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Scan 13
Die Violine im XVII. Jahrhundert und die Anfänge der Instrumentalcomposition, 1874
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1Anwendung auf geistliche Vokalwerke. Ein Beispiel dafür bieten die Psalmen David’s, welche 1583 unter dem Titel: „Andreae Gabrielis, organistae Sereniss. Reipubl. Venetiarum, Psalmi Davidici qui poenitentialis nuncupantur, tum omnis generis instrumentorum, tum ad vocis modulationem accomodati etc. etc.“ in Venedig erschienen.
3Ist hier ausdrücklich bemerkt, dass das Werk für jede Art von Instrumenten, sowie für Singstimmen gesetzt sei, so fehlt doch jede Andeutung über Auswahl und Benutzung der verschiedenen, in jener Zeit gebräuchlichen Tonwerkzeuge. Jedenfalls bestand hierin noch völlige Freiheit und nur die in den Singstimmen vorgezeichneten Schlüssel gaben einen allgemeinen Fingerzeig für die anzuwendenden Instrumente. Dass bei solchen Gelegenheiten auch die Violine, deren Existenz seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts ausser allem Zweifel ist 1), als Stellvertreterin des Sopranes benutzt wurde, ersehen wir mit voller Bestimmtheit aus den 1587 zu Venedig veröffentlichten „Concerti di Andrea et di Gio: Gabrieli orga-
51) Die Kunst des Violinbaues reicht, so weit wir gegenwärtig mit Sicherheit zu sehen vermögen, bis zum ersten Decennium des 16. Jahrhunderts hinauf; als frühester Repräsentant derselben ist Gaspard Duiffopruggar zu nennen. Durch die besondere Gefälligkeit des Herrn Niederheitmann, eines eifrigen und wohlunterrichteten Kunstliebhabers in Aachen, habe ich erwünschte Gelegenheit gefunden, drei unzweifelhaft ächte und noch durchaus guterhaltene Violinen dieses Meisters zu sehen und zu prüfen. Sie rühren aus den Jahren 1511, 1517 und 1519 her. Zwei derselben haben einen vortrefflichen Ton. Aeltere Violinen sind bis jetzt nicht bekannt geworden, und man darf daher mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dass Duiffopruggar der erste Künstler seines Fachs war, welcher Geigen fertigte. Ueber das Leben dieses merkwürdigen Mannes ist wenig bekannt. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts lebte er in Bologna, wie die im Innern seiner Violinen angebrachten Zettel beweisen. Franz I. von Frankreich veranlasste ihn nach Paris zu kommen. Später lebte er in Lyon. Ueber Geburts- und Todesjahr des Meisters fehlen sichere Nachrichten. Sein Name deutet offenbar auf den noch heute existirenden Tiroler Familiennamen Tieffenbrucker zurück, und dies verleitet zu der Annahme, dass der muthmassliche Erfinder unserer Violine ein aus Tirol nach Oberitalien ausgewanderter Deutscher sei.
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