Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 500

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

15 lines. Read by computer on 27 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 496. See the scan on archive.org.

1sicher, daß seine Geigen von allem Anfang an von ihren Besitzern als wertvolle Kunstwerke behandelt und als solche vererbt wurden, und so könnte die Annahme Hills, daß sich etwa 1000 bis in unsere Zeit erhalten haben, vielleicht das Richtige treffen. Wenn man aber die zweifellos echten Werke zusammenzählt, so wird man schwerlich einige 100 herausbekommen. Die Brüder Hill haben versucht, eine vollständige Liste der noch nachweisbaren Geigen Strad.’s aufzustellen, haben die Arbeit aber unausführbar gefunden. Es gelang ihnen jedoch, 540 Geigen, 12 Bratschen und 50 Violoncelli nachzuweisen. Stradivari war peinlich genau in der Arbeit, und als echter Künstler hat er nur in Geigen, die tatsächlich aus seiner Hand hervorgegangen waren, seinen Zettel geklebt. Von Gehilfen ließ er sich nur die untergeordneten Vorarbeiten machen und in Geigen, die zwar in seiner Werkstatt, aber nicht von ihm selbst fertiggemacht wurden, bemerkte er ausdrücklich »sub disciplina« oder »sotto la disciplina di Antonio Stradivari« usw.1). Wenn gleichwohl einige echte Werke von ihm vorkommen, die nicht ganz auf seiner sonstigen Höhe stehen, so ist das darauf zurückzuführen, daß die Söhne des Meisters nach seinem Tode auch die unvollendeten Geigen und diejenigen, die er nur zu Versuchszwecken gemacht hat, mit seinen Zetteln versahen und verkauften. Er selbst gab solche Arbeiten nicht aus den Händen, und Tat-
3sache ist es, daß aus den Jahren 1670—1690, also aus der Zeit, in der er an der Herausbildung seines eigenen Modells arbeitete, nur sehr wenig Geigen vorhanden sind. Die Zahl der ehrlichen Stradivarinachahmer ist Legion; bei den Preisen, die die Stradivariigeigen jetzt erreichen, ist es auch bis zu einem gewissen Grade erklärlich, daß die Zahl der unehrlichen Nachahmer und Fälscher nicht minder groß ist. Unter 15 000 M. war schon vor dem Kriege keine »Stradivari« mehr zu haben; jetzt sind die Preise in Mark zwanzigmal höher anzusetzen, für die besterhaltene Geige des Meisters, die sog. »Messias«1), zahlten Hill & Sons 1893 die Summe von 50000 Frs.; die »Herkules«, im Besitze Ysayes in Brüssel, wurde um 26 000 Frs. gekauft. In welcher Weise die Preise stiegen, ersieht man aus der Tatsache, daß die aus dem Besitze des Stahlfederfabrikanten Gillot stammende, »der Kaiser« (the Emperor) genannte Geige 1872 bei Christie für 5800 M. verkauft wurde, 1904 schon 20 000 M. kostete und dann für 93 000 M. in den Besitz Jan Kubeliks übergegangen ist. Das Violoncello von 1714, das Alex. Batta besaß — eines der herrlichsten Werke des großen Meisters —, erwarb er 1836 für 7500 Frs., und Hill kaufte es 1893 für 80 000 Frs. Nicht die beste, aber eine der interessantesten Violinen soll das Haus Salabue besitzen, die eine Angabe des Alters Stradivaris neben der Jahreszahl 1736 von dessen eigener Hand enthält. Ein Jahr nach der Vollendung dieser Violine starb er. Schon im Jahre 1729 kaufte er sich in der 1869 abgebrochenen Kirche San Domenico ein Familiengrab, an dem er die Inschrift »Sepolcro di Antonio Stradivari e suoi Eredi An. 1729« anbringen ließ. Der Stein wird jetzt im Rathause zu Cremona aufbewahrt, aber die Gebeine des Meisters wurden beim Abbruch der Kirche achtlos in ein Massengrab geworfen. — Was eine Künstlerhand im Geigenmachen zu leisten vermag, Stradivari hat es geleistet. Das Holz ist so vortrefflich und so schön, als es sein kann, der Lack nicht minder, und den Wohllaut, den Glanz und die Kraft des Tons zu beschreiben, wäre