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Scan 121
Die violine und ihre meister, 1904
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1Gehör, so darf man sich nicht solcher Ausschweifungen bedienen; fehlet es ihm aber an diesem, so ist er zur Musik untauglich, und er wird besser eine Holzart als die Violin zur Hand nehmen." Dagegen gibt Mozart derjenigen Haltung der Violine, bei welcher sich das Kinn rechts vom Saitenhalter befindet, den Vorzug, während Geminiani schon lehrt, daß das Kinn des Spielers auf der linken Backe der Violine ruhen müsse, wie es allein zweckmäßig und richtig ist. Der praktische Teil von Geminianis Violinschule, bestehend in 12 Violinübungen, kann nur einen sehr relativen Wert beanspruchen. Es ist diese Partie, wie in den meisten derartigen Werken, die bei weitem schwächste Seite. Abgesehen davon, daß es zu den Unmöglichkeiten gehört, in so engem Rahmen auch nur annähernd das Übungs- material für Ausbildung des Schülers zu konzentrieren, wird gewöhnlich der Fehler einer sprunghaften oder doch zu schnell fortschreitenden Folge gemacht, und diese Übelstände zeigen sich auch in Geminianis Schulexempeln.
3Außer seiner Violinschule veröffentlichte der Künstler noch andere theoretische Werke, von denen hier nur „Guida Armonica o Dizionario armonico“ (1742) und „The Art of accompagnement“ etc. (1755) angeführt seien. Das erstere Werk soll nach Fétis' Versicherung seiner Zeit zur Bereicherung des harmonischen Satzes beigetragen haben, — eine Behauptung, für deren Richtigkeit uns der französische Autor den Beweis schuldig bleibt.
5Von Geminianis Schülern nennen wir hier Matthew Dubourg, geb. 1703 in London. Er war ein natürlicher Sohn des Tanzmeisters Isaac. Seine künstlerische Laufbahn eröffnete er als Knabe bei dem „musikalischen Kohlenmann“ John Britton, in dessen Musiksaal er, um gesehen zu werden, auf einem Stuhle stehend, mit Corellis Kompositionen debütierte. Als Geminiani 1714 nach London kam, wurde Dubourg sein Schüler und bildete sich zu einem bedeutenden Violinisten. Vorzugsweise soll er sich im Vortrage des Zarten und Pathetischen ausgezeichnet haben. 1728 wurde er an Stelle Coussers zum Kapellmeister in Dublin, 1735 zum Kammermusikus des Prinzen von Wales und 1752 als Nachfolger Festings zum Direktor der königl. Musik ernannt. Von seinen zahlreichen
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