Scan 523
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
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1als in München zu suchen sein. Auf seinen Wanderfahrten scheint Joachim T. auch nach Italien gekommen zu sein, wofür sowohl seine Arbeit als auch der Umstand spricht, daß sich in der Sammlung Hammer in Stockholm eine reich eingelegte Laute von glockenförmigem Umriß mit der Inschrift: »Joachim Tielke in Fiorenza fecit«¹) befand. Im Jahre 1669, am 9. Juli, erwarb er das Bürgerrecht, wobei er die Gebühr für solche, die keine Bürgersöhne waren, bezahlte. Im selben Jahre, am 7. September, heiratete er Katharina Fleischer (geb. 10. April 1646, † 7. Dezember 1724), die wohl auch einer Lautenmacherfamilie entstammte. Joachim Tielke kam zu großem Ansehen und übte seine Kunst als Freimeister aus, da die Lautenmacher in Hamburg keiner Zunft zugeteilt waren. Er wurde von nah und fern mit Aufträgen überhäuft, arbeitete für Fürstenhöfe und wurde von den bedeutendsten Künstlern aufgesucht. Baron, der ihn noch selbst gekannt haben könnte, schreibt in seiner »Untersuchung des Instruments der Lauten«: »Unter denen neuen Meistern, welche in Deutschland viel Renommée erworben, ist besonders Herr Joachim Tielke, welcher im Hamburg gelebet, zu remarquieren. Man hat Lauten von ihm gesehen, da das Corpus von lauter Elfenbein und Ebenholtz verfertiget, der Hals aber sehr künstlich mit allerlei Gold, Silber und Perlen-Mutter ausgelegt gewesen. In der Holtz-Arbeit ist er auch glücklich gewesen, und klingen seine Instrumente nicht gar besonders stark, doch ganz delicat und angenehm.« Die reiche Einlage mag den Ton manchmal abgeschwächt haben, im übrigen aber hat er sicher treffliche Kenntnisse der Gesetze der Akustik besessen. In den Umrissen wuch er von den Cremonesern ab, in der Schönheit der Arbeit ist er ihnen ebenbürtig, deshalb sind seine Arbeiten auch heute noch in fast allen bedeutenden Museen als kostbare Prunkstücke zu finden. Ein Verzeichnis einer größeren Anzahl Tielkescher Instrumente gibt De Wit²) in seiner Zeitschrift (Jahrg. 1899/1900). Nach dem Zeugnis Conrads von Uffenbach³) erhielt Tielke für eine Laute »hundert Mark oder fünfzig Gulden schweren Geldes«, ein Preis, der auch 1790 von Lautenisten noch gerne bezahlt wurde. Er hatte sieben Kinder, drei Töchter und vier Söhne, von denen keiner Lautenmacher wurde; wohl aber scheinen sie ihm behilflich gewesen zu sein, seine Lauten mit Schnitzereien und Einlagen zu verzieren⁴). Joachim T. feierte am 7. September 1717 noch in voller Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit, und einen Beleg für das Ansehen, dessen er sich erfreute, gibt eine Festschrift, die damals erschien und manche wertvolle Beiträge zur Biographie des Meisters enthält, die um so willkommener sind, als Tielke gerade in Hamburg im 19. Jahrhundert einer unverdienten Vergessenheit anheimfiel. Eine Anfrage, die ich im Interesse des vorliegenden Werkes an das Hamburger Archiv richtete, gab den Anlaß zu Dr. H. Nirnheims Aufsatz in den Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte (Bd. VII, Heft 1, Nr. 7): »Zur Geschichte des Musikinstrumentenbaues in Hamburg«, welcher alles enthält, was sich im Archiv über Tielke ausfindig machen ließ. Im Jahre 1897 (14. Dezember) war bereits ein Aufsatz über Tielke von Julius Thias im Hamburger Fremdenblatt erschienen, im selben Jahre (20. Dezember) ein gleicher, der schon früher geschrieben war, von Dr. J. Heckscher im Hamburger Korrespondenten, und von demselben Verfasser, der die Festschrift zur goldenen Hochzeit Tielkes auffand, ein weiterer Aufsatz in den Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, der die biographische und genealogische Ausbeute dieser Festschrift enthält. Aus der H. v. Bülow-Stiftung kaufte das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe in den letzten Jahren einige hübsche Arbeiten Tielkes; eine gute Laute besitzt das Lübecker Museum, eine Taschengeige das Städtische Museum in Budweis, eine Tenorgamba von 1695 mit gewölbtem Boden, rotbraunem Lack und dem typischen Frauenkopf am Wirbelkasten die Sammlung Fritz Wildhagen in Halensee bei Berlin, eine reich eingelegte, sechssaitige Viola da Gamba das Historische Museum in Basel; andere Arbeiten sind im Münchener Nationalmuseum, im Städtischen Museum in Braunschweig, in Stockholm, bei Claudius in Kopenhagen usw. Im übrigen sei auf das schon genannte Verzeichnis in P. de Wits Zeitschrift hingewiesen, das die schönsten erhaltenen Arbeiten nennt. Außer seinen Zetteln findet man auch manchmal in den Elfenbeinbelag graviert: Tielke in Hamburg fecit (1700).
2Geigenzettel: Joachim Tielke / in Hamburg An. 1672 (gedruckt). — Joachim Tielke / in Hamburg Año 1703 (gedruckt). — Tielke in Hamburg / fecit 1700 (gedruckt) und Abb. 772.
4¹) Die im Katalog angegebene Jahreszahl 1547 kann nur auf einem Lesefehler beruhen.
5²) Der selbst eine Laute, eine Quinterne, zwei Gamben und eine Viole von J. Tielke besaß. (Jetzt in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln.) Ein weiteres chronologisches Verzeichnis Tielkescher Werke enthält G. Kinskys trefflicher Katalog S. 275, 276 und 645, 646.
6³) Merkwürdige Reisen durch Niedersachsen. Ulm 1753. S. 80 u. 88.
7⁴) Gottfried T., geb. 1668, stand im Dienste des Landgrafen von Hessen-Kassel, Joachim, geb. 1673, war Sekretär der verwitweten Herzogin von Mecklenburg, Martin Gabriel, geb. 1685, war Kaufherr und Oberalter der Kaufmannschaft, Christoffer, geb. 1670, starb 1706.
9Tielke, Johann. — Hamburg. 1635
10Der Vater Joachims. Er wanderte mit seinem Sohn in Hamburg ein¹), da er aber das Bürgerrecht nicht erwarb und auswärts gestorben zu sein scheint, kommt sein Name in den Archivalien nicht vor. Ein eigenartiges Streichinstrument mit vier Darm- und drei Aliquotseiten mit seinem Namen war auf der Wiener Musik- und Theaterausstellung zu sehen. (Dasselbe soll in Kottbus aufbewahrt werden.) Ein C. Tielke soll in Hamburg schon um 1551 vorkommen, was mir unglaubwürdig erscheint.
12Tielke, Wilhelm. — München. 17. Jahrhundert
13In welcher Beziehung er zur Hamburger Familie steht, ist nicht klar. Franz Trautmann sagt von ihm (»Die
15¹) Daß auch Joachim nicht in Hamburg geboren ist, geht aus einem Gedichte seines Enkels in der Festschrift zur goldenen Hochzeit hervor, in welcher es unter anderem heißt: »…Wen Gott / wie Abraham / aus seinem Land hieß ziehen / Und schickt ihn in ein Land / da er ein Fremdling war« usw. usw.
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