Scan 292
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
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1im Baaderischen Hauss, Bürgereid abgelegt am 18. November 1784«. In den Steuerlisten kommt er 1785 bis 1787 vor. Er scheint dann mehrere Jahre lang in Preßburg gearbeitet zu haben. Dr. Geyer kann als Beleg dafür einen Zettel von 1790 mitteilen: Andreas Carolus Leeb / fecit Posonii 1790 No 67 (geschrieben). Er war sehr talentvoll und einer der ersten Wiener Geigenmacher, die das Stainermodell aufgaben. In seiner ersten Zeit ging er in seiner Begeisterung für die flache Wölbung allerdings, besonders bei den Violoncelli, etwas zu weit, so daß jetzt viele davon auf der Seite des Baßbalkens eingesunken erscheinen. Er bildete sein Modell nach Stradivari, rundete jedoch die Ränder nach dem Vorbilde der Amati zarter ab. Daß er fortwährend Versuche anstellte, beweist die große Verschiedenartigkeit seiner Geigen. Arbeiten seiner ersten Zeit sind sehr dunkelbraun, beinahe schwarz lackiert und haben spärlich geflammtes Ahornholz. Je schöner sein Holz wird, desto besser wird auch der jetzt gelblichbraune Lack, der nur an jenen Stellen, wo er dicker aufgetragen wurde, »zusammengetrieben« erscheint. Auch L. scheint nach der in Wien üblichen Art die Geigen vor dem Lackieren mit einem Leimgrund versehen zu haben, doch tat er dies sicher nicht so ausschließlich wie viele andere. Seine Geigen sind sehr gut im Ton und in allen Teilen sauber gearbeitet, nur die Schnecke ist etwas schwerfällig. Auf seinen Zetteln, von denen er den größeren ursprünglich nur für Violoncelli verwendete, gilt die Opuszahl nur für das jeweilige Jahr, da er jährlich von neuem zu zählen begann. Auch als Reparateur war er sehr beliebt. Da er verhältnismäßig jung gestorben ist, muß er, nach der Zahl seiner Arbeiten zu urteilen, sehr fleißig gewesen sein. Seine dunkelbraunen Geigen werden wohl ganz gut, seine helleren dagegen dreimal so teuer bezahlt. Eine von ihm im Jahre 1796 reparierte Stainergeige befindet sich in der fürstlich Lobkowitzschen Sammlung zu Raudnitz, ferner aus demselben Jahre eine Geige mit der Brandmarke A. L. auf dem Boden.
3Geigenzettel: Abb. 494.
4Brandmarke Nr. 4.
6Leeb, Balthasar. — Preßburg, Tyrnau. 1740. 1758
7Nach einer alten Überlieferung soll Joh. Georg I L. der Sohn eines Geigenmachers gewesen sein, dessen Vorname irrtümlich auch als »Georg« angegeben wird. Arbeiten dieses Stammvaters der Familie Leeb konnte ich nicht ermitteln, selbst daß er Geigenmacher war, steht nicht einwandfrei fest, denn in der Trauungsmatrikel des Preßburger Domes findet sich der Eintrag: »1769 Januarii die 8. Vid. Baltasar Leeb Materiae Confector et Virgo Johanna Stromerin.« — Sonst kommt nur noch ein Wenceslaus Leeb, Organista musicus Bohemus, vor, der 27 Jahre alt, am 4. Februar 1776 in Preßburg die Jungfrau Ursula Kurtzin aus Schlesien heiratete.
9Leeb, Johann Carl. — Wien Geb. 1792, † 6. Mai 1819
10Er wohnte Stadt Nr. 399 und legte am 3. Oktober 1817 den Bürgereid ab. Wahrscheinlich ein Sohn von Andr. Carl L., den er freilich nicht erreichte, immerhin ein sehr talentvoller Meister, der leider schon im Alter von 27 Jahren starb. Infolgedessen kommen Arbeiten von ihm selten vor. Er verwendete einen gelblichroten Lack, den er gleichmäßig auftrug. Zettel scheint er nicht eingeklebt zu haben. Eine seiner letzten Arbeiten, eine Geige aus dem Jahre 1819, besitzt das Schottenstift in Wien. Möglicherweise könnte auch der von Dr. J. Geyer erwähnte Franz Löbb, der noch 1786 gelebt haben soll, als der Vater Johann Georgs in Betracht kommen.
12Leeb, Johann Georg I. — Preßburg. Geb. in Preßburg um 1740. 1810
13Vielleicht ein Sohn von Balthasar L. oder von Franz Löbb, wenn nicht von jenem Georg Lebb, von dem Dr. J. Geyer einen Zettel mit der Jahreszahl 1706 mitteilt1). Er erwarb das Bürgerrecht in Preßburg am 1. Februar 1779. Vielbeschäftigter Meister, der als der beste seiner Zeit in Ungarn angesehen wird. Er arbeitete nach Stainer, auch nach Amati, wobei er allerdings auch Eigenes dazu tat. Im ganzen steht er Joh. G. Thir sehr nahe. Zu den Decken verarbeitete er gutes Klangholz, sein Ahornholz ist beinahe ganz ohne Flammen. Von merkwürdiger Plumpheit sind seine Schnecken. Der Lack ist rotbraun und sehr dünn aufgetragen. Die Geigen haben einen weichen, edlen, oft kräftigen Ton. Eine Geige von 1780 befindet sich im Mathiasdom zu Ofen. Eine Violine von 1787 besitzt Dr. Ad. Lindner in Wien.
15Geigenzettel: Johann Georg Leeb in / Presburg Anno 1788 (gedruckt).
17Leeb, Johann Georg II. — Preßburg. Geb. 1779, † 3. März 1817
18Sohn von Joh. Gg. L. und dessen Nachfolger. Er erwarb das Bürgerrecht am 19. April 1814 und steht als Künstler höher als sein Vater. Er arbeitete nur nach Amati und verwendete dunkelbraunen, manchmal auch lichtbraunen Lack. Auch bei ihm sind die Schnecken auffallend plump. Er war sehr fleißig; in Wien befinden sich noch viele seiner Violinen im Privatbesitz. Seine Geigen werden je nach ihrer Schönheit bewertet. Zwei Violinen von ihm von 1806 besitzt der Preßburger Domchor.
20Geigenzettel: Abb. 503.
22Leest, Willem. — Antwerpen. 1561
23Ein Antwerpener Musikinstrumentenmacher, der 1561 als Klavichordmacher das Bürgerrecht erwarb.
25Leeuwen, Dr. med. van. — Haag. Geb. in Utrecht 1872
26Er besuchte die Universität seiner Vaterstadt und promovierte im Jahre 1897 zum Doktor der Medizin. Nebenbei studierte er bei Coenen Musik. Während er als Arzt praktizierte, begann er sich seit 1903 mit dem Geigenbau wissenschaftlich und praktisch zu beschäf-
281) Sollte nicht richtiger 1766 gelesen werden? — dann hätte man es mit einem Zettel von Johann Georg I L. zu tun. Dr. J. Geyer nimmt allerdings noch einen älteren Johann Georg L. an, der schon 1726 in Preßburg tätig gewesen sein soll.
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