Scan 490
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
23 lines. Read by computer on 27 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 486. See the scan on archive.org.
1führen ihn bis 1835 als »streichenden Instrumentenmacher in der Meisengasse wohnhaft« auf. Die Frankfurter Adreßbücher von 1832—1852 nennen ihn als auswärts wohnenden Bürger, und zwar als Geigenmacher in St. Petersburg. Von 1853 ab fehlt sein Name; er scheint also um diese Zeit schon gestorben gewesen zu sein. Er war ein feiner Künstler, der auch Verbesserungen am Baßbalken anbrachte, die sich bewährt haben. Seine Arbeiten beweisen, daß er die Italiener studiert hat; die französische Schule ist ebenfalls nicht ohne Einfluß auf ihn gewesen, ja, die Franzosen rechnen ihn kurzweg zu den Pariser Meistern. Besonders schön sind seine Violoncelli, von denen eines von 1828 auf einer Pariser Auktion schon 1887 mit 650 Fr. bezahlt wurde. Er nahm nur sehr schönes Holz und war auch im Lack nicht schlecht.
2Geigenzettel: F. Steininger / Paris 1827 (geschrieben).
4Steininger, Jakob. — Passau, Mainz, Frankfurt a. M., Aschaffenburg. 1775. 1818
5Er scheint aus der Gegend von Füssen zu stammen und war möglicherweise der Sohn eines gleichnamigen Vaters. Nach 1775 kam er vermutlich aus Passau nach Mainz, wo er der Schwiegersohn des Geigenmachers Nikolaus Döpfer wurde und den Titel eines kurfürstl. mainzischen Hofgeigenmachers erhielt. Um 1790 war er in Frankfurt a. M. ansässig und siedelte gegen 1800, einem ehrenvollen Rufe Folge leistend, nach Aschaffenburg über, wo er noch 1818 lebte. Seine Frau Katharine starb nach den Matrikeln der Agathe-Pfarrei am 24. Juni 1809, hat ihn also nicht überlebt, wie mehrfach behauptet wurde. Über Steininger selbst ist in den Matrikeln nichts zu finden. Er hinterließ zwei Söhne, die gleichfalls Geigenmacher waren. Eine ¾-Geige von ihm besitzt Edward Speyer in England. — Wenn Valdrighi 1705 liest, so scheint er eine Geige von 1795 gesehen zu haben. Eine Viola d’amore aus dem Jahre 1777 befindet sich aus der Sammlung Snoeck in Berlin.
6Geigenzettel: Abb. 752.
8Steininger, J. — Prag, St. Petersburg. Geb. um 1785, † um 1835
9Jüngerer Sohn von Jakob St. Schüler seines Vaters und Bruders, dem er nach Petersburg folgte, wo er auch starb, nachdem er angeblich um 1810 in Prag tätig war. Er blieb dann zeitlebens der Gehilfe seines Bruders und ist nicht mehr selbständig aufgetreten. In seiner letzten Zeit war er fast ausschließlich Reparateur. Die wenigen Geigen, die er (namentlich in Prag) gemacht hat, sind sehr schön, wenn man von den Schnecken absieht. Das Modell ist breit, die F-Löcher nach Stradivari, die Ecken schmal und elegant. Der Lack ist dunkelrotbraun.
11Steininger, Martin. — Aschaffenburg, St. Petersburg. Geb. um 1780. Lebte noch um 1830
12Wahrscheinlich der ältere Sohn von Jak. St. Er arbeitete bis 1809 in Aschaffenburg und ging dann nach Rußland, wo er, wie sein Bruder Franz, es zu großem Ansehen brachte.
13Geigenzettel: Abb. 749.
15Steitzer (?), Vincenzo. — Brescia. 1619
16In einer hochgewölbten, ursprünglich goldgelb lackierten Violine mit flacher, kleiner Schnecke fand sich der Zettel: Vincenzo Steitzer / feci (sic) in Brescia anno 1619. Vermutlich ein Deutscher (Füssener?), der in Brescia gearbeitet hat.
