Scan 520
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
25 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 516. See the scan on archive.org.
1nung aufkommen zu lassen, er habe auch die ersten Violinen hergestellt. Man kennt auch tatsächlich sechs Violinen, die als seine Arbeit galten, aber alle sechs haben sich als Fälschungen neueren Datums erwiesen und sind wahrscheinlich in ihrer Art geniale Machwerke, z. B. Vuillaumes 1). Als Fälschungen erweisen sie sich auch durch ihre Zettel mit Jahreszahlen, die lange vor der Geburt Caspares liegen oder Bologna als Wohnsitz angeben. In Italien hat Caspar schwerlich gearbeitet; mehr Wahrscheinlichkeit hat die Vermutung Jacquets, daß er sich um 1560 am Hofe des Herzogs Carl III. von Lothringen in Nancy aufgehalten habe. Es wird sogar behauptet, daß Caspar T. ursprünglich Mosaikarbeiter gewesen sei; ob dies der Fall ist, fällt nicht ins Gewicht; die übrigen Erzählungen aber, die davon berichten, daß er für König Franz I. gearbeitet habe usw., erweisen sich schon durch das Geburtsdatum Tiefenbruckers als falsch. Den Geburtsort liest Coutagne in der Bürgerrechtsurkunde »Fressin ville impériale en Allemagne« und meint, damit könne nur Freising bei München gemeint sein. Offenbar liegt hier ein Lesefehler vor, in der Urkunde muß Fuessin stehen. In Füssen war die Familie Tiefenbrucker von alters her ansässig, und noch heute leben mehrere Tiefenbrugger in der Füssener Gegend. Bemerkenswert ist auch, daß der gleichzeitig in Lyon ansässige Johann Helmer ebenfalls einer Füssener Familie angehört haben dürfte. Sichere Arbeiten von ihm sind kaum bekannt, wenigstens haben sich bisher die meisten seinen Zettel tragenden Instrumente als Fälschungen, oder als Werke anderer Meister erwiesen. Echt ist vielleicht eine Viola da Gamba von 1550 in der Sammlung Donaldson. Ein reich eingelegtes Instrument mit seinem Namen befindet sich in der Sammlung des Abtes Sales Bauer in Rein (Steiermark) usw.
3Geigenzettel: Gaspard Duiffopruggar a la coste Saint Sébastien à Lyon (?) (gedruckt) und Abb. 793.
5Tiefenbrucker, Jachomo. — Mailand. 18. Jahrhundert
6In der ehemaligen Sammlung Artigoni in Mailand soll ein »Arciliuto« diesen Namen getragen haben.
8Tiefenbrucker (Duiffoprucart), Johann. — Lyon. 1585
9Es ist Coutagne gelungen, einen Sohn Gaspards nachzuweisen, der ausdrücklich als »faiseur de luth« bezeichnet wird, also das väterliche Geschäft fortgesetzt hat. Günstigen Falles sind manche Instrumente, die heute dem Gaspard zugeschrieben werden, von dem Sohne gebaut, der möglicherweise auch die Zettel seines Vaters verwendet hat.
11Tiefenbrucker, Leonhard (Leonardo) I. — Padua (?). 16. Jahrhundert
12Ein Geigenmacher, von dem nur der Name bekannt ist; E. G. Baron rühmt ihn (1727) wegen seiner gar feinen Arbeit, und sein Sohn Wendelin nennt ihn auf seinen Zetteln. Man hat diesen Leonardo für einen Sohn
141) Vuillaume machte schon 1827 nach einer Gamba von Caspar eine derartige Violine.
16Caspars halten wollen, und solange Caspar in die Zeit von 1480—1539 gesetzt wurde, wäre dies auch glaubwürdig gewesen. Nun ist aber Caspar erst 1514 geboren, und Wendelin war ein jüngerer Zeitgenosse Caspares. Ich möchte daher eher annehmen, daß Leonardo sowohl der Vater Caspares als auch Wendelins gewesen sei, der mit seinen Söhnen aus Füssen nach Italien eingewandert ist. Caspar verwelschte erst in Frankreich die Schreibweise seines Familiennamens; Leonardo und Wendelin behielten die heimische Orthographie bei.
18Tiefenbrucker, Leonhard II. — Venedig. 1590
19Vermutlich ein Sohn von Wendelin T. Er ist bisher nur durch die Stelle bei Baron, wo er Hartung als den Schüler des »gantz jüngeren Leonhard T.« welcher auch »gar feine Arbeit gemacht«, bezeichnet, bekannt. Er könnte also der Enkel des »älteren« Leonhard gewesen sein.
21Tiefenbrucker, Magnus. — Venedig. 1557. 1621 (?)
22Vielleicht ein näherer Verwandter Caspar T.s, da er allein unter den Mitgliedern seiner Familie seinen Namen in ähnlich verwelschter Form schrieb (»Dieffopruchar«, »Dieffoprughar« usw.). Die weit auseinanderliegenden Jahreszahlen können die Vermutung aufkommen lassen, daß man es mit zwei gleichnamigen Meistern, vielleicht Vater und Sohn, zu tun hat, wenn die letzten Ziffern sich als einwandfrei erweisen sollten. Zuerst finde ich ihn in einer in Modena aufbewahrten Urkunde vom 7. April 1557 als »Magnifico Mastro Magno, leutaro«, also ebenso auszeichnend wie seinen Vorgänger Sigismund Maler, erwähnt. Er kann damals nicht mehr ganz jung gewesen sein; denn in dem 1566 angefertigten Verzeichnis der Raymund Fuggerschen Kunstkammer werden seine Arbeiten ausdrücklich schon als »alte« bezeichnet 1). Er muß auch ein sehr hohes Alter erreicht haben — oder es gab zwei gleichnamige Meister in Venedig —, denn in einer Mandola, die die staatl. Sammlung in Berlin besitzt, liest man die Jahreszahl 1621. Er stand in hohem Ansehen und war ein vorzüglicher Lautenmacher, von dem auch heute noch treffliche Arbeiten in verschiedenen Sammlungen zu finden sind. Eine Laute von 1560 bewahrt das Schlesische Museum für Kunstgewerbe und Altertümer in Breslau, eine Mandola von 1607 die Sammlung des Fürsten Lobkowitz auf Schloß Raudnitz, eine große Laute von 1608 das Donaldson-Museum (Royal College of Music) in London, eine Laute von 1609 (rep. von Andr. Jauck in Dresden 1746) der Landschaftsmaler Fr. Wildhagen in Halensee, eine Theorbe das Museum Modena, eine Archilaute von 1610 das Musikhistorische Museum W. Heyer in Köln und eine gleiche aus dem-
241) Eine alte Lauten vom Meister Mang. Dieffenprugger. Nr. 72. Eine alte rothe Lauten von Mang. Dieffenprugger. (Auch hier mache ich darauf aufmerksam, daß die Form Mangnus für Magnus eigentlich nur in Füssen vorkommt.) Nr. 75. Eine Lauten von Ebano von M. Dieffenprugger. Vgl. Stockbauer, Die Kunstbestrebungen usw. unter Albert V. und Wilhelm V. Wien 1874.
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