Scan 56
Musical Courier 1895-02-27: Vol 30 Iss 781, 1895
10 lines. Read by computer on 20 September 2026. Printed page 57. See the scan on archive.org.
1Anhaltepunkte. Jedoch es besteht kein Zweifel, dass in den Werkstätten der Fronhöfe und Klöster die Instrumentenmacherkunst frühzeitig geübt worden ist. Die Arbeitssphäre des „faber“ erstreckte sich im Zeitalter der Volksrechte weit genug, um vermuten zu lassen, dass sich seine Geschicklichkeit auch auf diesem Gebiete betätigt habe. Wir dürfen sogar annehmen, dass die Fabrikation von Tongerät—sofern sie in den Bereich des Schmiedegewerbes fiel—nicht auf den hörigen Handwerker beschränkt gewesen ist. Wackernagel hebt in seiner Studie über „Gewerbe, Handel und Schiffahrt der Germanen“ ausdrücklich hervor, dass auch der freie Mann sich mit der Anfertigung von Saitenspiel für das gastliche Gelag, von Hörnern und Pauken für Jagd und Krieg beschäftigte. Gföer äussert sich ebenfalls dahin, dass Blas- und Saiteninstrumente auf verschiedenen Punkten des fränkischen Reiches für den Kauf hergestellt worden sind. Orgeln wurden schon zur Zeit Karls d. Grossen gebaut, wie der Mönch von St. Gallen berichtet. Ebenso meldet Einhard aus dem Jahre 826 von einem Orgelmacher Ludwig des Frommen. Von 872—1150 hören wir nun viel von Orgelbaumeistern, und die Chroniken einzelner Edelhöfe erzählen von musikalischen Vorträgen auf selbstgefertigten Instrumenten. Feste Anhaltepunkte sind jedoch bis über das Zeitalter der Hohenstaufen zu vermissen. Nur gegen Ende des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts werden in deutschen Städtebüchern ausnahmsweise Vertreter dieses Luxusgewerbes erwähnt. Lauten-, Trompeten- und Posaunenmacher in grösserer Zahl treten uns erst Mitte des 15. Jahrhunderts entgegen. Es ist aber bei diesen Instrumentenmachern nicht sicher, ob wir sie schon als Vertreter eines selbstständigen Gewerbes aufzufassen haben, oder ob nicht die Betreffenden mit mehr Recht einer anderen Berufsklasse beigezählt werden könnten—and vielleicht auch beigezählt worden sind. Die überaus flüssigen Grenzen, in welchen das städtische Instrumentenmacherhandwerk zur Ausübung gelangte, erschweren jede Untersuchung. Mit Vorliebe und mit grossem Erfolg wurde dilettirend auf dieses Gebiet hinüber gegriffen. Es ist oft kaum möglich zu sagen, wer als Instrumentenmacher von Fach zu gelten hatte und wer nicht. Die Instrumentenfabrikation lag zumeist in der Sphäre der gewöhnlichen Handwerke, soweit nicht die Spielleute (die Organisten, Lautenisten, Freunde der Musik, etc.) ihre Instrumente selbst herstellten, was in den meisten Fällen geschah. In den Reihen der Schreiner (Tischler, Kistler), der Schlosser und Windenmacher, der Drechsler in Holz und Horn, sowie der Roth- und Gelbgießer und der Schmiede, ja sogar der Goldarbeiter, sind die Verfertiger des Tonwerkzeugs zu finden. Dies geht auch aus der 1511 erschienenen Schrift „Musika“ des Sebastian Virdung hervor. „Das clavichordium und andere instrument wie man dye machen soll, das wil ich nit beschreiben, dann das trift mer dye architectur oder das Handwerk der schreyner an, dann dye musi cam. . . .“ Dass sich das zünftige Handwerk noch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit dem Instrumentenbau befasste, zeigt deutlich eine Stelle in der Nürnbergser Holtz-Pain-Metall-Drechsler-Ordnung: „Sollen dye meister dess drechslerhandwerks macht haben, neben denen wildruf und horn-drehern hinführo von gepaist und ungepaistem horn ungehindert zu drehen . . . die fagot, flagolet und andere musikalische instrumenta beeden theilen gemein bleiben. . . .