Scan 459
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
25 lines. Read by computer on 27 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 455. See the scan on archive.org.
1Violinen baut er nach Stradivari und verwendet meistens Öllack. Er macht außerdem Lauten, Mandolinen, Gitarren und Zithern und ist seit langer Zeit wieder der erste Lautenmacher, der in Nürnberg arbeitet. Seine Instrumente sind sorgfältig durchgeführt und sowohl im Ton wie in der äußeren Form recht gut. S. besitzt daher auch eine ganze Reihe von Auszeichnungen und Anerkennungen. Er verwendet auch einen Brandstempel mit seinem Namen und der Nummer.
2Geigenzettel: Preisgekrönt Stuttgart 1908 / (1906 Gold. Medaille) August Schulz (1905 Silb. Medaille) / Kunstwerkstätte für Instrumentenbau / Nürnberg / Feinstes Spezialgeschäft / für Gitarren, Lauten, Zithern und Saiten. (Weiße Schrift auf schwarzem Grund (gedr.).
4Schulz, Friedr. Wilh. — Magdeburg. 1895
5Er hat bei einem Blechinstrumentenmacher gelernt und sich später auch mit Geigenreparaturen beschäftigt.
7Schulz, Petrus. — Regensburg. Geb. 17. Juli 1808 in Regensburg, † 2. April 1871
8Schüler von Jos. Fischer. Er arbeitete bei Vauchel in Würzburg, Bausch in Dessau und in Rotterdam (wahrscheinlich bei den Brüdern Coenen), wurde der Nachfolger seines Lehrmeisters im Geschäfte und führte dieses im gleichen Hause (Pfarrergasse E. 149 II) weiter, so daß die Geigenmacherei hier 73 Jahre lang ununterbrochen betrieben wurde. Schulz gehört zu den hervorragenden deutschen Geigenmachern, und seine besten Instrumente, die sich noch im Besitze seines Schülers und Nachfolgers Kerschensteiner befanden und jetzt auf dessen Sohn übergingen, sind Meisterwerke ersten Ranges. Er arbeitete vorzugsweise nach Stradivari, Guarneri und Maggini und wendete fetten Öllack an. Außerdem galt er auch für einen der besten Gitarren- und Zithernmacher. Prachtvolles Holz und tadellose Arbeit sind Kennzeichen seiner Geigen. Er verband sich 1865 mit seinem Schüler X. Kerschensteiner und erhielt von 1854—1869 viele Medaillen.
9Geigenzettel: Reparavit Petrus Schulz Ratis- / bonae anno 1861 (gedruckt) und Abb. 699, 715.
11Schulze, Carl. — Berlin. 1896. 1903
12Er macht seine Geigen, wie er ankündigt, »nach physikalischen Gesetzen, nach den bisher geheimen, von mir erforschten Grundsätzen der alten Cremoneser Schule«. Als klassische Vorbilder dienen, wie er sagt, die Werke von Stradivari aus den Jahren 1700—1725. Er bemüht sich, auf Grund der physikalischen Gesetze der Intervalle »ein gewissermaßen typisches Stradivarimodell« herauszubilden. Bei seinem Modell teilt der Stegpunkt die Grundlänge im Verhältnis von 6 : 5, entsprechend dem Intervall der kleinen Terz. Die Länge des Oberteils ist zu der des Mittelteils wie 5 : 4, der großen Terz entsprechend. Das Verhältnis des Unter- teils zum Mittelteil 3 : 2 gibt die Quinte. Der Stand der Stimme teilt die innere Länge in zwei Teile im Verhältnis von 4 : 3 gleich dem Intervall der Quarte; das Intervall der Oktave 2 : 1 findet sich in der Teilung des Luftraums durch den Stand der Stimme. Als Ver- such führte er eine Geige ohne Zargen aus, deren Längen- und Querschnitte Ellipsen bilden. Zweck dieses Versuchs war, festzustellen, ob sich Bogen und Wölbungen in Ellipsenform oder reine Zirkelbogen besser für das Geigenmachen eignen. Der Ton der Geige war besser als man vermuten sollte, aber es zeigte sich doch, daß die Zirkelbogen für den Geigenbau günstiger sind als Ellipsen, Parabel und Hyperbel. Seit dem Bestehen der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente zu Berlin repariert er für diese die Streich- und Rupfinstrumente. Er schrieb das Buch: »Stradivaris Geheimnis. Ein ausführliches Lehrbuch des Geigenbaues« (Fussingers Buchhandlung. Berlin W. 35), in welchem er auf Grund mühevoller Untersuchungen zu manchen neuen Gesichtspunkten kommt. Er maß die Teile der Geige von innen und fand, daß die alten Meister sich bemühten, Interferenzen der Schwingungen zu vermeiden, und daß die Längenmaße den Verhältniszahlen der Konsonanzen, die Breitenmaße denen der Dissonanzen in der Musik entsprechen. In bezug auf die Eigentöne von Decke und Boden kommt Schulze übrigens ungefähr zu denselben Ergebnissen wie Dr. Großmann. Schulze bestimmt auch hier die arithmetischen Verhältnisse für die freischwingenden Flächen, als innerhalb des Zargenkranzes, während Dr. Großmann die überstehenden Ränder und die aufgeleimten Teile ganz unberücksichtigt läßt.
13Geigenzettel: Gef. Carl Schulze in Berlin 18 … / No (gedruckt). one of two readings
14Geigenzettel: Gef. Carl Schulze in Berlin 18 . . . / No (gedruckt). one of two readings
16Schulze, Joachim. — Flensburg. Geb. 3. Jan. 1861 in Ziepel (Altmark)
17Als Sohn eines Landmanns besuchte er die Dorfschule und sollte Landmann werden. Da er eine besondere Begabung für die Musik verriet, erhielt er Musikunterricht und bezog 1879 das Konservatorium in Magdeburg. Er trat dann als Hoboist in Militärdienste, bis er eine Zivilanstellung erhielt. Schon seit 1887 beschäftigte er sich mit dem Geigenbau, den er durch Selbststudium erlernte und eröffnete, nachdem er sich pensionieren ließ, 1893 eine Geigenmacherwerkstatt. Er stimmt seine Decken ab und hat auch einen Lack erfunden, dem er die höchsten Vorzüge nachrühmt und mit dem er jede Geige verbessern zu können überzeugt ist.
19Schumacher, Anton. — Laufen. 1906. † 1916
20Ursprünglich Lehrer, bildete er sich autodidaktisch zum Geigenmacher aus. Er stimmte Decke und Boden akustisch zueinander und berechnete auch das vom Korpus eingeschlossene Volumen der Luft dazu. Das Ahornholz bezog er aus Böhmen, das Deckenholz aus dem Schweizer Alpengebiet. Seine Geigen lackierte er nach dem Verfahren von Wilhelm Christ in Basel 1) — Brandmarke innen auf dem Boden: siehe Brandmarke Nr. 6.
21Geigenzettel: Anton Schumacher in Laufen / Wilhelm Christ in Basel / gebaut anno … (gedruckt). one of two readings
22Geigenzettel: Anton Schumacher in Laufen / Wilhelm Christ in Basel / gebaut anno . . . (gedruckt). one of two readings
241) Nach Schumachers Tod veröffentlichte W. Christ in einer kleinen Schrift sein Verfahren. Er nimmt an, daß die alten Italiener ihre Geigen zuerst mit reiner Tempera grundierten.
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