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Scan 245
Die violine und ihre meister, 1904
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1die den Verfasser der „Scherzi“ charakterisiert. Dagegen ist der „Hortulus Chelicus“ wiederum an mannigfaltigen Spielarten ungemein reich, welche bei einer Ausdehnung von drei Oktaven in der häufig vertretenen Variationenform entwickelt werden. Bemerkenswert ist in dieser Beziehung ein Capriccio, dessen kurzes Thema, begleitet von der als Basso ostinato gebrauchten C dur-Stala, 49 mal variiert wird. Doch offenbart der Komponist nicht zugleich einen eigentlichen Kunstzweck. Man empfängt vielmehr durchaus den Eindruck, als ob es ihm lediglich darauf angekommen sei, möglichst viel verschiedenartige Bewegungen auszuführen. Eine so untergeordnete künstlerische Tätigkeit erinnert an die unwillkürliche körperliche Motion eines geistig noch nicht entwickelten Menschen, der seine Gliedmassen nur um irgendwelcher physischen Lebensäußerungen willen auf mannigfaltige Weise gebraucht.
3Mit besonderer Vorliebe sucht Walther seinen „Violinischen Lustgarten“, wie schon bemerkt, durch Imitation verschiedener Vogelstimmen zu beleben. So läßt er den Hahn krähen, die Henne gackern und die Nachtigall schlagen. 1) Den Rückuck produziert er im Verein mit anderem ungenannten gefiederten Volf (Scherzo d’Augelli con il Cucu). Auch gibt er in einer den Beschlus des Hestes bildenden Serenata ein Quodlibet von „Organo tremolante, Chitarrino, Piva, Trombe e Timpani, Lira tedesca und Harpa smorzata“ — alles dies, wie ausdrücklich hinzugefügt wird, durch eine Solo-Bioline dargestellt. Wir finden den Verfasser hier völlig, nur mit etwas mehr Gründlichkeit auf dem naiven Standpunkt Farinas, welcher freilich ungefähr sieben Dezennien früher sein „Capriccio stravagante“ erscheinen ließ. Offenbar war dieser Versuch, wenn auch nicht gerade Vorbild, so doch Antrieb für Walthers Unternehmen. Und wenn er auch in technischer Behandlung der Bioline und bestimmter Ausdruck seiner Absichten als Spätergeborener dem
51) Die in dem „Hortulus Chelicus befindliche Sonate „Gallo e Gallina“ (Hahn und Henne), ist von E. Medefind mit Klavierbegleitung bei Georg Näumann in Dresden herausgegeben worden. In demselben Verlage erschienen auch drei von Medefind mit Klavierbegleitung versehene Abagios von Veracini.
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