Scan 64
Musical Courier 1894-11-21: Vol 29 Iss 767, 1894
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1Saitenfabrikation einen derartigen Aufschwung genommen, dass gegenwärtig mindestens zehnmal soviel Personen sich mit dieser Branche beschäftigen, als in früheren Jahren.
3Das Rohmaterial zu den Darnsaiten sind die Schafdärme. Dieselben werden ausser Italien und Frankreich, welche ihre Schafdärme selbst verarbeiten, aus den verschiedensten Ländern bezogen. In früheren Jahren lieferte Dänemark die vorzüglichsten Därme, weil dort meist Lämmer geschlachtet werden; dieselben sind fein und dünn und werden hauptsächlich zu den feineren Saiten verwendet. Mit der Erweiterung dieses sowie anderer Schafdärme consumirender Industriezweige ist es immer nothwendiger geworden, andere Bezugsquellen aufzusuchen. Gegenwärtig versorgen nun hauptsächlich England und Russland den Markt. Die Därme von den englischen Mastschafen sind jedoch dicker und fester als die dänischen und werden zu D- und A-Seiten bei den Geigen und zu den entsprechenden Saiten bei den übrigen Saiteninstrumenten verwendet, was jedoch nicht ausschliesst, dass sie getheilt ebenfalls zu E-Saiten verwandt werden. Die englischen Därme scheinen jedoch seit kurzem immer mehr an Güte und Werth zurückzugehen. Es liegt dies theils in der Vereidelung der Schafe—denn je edler das Schaf, desto geringer Werth hat der Darm für die Saitenmacherei, theils im Mangel an passenden, luftreinen Reinigungsplätzen, die namentlich in London sehr wenig zu haben sind, ja nicht einmal geduldet werden. Die grösste Schuld aber trägt die immer nachlässiger werdende Behandlung, insbesondere die oft zu spät erfolgende Reinigung der Därme.
5Dagegen bildet Russland gegenwärtig eine Hauptbezugsquelle. Vor circa dreissig Jahren kamen die ersten Därme aus Russland, die sich durch gute qualität auszeichneten und den dänischen Därme solche Concurrenz bereiteten, dass man schon nach zwei bis drei Jahren, als die meisten Saitenmacher und Händler die gute Qualität der russischen Därme erkannt hatten, an die ergiebigste Ausbeutung dieser neuen und rentablen Bezugsquelle ging. Das Resultat ist ein äusserst erfreuliches. Fast alle Massenschlachtenerien in europäischen Russland sind in den Händen Markneukirchens, d. h. sie geben ihre Schafdärme an die Aufkäufer für Markneukirchen ab, und auch aus einen grossen Theile des asiatischen Russlands kommen die Schafdärme nach dorthin. Zu beklagen ist freilich, dass ein grosser Theil der russischen Därme, trotz der ursprünglich guten Qualität, durch schlechte Behandlung beim Reinigen verdorben wird und deshalb nur zu geringen und mittelsortigen Saiten verwendet werden können. Ordentlich geputzte Därme sind nur dann mit Sicherheit zu erlangen, wenn die vogtländischen Seitenmacher selbst nach Russland gehen, um die Reinigung zu beaufsichtigen.
7Gleichzeitig mit der wachsenden Zufuhr des Rohmaterials aus Russland stieg auch der Export der Darnsaiten nach Amerika von Jahr zu Jahr so bedeutend, dass es kaum zu hoch gegriffen ist, wenn man behauptet, dass dieser Export vor einer Reihe von Jahren nicht den zwanzigten Theil des gegenwärtigen repräsentirte. Die Nachfrage für geringe Waare ist in der letzten Zeit schwacher gewesen. Dagegen können feine weisse Saiten nicht genug beschafft werden.
9Das Rohmaterial der übersponnenen Saiten (der G-Saiten bei Geigen Bratschen und Cellos, der C-Saiten bei den beiden letzteren, der A- und E-Saiten bei den Bässen, der D- A- und E-Saiten bei den Guitarren und Zithern, Saiten für Harfen, Banjos und andere Instrumente) ist leonischer Draht aus Nürnberg, Fürth und Schwabach, welcher über eine Unterlage von Darm, seidenem, Stahl- oder Messingdraht gesponnen wird. Zu den feinsten Violin G-Saiten und Guitarrensaiten wird reiner Silberdraht, zu den übrigen versilberter Kupferdraht und nur zu feineren Guitarrensaiten (einfach, zweifach oder dreifach) vergoldeter Kupferdraht und blos zu Zithersaiten reiner Kupferdraht verwendet. Der Preis erhöht sich mit der steigenden Nummer und diese wieder mit der steigenden Feinheit des Drahtes. In Markneukirchen werden die Nummern 5-22 und gelegentlich auch bis 24 verwendet. Was die zur Unterlage dienende Seide betrifft, so wird zu ordinären, namentlich den nach Central-und Südamerika bestimmten Guitarrensaiten (sogenannten Grossaiten, weil sie nach dem Gros, dagegen die feineren Sorten nach dem Stock zu 30 Stück verkauft werden), Chapseide, Abgänge aus böhmischen Fabriken, nicht reine Seide, sogenannte Phantasie, sowie eine etwas bessere Sorte aus Schweizer Bandfabriken, zu den feineren Guitarren—und den Violinsaiten dagegen Rohseide aus Seidenhandlungen, Doppi Trama, etwas unrein und knotig, Canton Trama und China Trama verwendet.
11Das Saitenspinnen wird von vielen (namentlich Frauen) nur als Nebenbeschäftigung betrieben; einzelne Familien ernähren sich jedoch lediglich durch die Seitenpinnerei. Sehr fleissige Spinner können täglich bis zu 25 Dutzend Guitarrensaiten oder bis zu 40 Dutzend Violinsaiten spinnen.
