Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 420

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

23 lines. Read by computer on 27 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 416. See the scan on archive.org.

1Holz, wenn es fünf Jahre lang zugeschnitten gelagert habe, fertig zum Geigenmachen sei, nicht allgemein geteilt wird. Gewöhnlich verwendete er Spirituslack mit einem kleinen Zusatz von Terpentinöl. Im ganzen hat er über 1600 neue Geigen gemacht, und es wird kaum einen Geigenmacher in Deutschland geben, der mehr italienische Meisterinstrumente repariert hat a's er; darunter sollen mindestens 300 »echte Stradivari« gewesen sein. Daher konnte man seine Werkstatt auch als eine Hochschule für junge Geigenmacher ansehen; denn eine bessere Gelegenheit, sich zu vervollkommnen, als bei Meister Riechers, gab es damals nirgends. Er war ein wirklicher Kenner und hat auch eine kleine Schrift »Die Geige und ihr Bau« (4. Aufl. Berlin 1912) hinterlassen. Auch als Bogenmacher war er ausgezeichnet, kurz, ein echter Künstler, der auch schon in der äußeren Erscheinung für sich einnahm. Gussow hat ihn in seiner Werkstatt gemalt. Ein sehr gutes Violoncello von ihm besaß Prof. Hausmann in Berlin.
2Geigenzettel: Abb. 654.
4Riedel, Joseph Alexander. — Braetz, Meseritz, Danzig. Geb. am 15. September 1810 in Weissig (Kreis Steinau in Schlesien), † 1866 in Danzig an an der Cholera
5Einer der besseren deutschen Geigenmacher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er erlernte ursprünglich in Glogau das Tischlerhandwerk und ließ sich als Tischlermeister 1832 in Braetz (Kreis Meseritz) nieder, wo er am 23. Dezember 1834 auch das Bürgerrecht erwarb. Schon als Knabe wollte er immer Geigenmacher werden, und als ihm in den vierziger Jahren der Meseritzer Kreisphysikus Dr. Keßler eine Geige zur Reparatur anvertraute, erwachte seine alte Leidenschaft wieder. Er führte nicht nur die Reparatur zu allseitiger Zufriedenheit durch, sondern fertigte auch eine über Erwarten gelungene Kopie der Geige an. Er fand nun an Dr. Keßler einen warmen Freund und Gönner, der ihm alle Lehrbücher des Geigenbaus verschaffte und ihm in jeder Weise an die Hand ging. Er suchte die besten Instrumente, deren er habhaft werden konnte, zu kopieren, studierte ihre Vorzüge mit Eifer und wissenschaftlichem Ernste, und unterstützt von einer seltenen Handgeschicklichkeit brachte er es bald zur vollen Meisterschaft. Als 1850 Riedels Frau starb, gab er seine Tischlerei ganz auf und verlegte sich von da an ausschließlich auf das Geigenmachen. Schon in den ersten Jahren seiner Kunstübung hatte er die Genugtuung, daß ihm von einem polnischen Grafen eine Geige gezeigt wurde, die dieser als echte Stradivari gekauft hatte, die Riedel aber sofort als seine eigene Arbeit erkannte. Im Jahre 1854 wurde er vom kgl. preuß. Handelsministerium durch eine Geldprämie von 100 Talern ausgezeichnet und verlegte am 30. Dezember 1855 seinen Wohnsitz in die Kreishauptstadt Meseritz. Dort arbeitete er, fleißig studierend, weiter und baute von 1859—1863 auch Orgeln. In letztgenanntem Jahre siedelte er nach Danzig über, wo er leider schon nach drei Jahren der Choleraepidemie zum Opfer fiel1). Im Anfang betrieb er das Geigenmachen ganz wie die alten Tiroler Meister, indem er im Winter jährlich etwa 15 Geigen machte, mit denen er dann im Sommer auf Reisen ging; immer aber arbeitete er mit der größten Sorgfalt, so daß er, da er jedes Instrument von Grund aus selbst machte, im Jahre selten über 20 Instrumente (Violinen, Bratschen und Violoncelli) fertigstellte. So ist die Arbeit an allen seinen Geigen bis ins kleinste außen und innen tadellos; er war ein feiner Holzkenner und verarbeitete nur das allerbeste Holz, das sich zu verschaffen, er kein Opfer scheute; weniger gut ist sein Lack, der (meist goldgelb) nicht das Feuer der italienischen Geigen besitzt. Er bevorzugte das Guarnerimodell, arbeitete aber auch nach Stradivari. Im Anfange schrieb er seine Zettel; später verwendete er auch gedruckte Zettel mit handschriftlich hinzugefügter Nummer, oder er kopierte den Zettel des Originalinstruments, das ihm als Vorlage diente, und setzte geschrieben oder gedruckt darunter: »Josephus Riedel in Meseritz (Danzig) imitabat Anno 18…« Eine Geige, die nicht so gut war, wie er es verlangte, zerbrach er lieber, ehe er sie aus den Händen gab. Leider hatte er nur wenig materiellen Erfolg, so daß sein Idealismus um so höher anzuschlagen ist, da er sich nie dazu hergab, Fabrikware herzustellen. Heute werden seine Arbeiten bereits teuer bezahlt. Eine sehr gute Violine von ihm besitzt Konzertmeister Willy Gehrcken. one of two readings
