Scan 489
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
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1wie er schreibt, Mittenbald — als Wohnort an, obwohl der Vogtländer Ursprung unverkennbar ist. Auch ein Ludwig St. kommt vor mit dem Zettel: Ludwig Steiner in Absam a / Tyrol fecit me. Anno 17.. (gedruckt).
2Geigenzettel: Joseph Steiner in Mittenbald / Anno 1792 (gedruckt).
4Steiner, Josef. — Lengberg b. Nikolsdorf (Tirol). Geb. am 27. Februar 1862 auf dem Schlosse Lengberg, † daselbst 18. November 1908
5Er war der Sohn des Tischlermeisters Jos. St. und erlernte zunächst das Tischlerhandwerk bei seinem Vater, ging aber bald zur Geigenmacherei über. Da er hauptsächlich auf schöne Form und sorgfältige Arbeit Wert legte, hätte er es darin vielleicht zu etwas bringen können. Da glaubte er plötzlich den Beruf eines Malers in sich zu spüren und ging nach München, wo er mit Unterbrechung sieben Jahre lang die Kunstakademie besuchte. In der Zwischenzeit (1888) arbeitete er in Mittenwald als Geigenmacher und machte immer wieder Geigen und Zithern. Eine recht gute Zither von ihm besaß Prof. Fr. v. Defregger. Steiner war jedoch weder mit seinen Erfolgen als Geigenmacher noch als Maler zufrieden, und so tauchte er plötzlich wieder in seiner Heimat auf und arbeitete auf dem Felde mit Haue und Spaten und erklärte, sein eigentlicher Beruf sei doch nur die richtige Bauernarbeit. Lange hielt er es aber nicht aus, er ging wieder nach München, wo es ihm zuletzt so schlecht ging, daß er in seiner Heimat die Stelle eines Kirchenmeßners annahm. Er verlegte sich nunmehr auf das Erfinden. Erst wollte er die alte Freskomaltechnik wieder erfinden und dann den alten Cremoneser Geigenlack. Er verschrieb sich dazu die Bestandteile, namentlich Kopal, aus allen Weltteilen und tat wochen- und monatelang nichts anderes als Lack sieden. Ganz aufgegeben hat er das Geigenmachen nie, wenn er auch zeitweise wieder zur Palette griff und Bildnisse malte, oder zum Hobel. Das Erfindenwollen war bei ihm zur Manie geworden, die vielen Enttäuschungen untergruben seine Gesundheit, und auch da wollte er das Heilmittel gegen seine Krankheit selbst erfinden. Er aß fast nichts mehr und mischte irgendeine Wurzel in alle seine Speisen. Aber das Kraut gegen den Tod hat er nicht gefunden. Er war im übrigen ein liebenswürdiger humorvoller Mensch, sang recht hübsch und hat einige sehr sauber durchgeführte Geigen gemacht, bei denen freilich der Ton nicht ganz dem schönen Äußeren entspricht. Der Bruder Jos. Steiners besitzt noch sieben oder acht unvollendete Geigen von ihm.
6Geigenzettel: Jos. Steiner, Lengberg (Lienz) / fecit me, Anno 1890 N° 18 (gedruckt). — Joseph Stainer / fecit me Anno 1897 / N° 24 / Lengberg Lienz (Tirol) (gedruckt).
8Steiner, Peter. — Graz. 1918
9Ein städtischer Wachmann, der sich in seinen Freistunden sehr fleißig mit dem Geigenbau beschäftigt und es darin zu anerkennenswerter Geschicklichkeit gebracht hat.
11Steinert, Jacob. — ? 18. Jahrhundert
12Eine in meiner Sammlung befindliche vogtländische Geige mit weitjähriger Decke, Buchenholzboden, gelbem Lack, ohne Einlagen, die aus dem Besitze des Dichters Mathias Claudius stammt, trägt den folgenden geschriebenen Zettel. Ob ein Jacob Steinert wirklich gelebt hat, oder ob Jacob Stainer der Taufpate der Geige war, will ich nicht entscheiden.
13Geigenzettel: Jacob Steinert / ad modum Cremonens. fecit (gedruckt).
15Steinheibl (Steinhäubl), Georg (Jörg). — Füssen. 1606. 1612
16Er dürfte von dem nördlich bei Lechbruck liegenden Hofe Steinhäubl nach Füssen gekommen sein. Er war Bürger und muß in besonderem Ansehen gestanden haben, da er im Jahre 1612 »Fürgesetzter« (Ältermann) der Lautenmacherzunft war.
18Steininger, Franz Xaver (François). — Darmstadt, Frankfurt a. M., Paris, St. Petersburg. Geb. in Mainz 3. Juni 1778, † um 1850
19Sohn und Schüler von Jakob St. Als sein Vater von Frankfurt nach Aschaffenburg berufen wurde, ging er auf die Wanderschaft, arbeitete hauptsächlich in Linz und Wien und kam vermutlich bis nach Paris. Im Jahre 1800 war er wieder in Aschaffenburg und erhielt einen Ruf als Hofgeigenmacher nach Darmstadt. Dort scheint er jedoch keine ausreichende Beschäftigung gefunden zu haben, denn schon 1801 siedelte er nach Frankfurt über, wo er seine Lehrzeit zugebracht hatte und wo ein Geigenmacher sehr nötig war. Er fand bald einen großen Kundenkreis, und als er sich 1802 um das Bürgerrecht bewarb, konnte er eine Reihe glänzender Zeugnisse vorlegen. Gegen die Verpflichtung, nur von ihm gemachte Geigen zu verkaufen und die Instrumente der städtischen Kapelle an der Katharinenkirche lebenslänglich unentgeltlich zu unterhalten, wurde ihm und seiner Frau, einer geborenen Bernritter aus Aschaffenburg, 1803 das Bürgerrecht erteilt. Nun kamen aber schlechte Zeiten und schwere Schicksalsschläge für ihn. 1805 starb seine Frau, die Kriegsjahre von 1806 an brachten ihn in seinem Erwerb zurück, die unerschwinglichen Kriegslasten ruinierten ihn vollends, so daß er sich entschloß, eine Kunstreise zu unternehmen. Er ließ seinen jüngeren Bruder in der Frankfurter Werkstatt zurück und ging nach St. Petersburg, wo er bald so reichliche Anerkennung und lohnende Arbeit fand, daß er seinen Bruder, der ohne ihn nicht leben zu können angab, nachkommen ließ. Vorher war er wohl wieder in Paris; auch in London scheint er sich aufgehalten zu haben, wie auch in Berlin und Warschau. Erst im Jahre 1818 kehrte er, nur ungern in St. Petersburg entlassen, nach Frankfurt zurück und erhielt das Bürgerrecht wieder. Sein Gesuch darum wurde von den ersten Musikern, darunter von Louis Spohr, der damals Operndirektor in Frankfurt war, wärmstens unterstützt. Im Jahre 1819 heiratete er Elisabeth Kauth aus Bensheim und blieb jetzt mit kurzen Unterbrechungen bis 1835 in Frankfurt; nur von 1827—1828 arbeitete er in Paris. Die Frankfurter Gewerbekalender
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