Scan 294
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
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12. September 1715 den Bürgereid ab und kommt in den Steuerlisten von 1749—1758 vor. Er lieferte nachweisbar Geigen für die Kais. Hofkapelle, ob er aber den Titel Hofgeigenmacher führte, wie behauptet wird, ist zweifelhaft. Aus seinen Zetteln geht es wenigstens nicht hervor. Nach seinem Tode führte seine Witwe das Geschäft fort, bis sie selbst im Jahre 1770 starb. Seine Geigen sind nach einem von ihm entworfenen Stainermodell mit etwas eckigen Umrissen und ebensolchen F-Löchern gebaut. Die Wölbung nimmt er oft übertrieben hoch. Die Bereifung der Zargen fertigte er gerne aus hartem Holze an. Die Schnecke hat den echten Wiener Typus und ist häufig aus Birnbaumholz. Einlagen, Rand usw. sind mit Sorgfalt ausgeführt und die ganze Arbeit tadellos. Leider verdirt das Aussehen des Lacks gewöhnlich den guten Eindruck seiner Geigen, da er das Holz vor dem Lackieren, wie seine meisten Wiener Zeitgenossen, mit chromsaurem Kali beizte. Die anfangs schöne, sattbraune Farbe verwandelte sich sehr bald in ein unansehnliches Graubraun. Die Decke, in die die Beize besonders tief eindrang, wurde fleckig. Übrigens scheint er doch auch Versuche mit anderen Arten der Lackierung gemacht zu haben, da es Geigen mit schönem, sogar rotem Lack von ihm gibt. Er war ein vielbeschäftigter Meister und soll oft zehn Gesellen beschäftigt haben, wodurch es sich auch erklärt, daß seine Arbeiten neben denen Math. Thirs in Wien am häufigsten vorkommen. Geigen mit seinem Namen und den Jahreszahlen nach 1758 sind Werke von Gesellen, die bei der Witwe tätig waren. Arbeiten von ihm sind in vielen Sammlungen zu finden, so ein Altquinton in Gambenform von 1719 in der staatl. Sammlung in Berlin (Nr. 873), das auch dadurch bemerkenswert erscheint, daß Boden, Zargen und Wirbelkasten purpurblau gefärbt sind. Am Wirbelkasten befindet sich ein Mohrenkopf. Geigen von ihm besitzt das Stift St. Florian (Oberösterreich, ohne Datum), das Schottenstift in Wien (von 1748) und die ehem. Kais. Hofkapelle (von 1758 mit rotem Lack).
3Geigenzettel: Johann Christoph Leidolff / Lauten- und Geigenmacher / in Wienn .17 . . (gedruckt). — Joannes Christophorus / Leidolff Viennae 1741 (geschrieben1]) und Abb. 492 und 501.
5Leidolff (Leydolph), Joseph Ferdinand. — Wien. 1756. 1780
6Er wohnte im Schottenviertel (wahrscheinlich im Tiefen Graben Nr. 363), legte am 30. April 1756 den Bürgereid ab und erscheint von 1757—1774 besteuert. Im Jahre 1774 heißt es von ihm in den Bürgerbüchern »der Leydolph kommt mitleidig«, im selben Jahre übernimmt Marian Petz seine Werkstatt. Eine Geige von ihm soll zwar noch die Jahreszahl 1787 führen, doch wird man wohl 1757 lesen müssen. Er arbeitete sehr gut nach einem Amatimodell und nur ausnahmsweise nach Stainer. Seine Geigen sind viel eleganter als die von Joh. Chr. L., kommen aber viel seltener vor. Die Wölbung ist weniger hoch, die Arbeit sehr sauber und das Holz gut gewählt. Neben ganz schwarzen, mit Aloe lackierten Violinen kennt man auch eine Anzahl solcher mit rotgelbem, durchsichtigem Lack. Die Decken seiner Violoncelli scheint er zu dünn gemacht zu haben, weshalb das E auf ihnen gewöhnlich »bul- lert«. Da seine Instrumente auch im Ton recht gut sind, werden sie gerne gekauft. Eine Violine von ihm besitzt das Stift Klosterneuburg.
7Geigenzettel: Abb. 462, 506, 507.
9Leidolf, Nikolaus. — Wien. 1673. † um 1710
10Jedenfalls der Stammvater der Geigenmacherfamilie Leidolf. Er war wahrscheinlich ein Schüler von Hans Kögl und dürfte in seinen Wanderjahren auch in Italien gearbeitet haben. Er erlangte im August 1673 das Bürgerrecht in Wien und darf nicht mit dem etwa 100 Jahre später lebenden Christoph Nikolaus L. verwechselt werden. Jaura in Wien besitzt eine Viola von ihm von großem Format mit flacher Wölbung und langen Ecken. Die F-Löcher und die Schnecke erinnern sehr an Testore. Der Lack ist rötlichgelb mit goldigem Schimmer. Seine Geigen werden gerne als italienische verkauft, weshalb es erklärlich erscheint, daß Arbeiten von ihm so selten vorkommen. Es ist zu bedauern, daß die Wiener Meister später andere Wege einschlugen als N. Leidolf. Eine Arbeit von ihm von 1682 befindet sich im Städtischen Museum Carolino-Augusteum in Salzburg, eine Geige von 1698 besitzt Dr. Nečas in Prag. (Einen Miroslav Leydolf, der nach einem Violoncello im Museum Carolino-Augusteum in Salzburg schon 1632 gelebt haben soll, hat es nicht gegeben.)
11Geigenzettel: Abb. 480 und 508.
13Leipelt, Friedrich. — Glatz i. Schl. Geb. um 1850 in Habelschwerdt, ließ sich im Jahre 1883 in Glatz als Instrumentenmacher nieder
15Leißmüller, Christoph. — Krinn (Krünn) bei Mittenwald. 1763. 1793
16Ein ebenso fleißiger als geschickter Geigenmacher, von dem recht gut klingende Geigen nicht allzu selten vorkommen.
17Geigenzettel: Christoph Leißmiller in Krin / bey Mittenwald, 17 . . (gedruckt).
19Leißmüller, Martin. — Krinn (Krünn) bei Mittenwald. 1754. 1790
20Gute Mittenwalder Schule. Seine Violinen haben mittlere Wölbung und sind sauber gearbeitet. Weniger schön ist der Lack.
21Geigenzettel: Abb. 471.
23Leitzsch, Konstantin. — Danzig. Geb. 2. März 1835 in Köslin, † 3. Juni 1890 in Danzig
24Er lernte bei seinem Vater die Kunstdrechserei, wurde gleichzeitig zum Stadtmusiker ausgebildet und diente acht Jahre als Hoboist beim Seebataillon. Besondere Neigung führte ihn zum Geigenmachen. Er benutzte jede Gelegenheit, sich darin zu unterrichten, und konnte sich schließlich als Geigenmacher in Danzig niederlassen. Er war sehr gut veranlagt, aber zu sehr
261) Grillet gibt einmal nur Leidolffs Vornamen an und macht einen Geigenmacher »Christophorus« aus ihm.
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