6Einer der besseren deutschen Geigenmacher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er erlernte ursprünglich in Glogau das Tischlerhandwerk und ließ sich als Tischlermeister 1832 in Braetz (Kreis Meseritz) nieder, wo er am 23. Dezember 1834 auch das Bürgerrecht erwarb. Schon als Knabe wollte er immer Geigenmacher werden, und als ihm in den vierziger Jahren der Meseritzer Kreisphysikus Dr. Keßler eine Geige zur Reparatur anvertraute, erwachte seine alte Leidenschaft wieder. Er führte nicht nur die Reparatur zu allseitiger Zufriedenheit durch, sondern fertigte auch eine über Erwarten gelungene Kopie der Geige an. Er fand nun an Dr. Keßler einen warmen Freund und Gönner, der ihm alle Lehrbücher des Geigenbaus verschaffte und ihm in jeder Weise an die Hand ging. Er suchte die besten Instrumente, deren er habhaft werden konnte, zu kopieren, studierte ihre Vorzüge mit Eifer und wissenschaftlichem Ernste, und unterstützt von einer seltenen Handgeschicklichkeit brachte er es bald zur vollen Meisterschaft. Als 1850 Riedels Frau starb, gab er seine Tischlerei ganz auf und verlegte sich von da an ausschließlich auf das Geigenmachen. Schon in den ersten Jahren seiner Kunstübung hatte er die Genugtuung, daß ihm von einem polnischen Grafen eine Geige gezeigt wurde, die dieser als echte Stradivari gekauft hatte, die Riedel aber sofort als seine eigene Arbeit erkannte. Im Jahre 1854 wurde er vom kgl. preuß. Handelsministerium durch eine Geldprämie von 100 Talern ausgezeichnet und verlegte am 30. Dezember 1855 seinen Wohnsitz in die Kreishauptstadt Meseritz. Dort arbeitete er, fleißig studierend, weiter und baute von 1859—1863 auch Orgeln. In letztgenannten Jahre siedelte er nach Danzig über, wo er leider schon nach drei Jahren der Choleraepidemie zum Opfer fiel1). Im Anfang betrieb er das Geigenmachen ganz wie die alten Tiroler Meister, indem er im Winter jährlich etwa 15 Geigen machte, mit denen er dann im Sommer auf Reisen ging; immer aber arbeitete er mit der größten Sorgfalt, so daß er, da er jedes Instrument von Grund aus selbst machte, im Jahre selten über 20 Instrumente (Violinen, Bratschen und Violoncelli) fertigstellte. So ist die Arbeit an allen seinen Geigen bis ins kleinste außen und innen tadellos; er war ein feiner Holzkenner und verarbeitete nur das allerbeste Holz, das sich zu verschaffen, er kein Opfer scheute; weniger gut ist sein Lack, der (meist goldgelb) nicht das Feuer der italienischen Geigen besitzt. Er bevorzugte das Guarnerimodell, arbeitete aber auch nach Stradivari. Im Anfange schrieb er seine Zettel; später verwendete er auch gedruckte Zettel mit handschriftlich hinzugefügter Nummer, oder er kopierte den Zettel des Originalinstruments, das ihm als Vorlage diente, und setzte geschrieben oder gedruckt darunter: »Josephus Riedel in Meseritz (Danzig) imitabat Anno 18…« Eine Geige, die nicht so gut war, wie er es verlangte, zerbrach er lieber, ehe er sie aus den Händen gab. Leider hatte er nur wenig materiellen Erfolg, so daß sein Idealismus um so höher anzuschlagen ist, da er sich nie dazu hergab, Fabrikware herzustellen. Heute werden seine Arbeiten bereits teuer bezahlt. Eine sehr gute Violine von ihm besitzt Konzertmeister Willy Gehrcken. one of two readings
7Geigenzettel: Abb. 634.
9Riedele, Mathias. — Augsburg. 1760. † vor 1802
10Seiner Arbeit nach muß er ein Schüler von G. F. Wenger gewesen sein, den er mit bestem Erfolge nachahmte. Er machte besonders vorzügliche Bässe, aber auch viele Geigen von kleinstem Umfang, Taschengeigen u. dgl. Da er im Adreßkalender von 1792 noch, in dem von 1802 aber nicht mehr vorkommt, dürfte er in der Zwischenzeit gestorben sein.
11Geigenzettel: Mathias Riedele / Lauten- u. Geigenmacher / in Augsburg fecit 1767 (gedruckt).
13Riedl, Joseph. — Schönbach (?). 1793
14In einer Violine von gutem Schönbacher Aussehen fand ich seinen geschriebenen Zettel, auf dem der Wohnort (wie es schien, absichtlich) unleserlich gemacht war.
16Riedl, Wenzl. — Oberschönbach b. E. Geb. 1854 in Oberschönbach
17Schüler von Joseph Siebenhüner, bei dem er seit 1869 lernte. Bis 1893 arbeitete er in verschiedenen Werkstätten und machte sich 1894 selbständig. Er ist nicht identisch mit Wenzl Riedl, der um 1884 in Stockerau als Geigenmacher tätig war. Ein anderer Riedl war im 19. Jahrhundert in Preßburg ansässig.
19Riedlen, Gottlieb Friedrich. — Bonn. Geb. 1749 in Tuttlingen. 1785
20Ein Mechaniker und Instrumentenmacher, der allerlei Musikinstrumente mit Klaviaturen erfand, unter anderem ein solches, das die Wirkung eines Streichquartetts mit Flöten hervorgebracht haben soll. Er kam 1782 nach Bonn, doch hat er mit seinen Erfindungen keinen nachhaltigen Erfolg erzielt.
221) Seinen Nachlaß kaufte Hofinstrumentenmacher Grimm in Berlin.

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