbeitet.
8Kern, Johann. — Tittling (Dittling) im bayr. Wald. 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts
9Eine Schlagzither von ihm (im Stile der Mittenwalder) befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln (Nr. 439).
11Kern (Khern), Thomas. — Wien. 1580
12Er wurde als Lautenmacher im März 1580 Wiener Bürger.
14Kerr, W., war bis 1899 in Newcastle-on-Tyne ansässig
16Kerschensteiner, Xaver. — Regensburg. Geb. in Parsberg (Ob.-Pf., Bayern) 7. Mai 1839, † 22. Dez. 1915
17Schüler von Peter Schulz, bei dem er im Alter von 16 Jahren in die Lehre trat, nachdem er vorher als Seminarist des kgl. Studien- und Musikseminars zu St. Emmeran vier Jahre die Lateinschule in Regensburg besucht hatte. Vier Jahre lernte er bei Schulz und ging dann in die Fremde und arbeitete in München bei Tieffenbrunner und Echinger, in Linz bei Strotzinger, in Wien bei Bittner und in Würzburg bei Meindl. Im Jahre 1865 nach Regensburg zurückgekehrt, trat er als Teilhaber in das Geschäft seines ehemaligen Lehrmeisters ein. Ein begeisterter Jünger seiner Kunst, suchte er sich stets zu vervollkommnen, und so konnte es nicht ausbleiben, daß er bald sehr schöne Erfolge erzielte. Schönes Holz, treffliche Arbeit und feuriger Lack zeichnen seine Instrumente aus, die schon jetzt hoch bewertet und auch in England gern gekauft wurden. Er verwendete einen ätherischen Öllack, zu dem er das Rezept einem alten Lackierbuch von 1744 entnahm. Was einem deutschen Geigenmacher an Auszeichnungen zuteil werden kann, hat er erhalten, und auch in seinem bürgerlichen Leben wurden ihm zahlreiche Ehren zuteil. Er war viele Jahre Stadtverordneter, Magistratsrat und Abgeordneter der Stadt Regensburg im Oberpfälzischen Landrate usw. Außer Streichinstrumenten verfertigte er auch meisterhafte Zithern, die jetzt sehr teuer bezahlt werden. Seit 1910 war sein am 9. November 1869 geborener Sohn Franz, der bei ihm gelernt hat, bereits sein Geschäftsteilhaber. Er ist jetzt alleiniger Inhaber und ein sehr guter Geigenbauer, dem es sehr zustatten kommt, daß er auch Musik studiert und die Oberrealschule absolviert hat. Seiner Militärpflicht genügte er als Einjährig-Freiwilliger und ist ein würdiger Nachfolger seines Vaters.
19Geigenzettel: Xav. Kerschensteiner. / Ratisbonæ fecit anno 18 . . (gedruckt) und Abb. 415,

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