Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 120

Die violine und ihre meister, 1904

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1Sonderbar sind zum Teil die Bemerkungen, welche Geminiani in dem mit Vorliebe behandelten Abschnitte über die Verzierungen gibt, denn sie beweisen, daß man zu jener Zeit, in realistischem Streben besangen, Wesen und Ausdrucksfähigkeit der Musik teilweise noch in Dingen suchte, die wir lediglich als Ornamente betrachten. So heißt es in der deutschen Übersetzung der Schule: „Der untere Triller geschwind und lang geschlagen, ist fähig eine Fröhlichkeit auszudrücken, kurz und sanft geschlagen, kann er eine zarte Leidenschaft bilden. Der Vorschlag von oben taugt, eine Anmutigkeit, eine Freude oder die Liebe auszudrücken. Der Vorschlag von unten hat die nämlichen Eigenschaften. Der Zwicker ist fähig, verschiedene Leidenschaften auszudrücken, z. B. den Zorn oder die Herzhaftigkeit, wenn er stark und lang ist. Freude und Zufriedenheit, wenn er kürzer und schwächer ist. Die Furcht, den Verdruss oder das Klagen, wenn er sehr schwach ist und die Note verstärkt wird, und endlich Lust und Anmutigkeit, wenn er kurz gemacht und die Note zärtlich verstärkt wird, usw.“ Diese spekulative Richtung, welche ihr Seitenstück in der Schubartschen Charakteristik der Tonarten findet, machte indes bald einer verständigern Auffassung Platz, und schon in Mozarts Violinschule, die nur sechzehn Jahre später erschien, findet sich keine Spur mehr davon. Überhaupt geht der deutsche Meister nicht nur gründlicher, sondern auch rationeller zu Werke. So eifert er z. B. gegen den damals noch vielfach üblichen1) und auch von Geminiani ausdrücklich empfohlenen Brauch, dem Schüler das Griffbrett zur Erleichterung der Intonation einzuteilen und mit Strichen zu versehen, indem er sagt: „Ich kann hier jene närrische Lehrart nicht unberührt lassen, die einige Lehrmeister bey der Unterweisung ihrer Lehrlinge vornehmen: wenn sie nämlich auf den Griff der Violin ihres Schülers die auf kleine Zettelchen hingeschriebene Buchstaben aufspichen, oder wohl gar an der Seite des Griffes den Ort eines jeden Tones mit einem starken Einschnitte oder wenigstens mit einem Ritze bemerken. Hat der Schüler ein gutes musikalisches
31) 8. B. in T. Cross, „Nolens volens Violin Tutor“ 1695. (Davey, History of English music. 1895.)

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