18Stelzel, Ludwig Conrad. — Geb. 17. Februar 1864, ist in Markneukirchen als Geigenmacher ansässig
20Stelzner, Alfred, Dr. phil. — Dresden. † 14. Juli 1906
21»Auf die Gefahr hin, Anstoß zu erregen« — schrieb Dr. Stelzner in de Wits Zeitschr. für Instr.-Bau am 1. Oktober 1895 —, »behauptete ich, künftig noch für die erste Autorität auf dem Gebiete des Streichinstrumentenbaues gewürdigt zu werden, in wörtlichem Sinne als Urheber der endgültigen Form der Resonanzkörper der Streichinstrumente.« — Es läßt sich nicht leugnen, daß unter den neueren Versuchen, das Geigenmachen zu reformieren, die Stelzners die interessantesten sind, weil er immerhin zu nicht zu unterschätzenden Resultaten gelangt ist. Sein Bestreben war darauf gerichtet, die Energie der im Geigenkörper schwingenden Luftmoleküle zu erhöhen, was ihn zu einer Änderung der Umrißlinien der Geigen veranlaßte. Er führte die Umrißlinien und Wölbungen zurück auf die Kegelschnitte der Ellipse und Parabel und die Flächen, die sich ergeben, wenn man diese Kurven sich um ihre Achsen gedreht denkt. Künstler wie Ysaye, Wilhelmj, Massenet und viele andere haben über die Stelzner-Instrumente glänzende Zeugnisse ausgestellt. Eine glückliche Schöpfung Dr. Stelzners ist jedenfalls die Violotta, eine Armgeige von der Länge (42 cm Korpuslänge) und Mensur einer mittelgroßen Bratsche mit vier Saiten in Quinten gestimmt, eine Oktave tiefer stehend als die Violine und in einem neuen G-Schlüssel, dem umgekehrten Violinschlüssel notiert. In der bisherigen Besetzung des Streichquartetts sind die vier verschiedenen Stimmen nur durch drei verschiedene Tonwerkzeuge vertreten. Die Violotta füllt nach Tonumfang und Klangfarbe diese bereits von Händel, Grétry, Spohr und anderen empfundene Lücke zwischen Viola und Cello aus und ist Repräsentant der Tenorstimme. Auch ein Cellone hat Dr. Stelzner erfunden, eine Kniegeige, kaum merklich größer (nur 2 cm länger im Korpus) als das Violoncell, mit vier Saiten in Quinten, und zwar eine Oktave tiefer als die Violotta, also zwei Oktaven tiefer als die Violine gestimmt und im Baßschlüssel notiert, wie die Töne klingen. Die Streichinstrumentenfamilie sollte also nach Dr. Stelzner außer dem Kontrabaß, dem mächtigen, unersetzbaren Fundament des Orchesters, bestehen aus drei G-Geigen, der Violine, der Violotta und dem Cellone, je um eine Oktave in der Stimmung verschieden und den dazwischen stehenden, bisherigen zwei C-Geigen, der Viola und dem Violoncell. Es gibt bereits eine kleine Literatur für »Stelzner-Instrumente«. Unter anderen schrieb A. E. Gerspacher ein Streichquartett für Violine, Viola, Violotta und Cello; Felix Draeseke ein Streichquintett mit Violotta, und Arnold Krug, Fd. Behm, Otto Kaletzsch und andere Streichsextette mit one of two readings
22»Auf die Gefahr hin, Anstoß zu erregen« — schrieb Dr. Stelzner in de Wits Zeitschr. für Instr.-Bau am 1. Oktober 1895 —, »behaupte ich, künftig noch für die erste Autorität auf dem Gebiete des Streichinstrumentenbaues gewürdigt zu werden, in wörtlichem Sinne als Urheber der endgültigen Form der Resonanzkörper der Streichinstrumente.« — Es läßt sich nicht leugnen, daß unter den neueren Versuchen, das Geigenmachen zu reformieren, die Stelzners die interessantesten sind, weil er immerhin zu nicht zu unterschätzenden Resultaten gelangt ist. Sein Bestreben war darauf gerichtet, die Energie der im Geigenkörper schwingenden Luftmoleküle zu erhöhen, was ihn zu einer Änderung der Umrißlinien der Geigen veranlaßte. Er führte die Umrißlinien und Wölbungen zurück auf die Kegelschnitte der Ellipse und Parabel und die Flächen, die sich ergeben, wenn man diese Kurven sich um ihre Achsen gedreht denkt. Künstler wie Ysaye, Wilhelmj, Massenet und viele andere haben über die Stelzner-Instrumente glänzende Zeugnisse ausgestellt. Eine glückliche Schöpfung Dr. Stelzners ist jedenfalls die Violotta, eine Armgeige von der Länge (42 cm Korpuslänge) und Mensur einer mittelgroßen Bratsche mit vier Saiten in Quinten gestimmt, eine Oktave tiefer stehend als die Violine und in einem neuen G-Schlüssel, dem umgekehrten Violinschlüssel notiert. In der bisherigen Besetzung des Streichquartetts sind die vier verschiedenen Stimmen nur durch drei verschiedene Tonwerkzeuge vertreten. Die Violotta füllt nach Tonumfang und Klangfarbe diese bereits von Händel, Grétry, Spohr und anderen empfundene Lücke zwischen Viola und Cello aus und ist Repräsentant der Tenorstimme. Auch ein Cellone hat Dr. Stelzner erfunden, eine Kniegeige, kaum merklich größer (nur 2 cm länger im Korpus) als das Violoncell, mit vier Saiten in Quinten, und zwar eine Oktave tiefer als die Violotta, also zwei Oktaven tiefer als die Violine gestimmt und im Baßschlüssel notiert, wie die Töne klingen. Die Streichinstrumentenfamilie sollte also nach Dr. Stelzner außer dem Kontrabaß, dem mächtigen, unersetzbaren Fundament des Orchesters, bestehen aus drei G-Geigen, der Violine, der Violotta und dem Cellone, je um eine Oktave in der Stimmung verschieden und den dazwischen stehenden, bisherigen zwei C-Geigen, der Viola und dem Violoncell. Es gibt bereits eine kleine Literatur für »Stelzner-Instrumente«. Unter anderen schrieb A. E. Gerspacher ein Streichquartett für Violine, Viola, Violotta und Cello; Felix Draeseke ein Streichquintett mit Violotta, und Arnold Krug, Fd. Behm, Otto Kaletzsch und andere Streichsextette mit one of two readings
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