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Scan 84
Die Violine im XVII. Jahrhundert und die Anfänge der Instrumentalcomposition, 1874
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1Violinspieler und nach erfolgter Wirksamkeit in seinem Geburtsorte eine Reihe von Jahren hindurch als Orchesterchef am Hofe von Modena thätig. Man rühmt ihm nach, dass er viele gute Schüler gebildet habe, doch wird von diesen nur der eben erwähnte Laurenti namhaft gemacht.
3Von den Instrumentalwerken Vitali's, die Fétis auf die Zahl fünf, ohne nähere Angabe der Titel jedoch, fixirt, wird eines in der Bibliothek des „Liceo musicale“ zu Bologna aufbewahrt. Es enthält 12 „Sonate da Chiesa a tre col Organo. Modena 1693 op. 1“ 1).
5Die Beschaffenheit dieser Tonstücke zeichnet sich nicht vor den Arbeiten der Zeitgenossen aus, wenn sie auch von der tüchtigen musikalischen Bildung des Componisten Kunde gibt. Bedeutender ist jedenfalls die von ihm vorhandene charakter- und stimmungsvolle Ciaccona 2) für Violine solo und Bass, aus deren kurzem, prägnantem Thema eine Reihe contrastirender Tonbilder entwickelt ist. Hier begegnet uns in dem italienischen Instrumentalsatz zum ersten Mal die von deutschen Tonsetzern schon vorher mit Vorliebe behandelte Variationenform in grösserer und reicherer Durchbildung. Nächst der anziehenden harmonisch modulatorischen Behandlung erregen die mannichfaltigen ornamentalen Figurationen unsere Aufmerksamkeit, welche sich keinesweges als äusserliche virtuose Zuthat, sondern als folgerichtige arabeskenartige Entwickelungsglieder des Grundgedankens erweisen. Dieses Musikstück darf als ein glücklicher Vorläufer der bekannten Bach'schen Ciaccona für Violine solo gelten, die uns freilich erst die Tiefen des tondichterischen Schaffens erschliesst.
7Filippo Carlo Belisi veröffentlichte ein Heft Instrumentalstücke unter dem Titel: „Balletti, Correnti etc. a due Violini e Violoncello col Basso Continuo, Bologna 1691, op. 1“. Der Inhalt besteht mehrentheils aus Tänzen, die durch sogenannte
91) Bei Fétis ist dieses Werk irrthümlich als das fünfte des Tonsetzers angeführt.
102) In modernisirter Bearbeitung von Ferd. David bei Breitkopf und Härtel in Leipzig herausgegeben.
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