13Die seidenen Quinten (E) oder chinesischen Saiten sind blos für Violinen verwendbar und gehen vorzugsweise nach Polen und Ostpreussen. Dieselben sind sehr dauerhaft und hauptsächlich für solche Spieler passend, die in heissen Localen spielen und deren Saiten lange ausdauern müssen. Als Rohmaterial wird Canton Trama und China Trama verwendet.
15Von den Markneukirchener Saitenmachern sind besonders folgende zu erwähnen: Ernst Paulus (übersponnene Saiten), Adolf Dürrschmidt, Aug. Dürrschmidt, Rich. Adler, Hermann Jordan, A. Herd & Jäger.
17Die Fabrikation der Holzblasinstrumente ist zwar auch den Ansprüchen der Zeit entsprechend fortgeschritten, doch hat hierin in Markneukirchen nicht die gleiche Ausdehnung der Production stattgefunden, wie in den andern Branchen. Die Ursache liegt theils darin, dass durch die allgemeine Einführung der Messinginstrumente, namentlich der eine Zeitlang fast gänzlichen Be- seitigung der Holzinstrumente bei den Militair-Musikchören, der Gebrauch can only be used for violins, and these go to Poland or East Prussia. They are very durable and are chiefly adapted to those who play in hot rooms. The raw material for this is Canton Trama and China Trama.
19Among the Markneukirchen string makers the following deserve mention: Ernst Paulus (covered strings), Adolph Dürrschmidt, Aug. Dürrschmidt, Rich. Adler, Hermann Jordan, A. Herd & Jaeger.
21The manufacture of wood wind instruments has also kept pace with the requirements of the times, but this Markneukirchen has not developed equally with the other branches. The cause of this is to be found partly in the fact that metal instruments have superseded the wood, especially in military bands, and partly because this trade, more than the other branches, has found lodgement in the neighboring villages, which, however, all send the supply to Markneukirchen dealers. Since the return of the wood instruments in the bands this branch has made a step forward. To-day Markneukirchen makes clarinets and flutes which compare favorably with the best made in foreign countries, but fagotti and oboes have retreated into the background. The flute and the clarinet must be used with the smallest orchestra, but this is not the case with the oboe and fagotto. The wood wind instrument manufacturers create especially flutes, piccolos and clarinets. Flageolets are made by workmen in other parts of the district. The export of these, as in the other branches, goes through the hands of the dealers of Markneukirchen. Occasionally flutes and clarinets are made of German silver or brass.
23The principal development, next to the string industry, is to be found in the manufacture of brass wind instruments. At the beginning of this century the use of keys or stops began to supersede the old way, which was to place the fingers over the holes. This made it possible to make larger brass instruments with more perfect results. These keys again were discarded for Heinrich Stölzel's invention, Breslau, 1814, the so-called stoppers on ventilis, air-tight sliding tubes, which could be pushed down with the finger and would return in place by a spring. This invention was introduced into Markneukirchen in about the twenties. After many improvements by so-called pump, tube, slight or lift ventil, at the beginning of the forties the Vienna discovery was put into use; it was the cylinder or turn ventil. These, as well as other improvements since, were imitated at Markneukirchen as soon as they could be procured. Dealers would buy models, sometimes at high prices, and had workmen copy them, which production could be furnished cheaper at Markneukirchen than elsewhere. The improvements on the brass instruments were of the utmost influence in the forming of music bands. While formerly but few brass instruments were used, bands were now organized that used only brass, and were known as brass bands. This brought a demand for the instruments, which hand labor was too slow to supply, and soon machinery was employed to accomplish quicker results. Such machine establishments had existed several years in France and Belgium, and now Markneukirchen made its first trial. The firm of M. Schuster, Jr., built in 1862 a factory employing machinery driven by water power, and later, when this was not quick enough, introduced steam. This venture was imitated the following year by an association, which built for the same purpose a steam factory.
25Although hand work cannot be done away with entirely, the use of machinery has proven its' great advantage, as it not only enables the manufacturer to turn out more goods, but it divides the working time into more correct and equal parts than was possible when working by hand. The machines in use are the ordinary brass worker machines. A specialty of this industry is a cylinder drawing machine. In several factories they make only cylinders or ventilis and in others only principal or sounding pieces, &c.
27The instruments destined for the German and American markets (made in every desired shape) are very different in name, form and price. A not inconsiderable portion of the separate parts, tumblers, machines, &c., find a market in large cities. These parts are there put together and marked as of home manufacture.
29The manufacture of cases is of consequence, especially those for violins, guitars, clarinets and flutes. The workmen at this branch are nearly all finished cabinet makers. From all that has been said here, it must be observed that the working and business life of Markneukirchen is extraordinarily active. The working time averages twelve hours daily and often more. It is nothing unusual for those working on their own account to give sixteen and more hours to their task. Workmen do this for extra pay. The owners of factories and warehouses furnish their employés an example in regard to diligence and "hustling." This staying power in the face of muscle taxing work is in accordance with a sound and regular mode of living. Children under fourteen years of age are seldom given work, but occasionally are employed as helping hands.
31The significance of the Vogtland instrument industry has often been underrated; it is, however, in the interest of the cause that the actual circumstances should truthfully be stated. Once more mention must be made as to how important it would be for the future of the Vogtland instrument industry, especially for the better and best class of instruments, if a discontinuance of the falsification of labels could be effected, so that in the future firms in other parts of Germany or in foreign countries do not receive the credit which is due the Vogtland industry.
33(To be continued.)
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