ein vergebliches Unterfangen. Auch seine Vielseitigkeit muß Bewunderung erregen, denn man kennt alle Arten von den zu seiner Zeit üblichen Streichinstrumenten, also außer Violinen auch Violen, Violoncelli, Gamben usw. und Bässe, auch Taschengeigen, selbst allerlei Lauten und Harfen von ihm. Sogar mit dem Ausbessern alter Instrumente hat er sich gelegentlich beschäftigt, wie der Zettel in einer Viola beweist, auf dem man liest: »Corretto da me Antonio Stradivari«. Für seine Violoncelli hatte er zwei Modelle, ein großes und ein kleines2). Geigenzettel: Abb. 687, 701, 767, 768. one of two readings
4sache ist es, daß aus den Jahren 1670—1690, also aus der Zeit, in der er an der Herausbildung seines eigenen Modells arbeitete, nur sehr wenig Geigen vorhanden sind. Die Zahl der ehrlichen Stradivarinachahmer ist Legion; bei den Preisen, die die Stradivarigeigen jetzt erreichen, ist es auch bis zu einem gewissen Grade erklärlich, daß die Zahl der unehrlichen Nachahmer und Fälscher nicht minder groß ist. Unter 15 000 M. war schon vor dem Kriege keine »Stradivari« mehr zu haben; jetzt sind die Preise in Mark zwanzigmal höher anzusetzen, für die besterhaltene Geige des Meisters, die sog. »Messias«1), zahlten Hill & Sons 1893 die Summe von 50000 Frs.; die »Herkules«, im Besitze Ysayes in Brüssel, wurde um 26 000 Frs. gekauft. In welcher Weise die Preise stiegen, ersieht man aus der Tatsache, daß die aus dem Besitze des Stahlfederfabrikanten Gillot stammende, »der Kaiser« (the Emperor) genannte Geige 1872 bei Christie für 5800 M. verkauft wurde, 1904 schon 20 000 M. kostete und dann für 93 000 M. in den Besitz Jan Kubeliks übergegangen ist. Das Violoncello von 1714, das Alex. Batta besaß — eines der herrlichsten Werke des großen Meisters —, erwarb er 1836 für 7500 Frs., und Hill kaufte es 1893 für 80 000 Frs. Nicht die beste, aber eine der interessantesten Violinen soll das Haus Salabue besitzen, die eine Angabe des Alters Stradivaris neben der Jahreszahl 1736 von dessen eigener Hand enthält. Ein Jahr nach der Vollendung dieser Violine starb er. Schon im Jahre 1729 kaufte er sich in der 1869 abgebrochenen Kirche San Domenico ein Familiengrab, an dem er die Inschrift »Sepolcro di Antonio Stradivari e suoi Eredi An. 1729« anbringen ließ. Der Stein wird jetzt im Rathause zu Cremona aufbewahrt, aber die Gebeine des Meisters wurden beim Abbruch der Kirche achtlos in ein Massengrab geworfen. — Was eine Künstlerhand im Geigenmachen zu leisten vermag, Stradivari hat es geleistet. Das Holz ist so vortrefflich und so schön, als es sein kann, der Lack nicht minder, und den Wohllaut, den Glanz und die Kraft des Tons zu beschreiben, wäre ein vergebliches Unterfangen. Auch seine Vielseitigkeit muß Bewunderung erregen, denn man kennt alle Arten von den zu seiner Zeit üblichen Streichinstrumenten, also außer Violinen auch Violen, Violoncelli, Gamben usw. und Bässe, auch Taschengeigen, selbst allerlei Lauten und Harfen von ihm. Sogar mit dem Ausbessern alter Instrumente hat er sich gelegentlich beschäftigt, wie der Zettel in einer Viola beweist, auf dem man liest: »Corretto da me Antonio Stradivari«. Für seine Violoncelli hatte er zwei Modelle, ein großes und ein kleines2). Geigenzettel: Abb. 687, 701, 767, 768. one of two readings
6verkauft, und die letztere erzielte einen Monat später bereits 20 000 Frs. Die »Messias« von 1716 kaufte Allard noch für 25 000 Frs. Die Violine Prof. Waldemar Meyers aus dem Jahre 1716 (lange eine der schönsten Arbeiten des Meisters in deutschem Besitz), die angeblich für König Georg I. von England angefertigt worden war, kaufte Riechers im Jahre 1889 für 20 000 M. und verkaufte sie bald darauf für 25 000 M. weiter.