“ Der Instrumentenbau hatte sich um diese Zeit bereits so ziemlich in allen Zweigen auf eigene Füsse gestellt und war im Gewerbeleben einzelner Städte eine typische Erscheinung geworden. Die Entwicklung der Musik hatte höhere Ansprüche an die Beschaffenheit der Tonwerkzeuge gestellt, als sie jeder gewöhnlicher Handwerker zu befriedigen vermochte. Der Bedarf an Musikinstrumenten war auch gestiegen. Die materielle Voraussetzung war damit gegeben auf die ein eigener Beruf sich gründen konnte. Garzoni, in seinem von Johst Amman in Nürnberg illustrirten „Allgemeinen Schauplatz aller Künste, Professionen und Handwerke“ berücksichtigt ganz besonders die Musikinstrumentenmacher. Weigel schildert gleichfalls ausführlich und mit Abbildungen die Geigen- und Lautenmacher, die Trompeten- und Pfeifenmacher, Orgelbauer und Saitenmacher. Die räumliche Ausbreitung des Gewerbes beginnt mit Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts, wie aus der schon erwähnten Schrift des Sebastian Virdung und einer Abhandlung des Michael Prætorius zu ersehen ist. Der französische Historiker Vidal meint sogar: „En Allemagne l’art du luthier prenait déjà place vers la fin du XVIe siècle parmi les métiers les plus répandus.“ Der Schwerpunkt der deutschen Instrumentenmacherindustrie hat für lange Zeit im Süden und Südosten geruht. Hauptsitze sind neben Nürnberg und Augsburg: München, Prag und Wien. In Mittel- und Norddeutschland treten auf diesem Felde des Gewerbefleisses hervor: Dresden, Frankfurt, Berlin, Erfurt, Hannover und Hamburg. Dagegen ist von Leipzig so gut wie gar nicht die Rede, obgleich gerade dort die Instrumentenmacherkunst sehr frühzeitig Fuss gefasst hatte. Es besass als Mittelpunkt der Kunstübung in Mitteldeutschland, wie aus den Innungsordnungen des 15. Jahrhunderts hervorgeht, schon damals seine Stadtfeierkapelle, welche die Kirchenmusik und die Musik bei bürgerlichen Festlichkeiten besorgte. Ausserdem gab es Kunstgeiger und kleine Musikbanden, die sich der Laute und Flöte, sowie des zierlichen Tasteninstrumentes bedienten. Aus allen Ueberlieferungen und vielen aufgefundenen Privatbriefen ehemaliger „Meister“ geht hervor, dass Leipzig schon von Alters her eine besondere Anziehungskraft für musikalische Instrumentenmacher gehabt hat. Das lokalgeschichtliche Schriftthum schweigt darüber aber vollständig. Die Bürgermatrikel, die Stadtkassenrechnungen, das Stadtbuch, sowie die Schöffenbücher bieten geringen Anhalt. Der erste Vertreter der Musikinstrumentenindustrie, der im Bürger-Aufnahmebuch eingetragen ist, war der Leiermacher Heinrich Stoer. Die Eintragung erfolgte im Jahre 1520. Neben der Eintragung steht noch der Vermerk: „d (edit) nihil pp (propter) rabitatem offici j.“ Weite wurden im Laufe desselben Jahrhunderts als Bürger also may make harps for social entertainment purposes, horns and bass drums for the chase and war. Gföer also mentions that wind and string instruments had been made for sale in various parts of the Frankish Empire. In Charlemagne’s time organs were made, so we are informed, by the monks of St. Galle. Einhard also speaks of an organ maker of Louis the Pious, in 826. We often find mention made of organ builders from 872—1150, and the chronicles of different knightly courts make mention of entertainments at which instruments of home manufacture had been used. Decided information we do not get until after the reign of the Hohenstaufen. Only at the end of the thirteenth and the beginning of the fourteenth century German city chronicles mention in exceptional cases makers of this luxury. Harps, trumpets and trombones are spoken of repeatedly, and for the first time in the middle of the fifteenth century. It is not certain whether the makers of instruments were then representing a separate trade, or whether they did not belong to another class of industry. The latter was likely the case. The uncertain limits of industry make it hard to define the beginning of the separate manufacture of musical instruments. The making of instruments was a favored work of dilettanti, and a successful one. It is frequently impossible to discern who was solely a musical instrument maker or who was not. This industry was in the hands of ordinary workmen when not indulged in by players (organists, harpists, lovers of music, &c.) who made mostly their own instruments. We find the makers of musical objects to belong