Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 408

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

26 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 404. See the scan on archive.org.

1Rauch, Sebastian. — Prag. 1700. 1724
2Er soll aus dem Augsburgischen stammen und nach Prag gekommen sein, nachdem er vorher bei Schelle in Nürnberg gearbeitet hatte. Er wohnte auf der Kleinseite und erlangte am 7. September 1700 das Bürgerrecht, nachdem er schon am 6. Juni desselben Jahres Anna Marie, die Witwe des Geigenmachers Pürtzel, geheiratet hatte. Er kam bald zu großem Ansehen und war ein sehr tüchtiger Meister. Er hatte zwei Söhne: Joseph und Thomas. Seine Tätigkeit läßt sich in Prag bis 1724 verfolgen; er scheint dann gestorben zu sein, wenn man nicht annehmen will, daß er ausgewandert ist, wozu er keinen erkennbaren Grund gehabt hätte. Immerhin kommen Geigen vor, die 1725 von einem Sebastian Rauch in Hamburg gefertigt sein sollen. Dort aber läßt sich ein Seb. Rauch urkundlich nicht nachweisen. Da der Name Sebastian Rauch obendrein von mehreren Geigenmachern geführt wurde, könnte, selbst wenn ein solcher Nachweis gelange, die Identität mit dem Prager Meister nicht leicht festgestellt werden. Seine Arbeit ist manchmal unschön in der Form, immerhin aber sehr sorgfältig und originell; auch nahm er die Wölbung häufig flacher als seine Zeitgenossen; besonders schön ist jedoch sein gelber Lack, und den Ton verstand er zweifellos vortrefflich zu berechnen. Eine Geige von ihm aus dem Jahre 1714 besitzt das Stift Ossegg, eine andere war auf der Prager ethnographischen Ausstellung von 1895 zu sehen. Einen Kontrabass von 1713 besitzt die Prager Kreuzherrenkirche, eine Violine von 1713 besaß die Allerheiligenkirche in Prag.
3Geigenzettel: Abb. 635 und 642.
5Rauch, Sebastian. — Breslau. 1730. 1779
6Wahrscheinlich ein Sohn von Thomas und Enkel von Sebastian Rauch, jedoch nicht identisch mit dem später in Leitmeritz ansässigen Seb. Rauch. Auch er hatte ein eigenes, hochgewölbtes Modell und arbeitete nicht schlecht; nur nahm er das Holz meist viel zu dünn. Sein Lack ist fast ganz schwarz. Eine Viola und ein Violoncello von ihm besitzt K. Friedrich in Posen.
7Geigenzettel: Sebastian Rauch / fecit Wratislaviae 1779 (gedruckt). — Sebastianus Rauch me / fecit / Wratislaviae 1753 (gedruckt).
9Rauch, Sebastian. — Komotau, Leitmeritz. Getauft 1. Dezember 1711 in Prag, † 28. November 1801
10Sohn des gleichnamigen Prager Meisters, daher keinesfalls mit ihm identisch, wie manche glauben wollen. Er heiratete in Komotau am 3. Februar 1739 Anna Kath. geb. Lessig und scheint wiederholt in Komotau gearbeitet zu haben, wie eine von dort im Jahre 1761 datierte Violine vermuten läßt. Am 11. Jan. 1774 ging er in Leitmeritz eine zweite Ehe mit Josefa Beck ein. Im Jahre 1744 kaufte er in der Vorstadt Dubina ein Haus, erlangte am 13. Mai 1755 das Bürgerrecht in Leitmeritz und war seit 1770 Eigentümer des Hauses Nr. 146 in der Rauchfangkehrergasse. In den Urkunden wird er »fidifex« und »fidenifex« genannt. Er arbeitete nach der Form und hatte ein eigenes, dem Stainerschen ähnliches, hochgewölbtes Modell. Seine Arbeit ist sehr sauber, der (Spiritus)-Lack meist schwarzbraun, seltener goldgelb. Der Ton ist weich, trägt jedoch nicht, so daß seine Instrumente im Orchester wenig Wert haben.
11Geigenzettel: Sebastian Rauch, Lauten- und / Geigenmacher in Leitmeritz 1780 (gedruckt).
13Rauch, Thomas. — Breslau. Geb. 17. Dez. 1702 in Prag, lebte noch nach 1746
14Sohn von Seb. Rauch in Prag und vielleicht ein Schüler seines Taufpaten Thomas Edlinger, an den seine besseren Arbeiten erinnern. Er hatte ein eigenes, hochgewölbtes Modell und verwendete einen jetzt sehr dunkel aussehenden Lack. Arbeit, Holz und Ton sind recht gut. In Breslau ist er schon 1737 nachzuweisen. Eine sehr schöne, an Tielkes Arbeiten erinnernde Viola d’amore mit geschnitztem Köpfchen befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln.
15Geigenzettel: Abb. 639.
17Rauch. — Hamburg
18In vielen Verzeichnissen wird ein Rauch als Hamburger Geigenmacher angeführt. Hart nennt ihn Sebastian und gibt das Jahr 1725 an. Es wäre ja möglich, daß der Prager Meister, der dort nur bis 1724 nachweisbar ist, nach Hamburg übersiedelte, aber nachweisen läßt sich das nicht. Vielleicht ist der Hamburger Rauch jedoch dadurch entstanden, daß der Engländer Burney, der 1772 nach Antwerpen kam, erzählt, er habe dort im Hause der hanseatischen Kaufleute (der Osterlinge) eine Sammlung von 30—40 teilweise ungewöhnlich großen Flöten (Schalmeien) aus älterer Zeit gesehen, die in »Hamburg angefertigt« gewesen wären und den Namen Caspar Rauchs Scrattenbach trugen. Es waren wahrscheinlich große Pommern, die von Hamburger Kaufleuten dorthin gebracht wurden; ihr Verfertiger aber lebte nicht in Hamburg, sondern in Schrattenbach (zwischen Kaufbeuren und Kempten), wo noch andere Mitglieder der Familie in gleichem Berufe tätig waren (so Hans Rauch, von dem eine Baß-Pommer im Münchener National-Museum sich befindet). Aus dem Burneyschen Buch ging der Name Rauchs als eines Hamburger Meisters wohl in andere Schriften über; allmählich verwandelte er sich dabei in einen Geigenmacher, und Fétis gab ihm sogar den Namen Gaspard Rancho. Es wäre immerhin — so unwahrscheinlich es an sich ist — möglich, daß Caspar R. auch Lauteninstrumente gemacht haben könnte; möglich ist ferner, daß Sebastian Rauch, der ja aus dem »Augsburgischen« (ein weiter Begriff) nach Prag gekommen sein soll, aus Schrattenbach stammte.
20Rauche, Michael. — London. 1762. 1770
21Ein Lautenmacher, dessen Name sich in einer mit Elfenbein eingelegten Theorbe im South Kensington Museum findet. Eine Zither von ihm stellte A. F. Hill in der Londoner Music Loan Exhibition 1904 aus.
22Geigenzettel: Rauche in Chandos Street / London, 1762 (gedruckt).
24Rauer, Georg. — Wien. Geb. 1879 in Wien
25Schüler von Carl Haudek, bei dem er im Jahre 1893 in die Lehre trat und nach beendigter Lehrzeit noch zwei

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