Books › Die violine und ihre meister, 1904 › scan 244
Scan 244
Die violine und ihre meister, 1904
6 lines. Read by computer on 3 September 2026. No printed page number was found. See the scan on archive.org.
1Munde hängen, um Gedanken oder Empfindung derselben dem Beschauer klar zu machen.
3Vielleicht war der Komponist selbst nicht von der Wirkung dieser realistischen Spielerei befriedigt, denn wir ersehen aus einem zweiten von ihm vorhandenen Werk, welches 18 Jahre nach den „Scherzi“ während seines Mainzer Aufenthaltes gedruckt wurde, daß er erneuerte Anläufe zu einer Rückucksmusik unter Mitwirkung anderer Vogelstimmen versuchte. Dieses Opus führt wörtlich folgenden Titel: „Hortulus Chelicus. Das ist Wohl- gepflanzer Violinischer Lust-Garten Darin Allen Kunst-Begierigen Musicalischen Liebhabern der Weeg zur Vollkommenheit durch curiöse Stück und annehmliche Varietät / gebahnet / Auch durch Berührung zuweilen zwey / drey / vier Seithen / auff der Violin die lieblichiste Harmonie erwiesen wird. Durch Johann Jacob Walter / Churfürstl. Mayntzis. Italianischen Secretario. Mayntz / In Verlegung Ludovici Bourgeat, Buchhändlern 1694“. Obwohl der Autor der „Scherzi“ in diesem so genannten „Lustgarten“ überall erkennbar ist, so zeigt er sich, die musikalische Gestaltung anlangend, hier doch in einem etwas günstigeren Lichte. Die einzelnen Musikstücke gewinnen nicht allein ein bestimmteres Gepräge im Hinblick auf die Formgebung, sondern auch in betreff des Spezialausdrucks. Indes, der Komponist vermag keineswegs seine unbeholfene Satzweise in melodischer, harmonischer und rhythmischer Beziehung zu verleugnen, und so findet sich in diesem Sammelwerk, welches aus 28, zum Teil suiteartig angelegten Piecen besteht, ebenso wenig ein Stück von leidlich befriedigender musikalischer Wirkung, wie in seiner früheren Arbeit.
5Wie wenig Deutschland zu Ende des 17. Jahrhunderts in betreff der Violinkomposition mit Italien zu rivalisieren vermochte, wird sehr anschaulich, wenn man diesen „Hortulus“ gegen die gleichzeitig geschaffenen Sonatenwerke Corellis hält. Hier offenbart sich durchgebildeter Sinn für plastische Formgebung, organisch entwickelte Modulation und normale, gesanglich wirkende Melodik, — dort, mit geringen Ausnahmen, willkürlich sprunghafte Tonverbindung der leitenden Stimme, ungeläufig steife Figuration, unsaubere harmonische Satz und überdies oft jene apheristisch musivische Gestaltungsweise,
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.