Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 257

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

30 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 253. See the scan on archive.org.

1Kielbich, Julian. — Warschau, Bromberg.
2Geb. 1865 in Warschau
3Schüler von W. Glier in Warschau, bei dem er vier Jahre lernte und elf Jahre als Geselle arbeitete. Hierauf ging er nach St. Petersburg und Kiew und war 10 Jahre lang als Instrumentenmacher in Warschau selbständig. Nachdem er hier sein Geschäft wieder aufgegeben hatte, kam er zu Voit nach Bromberg. Als die Voitsche Werkstatt eingegangen war, eröffnete er sein eigenes Musikinstrumentengeschäft und fand bald eine gute Kundschaft. Auf seinem Zettel findet sich sein Name durch einen Druckfehler in Kelbich verwandelt.
5Kiendl, Anton. — Wien. Geb. 3. Juni 1816 in Mittenwald, † 13. Jan. 1871
6In seiner Heimat erlernte er das Geigen- und Zithermachen und war auch ein Virtuose auf der Zither. Er arbeitete als Gehilfe bei Engleder zur gleichen Zeit, als Gutermann bei diesem in der Lehre war. Im Jahre 1843 ließ er sich in Wien nieder und arbeitete unablässig an der Verbesserung seines Lieblingsinstruments. Er führte das Quintensystem bei der Zither ein, vermehrte die Zahl der Saiten, so daß es nunmehr möglich war, alle Tonarten anzuwenden. Er hat sich so besondere Verdienste um das Instrument erworben und auch die Streichzither wesentlich verbessert. Sein Geschäft dehnte sich sehr aus, zuletzt stellte er jährlich über 800 Zithern her. Wenn er auch, seit er in Wien ansässig war, sich nur selten mit dem Geigenbau beschäftigte, so ist doch zu erwähnen, daß er sehr gute Geigen machen konnte.
7Geigenzettel: Abb. 416.
9Kiendl, Karl. — Mödling, Wien. Geb. 1850 in Graseck (Oberbayern)
10Er kam 1862 nach Wien zu seinem Oheim Anton K. und erlernte hier zunächst vorzugsweise das Zithermachen. Von 1868—1870 ging er nach Mittenwald zu Joh. Reiter, um sich im Geigenmachen auszubilden, und hierauf nach München zu H. Tiefenbrunner, wo er hauptsächlich Gitarren machte. Im Jahre 1872 eröffnete er in Mödling bei Wien seine eigene Werkstatt. Seine Geigen sind nach alten Meistern und nach eigenem Modell gebaut und mit Öllack auf Balsamgrund versehen. Seine Zithern macht er ausschließlich nach eigenen Modellen. Er hat allerlei Erfindungen1) gemacht, eine genaue Berechnung des Gewichts der Saiten für alle Instrumente aufgestellt und eine absolut reine (logarithm. berechnete) Griffbretteinteilung für Zithern eingeführt. Er wurde auf vielen Ausstellungen ausgezeichnet.
12Kiesgen, Louis. — Paris. 1894
13Er scheint längere Zeit bei Gand gearbeitet zu haben und ahmt diesen nach. Seine Arbeit ist sauber, der Lack rot.
15Kilian, Hermann. — München. Geb. 27. Febr. 1875 in Freiburg i. Br.
16Als Sohn des amerik. Bürgers Friedr. K. kam er schon als Kind nach New York und kam mit seinen Eltern in seinem 12. Jahre nach Deutschland zurück, um hier Musik zu studieren. Er wurde ein tüchtiger Violoncellist, der mit Erfolg in Deutschland und Italien in Kammermusikkonzerten tätig war, auch war er Mitglied des bekannten Münchener Streichquartetts, an dessen Spitze damals sein Bruder Prof. Th. Kilian stand. Sein lebhaftes Interesse für den Geigenbau und seine Geschichte brachte ihn frühzeitig mit Geigenmachern in Beziehung und schließlich folgte er, von seiner Neigung getrieben, bereits 28 Jahre alt, dem Rate Fiorinis, den Geigenbau von Grund auf zu erlernen. Mit guten Vorkenntnissen ausgerüstet und durch besonderen Fleiß konnte er nach einer zweijährigen Lehrzeit den Geigenbau als Beruf ausüben. Im Jahre 1909 eröffnete er seine eigene Werkstatt, die er 1912 an die Hofmusikalienhandlung Alfr. Schmid’s Nachfolger angliederte, indem er gleichzeitig die Leitung der Geigenabteilung dieser Firma übernahm. In neuester Zeit baut er auch gute Lauten und Gitarren. Er arbeitet sehr sauber und gewissenhaft und ist ein gewiefter Kenner alter Instrumente. Seit Zunterers Tod ist er auch beeideter Sachverständiger für Streichinstrumente.
18Kindler (Kindli?), Johann. — Bern. 1475
19Ein Instrumentenmacher, der bei Valdrighi (3806) aufgezählt erscheint.
21Kinnemann, Ernst. — Sidney (Canley vale, New South-Wales). 1884. 1902
22Ein Schiffsingenieur, der in der Umgebung von Potsdam geboren und frühzeitig nach Australien ausgewandert ist, wo er durch verschiedene Umstände darauf kam, eine eigenartige Violine zu machen, deren Schallkörper aus der zweilappigen Frucht der Meerkokos (Lodoicea Seychellarum) besteht. 18 Jahre lang beschäftigte er sich mit der Lösung des Problems und hat tatsächlich Violinen von hervorragender Klangschönheit fertig gebracht, die mit ihren vier F-Löchern und dem sonderbaren Körper allerdings sehr originell aussehen. Irgend einen Lack verwendet er dabei nicht. — Ähnlich hat Benj. Carlton in Philadelphia eine Geige aus einer Hummerschere gemacht.
24Kinnemann, Friedrich. — Neuhaldensleben.
25Geb. 17. April 1809 zu Wudicke bei Rathenow, † 22. Febr. 1860 in Neuhaldensleben
26Nachdem er in Zerbst das Stellmacherhandwerk erlernt hatte, verlegte er sich als eifriger Musiker schon frühzeitig auf die Anfertigung von Streichinstrumenten. In Neuhaldensleben fand er eine Anstellung in der Wagenfabrik von G. Stahlknecht. Der Erfolg, den er mit seinen Geigen hatte, die er in freien Stunden baute, veranlaßte ihn, sich ganz auf den Geigenbau zu verlegen. Er richtete sich eine Werkstatt ein, doch gab er sie schon nach Verlauf eines Jahres wieder auf und kehrte zu Stahlknecht zurück, da er als Geigenmacher keinen ausreichenden Erwerb fand. Seine Geigen waren sauber gearbeitet, wenn man ihnen auch ansah, daß ihr Verfertiger kein gelernter Geigenmacher war.
27Geigenzettel: Fr. Kinnemann / zu / Neuhaldensleben / 1851 (geschrieben).
291) »Eureka-« und »Eutonia-Zithern« usw.

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