81) Bei einigen Geigen, die noch den ursprünglichen Hals besitzen, findet man an diesem die Buchstaben P. S., die man mit Paolo Stradivari — dem Namen des jüngsten Sohnes des Meisters — deutet. Es fragt sich allerdings sehr, ob diese Deutung zulässig ist. Es ist durch nichts erwiesen, daß Paolo Str., der ja Tuchhändler wurde, jemals versucht hat, eine Geige zu machen. Auch sind die bis jetzt bekannten sechs Geigen mit diesen rätselhaften Buchstaben so schön, daß kein Grund vorhanden ist, die Mitarbeit einer fremden Hand anzunehmen. Möglicherweise ist P. S. die Marke des Halsschnitzers, was wieder beweisen würde, daß Stradivari selbst bei Nebensachen darauf hielt, daß das, was er in einzelnen Fällen nicht eigenhändig gemacht hat, gekennzeichnet wird. Sollte P. S. aber wirklich auf Paolo Str. hinweisen, so sind die Buchstaben wahrscheinlich nur ein Eigentumsvermerk. Ein hübsches Beispiel hierfür ist die erst seit 1896 bekannte »Brancaccio« (Besitzer: Brancaccio — Hamma — Vormbaum — Bernardel — Rehfuos — Hammig — Carl Flesch). Die Violine trägt die Jahreszahl 1725 und am Originalhals P. S. (vgl. die Abb. in Hills Buch). Die Geigen, die den Zettel »sotto la disciplina« tragen, weichen oft auffällig von den üblichen Stradivarimodellen ab, er scheint also seinen Schülern, wenn sie etwas Ordentliches gelernt hatten, ziemlich freien Spielraum gelassen zu haben. Eine solche Violine eines Stradivarischülers von trefflicher Arbeit, mit großem schönen Ton, aber von dem Meister stark abweichendem Modell besitzt Major Zieckwolf in München. one of two readings
91) Bei einigen Geigen, die noch den ursprünglichen Hals besitzen, findet man an diesem die Buchstaben P. S., die man mit Paolo Stradivari — dem Namen des jüngsten Sohnes des Meisters — deutet. Es fragt sich allerdings sehr, ob diese Deutung zulässig ist. Es ist durch nichts erwiesen, daß Paolo Str., der ja Tuchhändler wurde, jemals versucht hat, eine Geige zu machen. Auch sind die bis jetzt bekannten sechs Geigen mit diesen rätselhaften Buchstaben so schön, daß kein Grund vorhanden ist, die Mitarbeit einer fremden Hand anzunehmen. Möglicherweise ist P. S. die Marke des Halsschnitzers, was wieder beweisen würde, daß Stradivari selbst bei Nebensachen darauf hielt, daß das, was er in einzelnen Fällen nicht eigenhändig gemacht hat, gekennzeichnet wird. Sollte P. S. aber wirklich auf Paolo Str. hinweisen, so sind die Buchstaben wahrscheinlich nur ein Eigentumsvermerk. Ein hübsches Beispiel hierfür ist die erst seit 1896 bekannte »Brancaccio« (Besitzer: Brancaccio — Hamma — Vormbaum — Bernardel — Rehfuos — Hammig — Carl Flesch). Die Violine trägt die Jahreszahl 1725 und am Originalhals P. S. (vgl. die Abb. in Hills Buch). Die Geigen, die den Zettel »sotto la disciplina« tragen, weichen oft auffällig von den üblichen Stradivari-Modellen ab, er scheint also seinen Schülern, wenn sie etwas Ordentliches gelernt hatten, ziemlich freien Spielraum gelassen zu haben. Eine solche Violine eines Stradivarischülers von trefflicher Arbeit, mit großem schönen Ton, aber von dem Meister stark abweichendem Modell besitzt Major Zieckwolf in München. one of two readings
111) So genannt, weil der Sammler Tarisio, der sie besaß, immer von ihr sprach und sie doch nie nach Paris brachte, so daß man dort auf sie wartete wie die Juden auf den Messias.
132) Eine Reihe von Besitzern echter Stradivariigeigen zählt Hill in seinem Life etc. of Strad. (1902) auf. Auch bei J. Niederheitmann »Cremona« S. 94 sind verschiedene genannt. Diesen Verzeichnissen könnte hinzugefügt werden, daß die herrliche Violine von 1714 aus dem Besitz von François van Hal nach dessen Tod von Prof. Jenő Hubay erworben wurde. Sarasate besaß zwei Violinen von Stradivari, eine gelbe mit auffällig weitjährigem Deckenholz und eine rötliche, ungleich wertvollere, doch zog er one of two readings
142) Eine Reihe von Besitzern echter Stradivarigeigen zählt Hill in seinem Life etc. of Strad. (1902) auf. Auch bei J. Niederheitmann »Cremona« S. 94 sind verschiedene genannt. Diesen Verzeichnissen könnte hinzugefügt werden, daß die herrliche Violine von 1714 aus dem Besitz von François van Hal nach dessen Tod von Prof. Jenő Hubay erworben wurde. Sarasate besaß zwei Violinen von Stradivari, eine gelbe mit auffällig weitjährigem Deckenholz und eine rötliche, ungleich wertvollere, doch zog er one of two readings

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