to the following trades: carpenters, joiners, locksmiths, windlass makers, turners in horn or wood, copper and brass workers, blacksmiths and even goldsmiths. We gather this from writings of Sebastian Virdung, entitled “Musika,” published in 1511. He says: “The clavichordium, how it is made I will not describe, as this is a matter for the architect or the joiner, not for the musician.” The following proves that members of the trade guilds were still making musical instruments in the last half of the seventeenth century. In the ordinance of Nuremberg gentitled “Wood, Horn, Metal and Turning” it is remarked that the master turners shall have the right to make horns, fagotti and flageolets and other musical instruments. The making of musical instruments had gradually become a trade in itself, and many towns were harboring makers of separate articles. The musical development necessitated instruments which required more care than ordinary artisans could give them. The demand for instruments increased rapidly. This created the impulse to open up new branches of musical industry.
3The “Allgemeinen Schauplatz aller Künste, Professionen und Handwerken,” by Garzoni, illustrated by Johst Amman, in Nuremberg, mentions especially the musical instrument makers. Also Weigel describes, with illustrations, the makers of violins, harps, trumpets and flutes, organ builders and string makers. The extending of the trade dates from the end of the sixteenth and the beginning of the seventeenth century, as reported by Sebastian Virdung, whom we mentioned above; also by Michael Prætorius. The French historian Vidal even says: “In Germany the art of making harps had already taken a prominent place among the best known trades toward the end of the sixteenth century.”
5The principal points of the industry had been for a long time in the south and southeast. They were, besides Nuremberg and Augsburg, Munich, Prague and Vienna. In Middle and North Germany the more prominent places were Dresden, Frankfort, Berlin, Erfurt, Hanover and Hamburg. Of Leipsic there is hardly any mention made, although it was here that the instrument making industry gained an early foothold. As a music centre in Middle Germany it already had its city musical band in the fifteenth century, as the documents of that time affirm. This orchestra did duty at church and at civic festivities. Besides there were artists on the violin and small musical bands which played the harp, flute and the pretty keyed instrument. From all accounts and many letters from masters of that time, it is plain that Leipsic has been a favorite place with instrument makers for ages. The local historical documents make, however, no mention of this. The official books and registers of the city are searched in vain for information on this subject. The first representative of the musical instrument industry we find noticed in 1520 was the lyre maker Heinrich Stoer. Further on during that century the following are enumerated as having received citizenship: one organ builder, 1524; four harp makers, in the years 1569, 1577, 1590 and 1591; a flute maker, 1599. This does not mean that these were the only instrument makers during that period, as many aliens or non-citizens carried on this work. The official register of 1535 and 1543 mentions two clavichord makers resident of Leipsic which cannot be found under this designation in the city rolls. The industry was at the beginning only of small import. The Leipsic metal and gut string industry was prominently known throughout Germany. This is proven by a letter of the well-known burgomaster of Leipsic, Hieronymus Rauscher. He writes under date of April 29, 1575, to the Elector August of Saxony, sending him twenty-four rolls brass and steel strings for some instruments, also strings which are used on violins, excusing a delay of two months in carrying out his order, as the strings could not be obtained then in Leipsic, and that he had ordered them from Frankfort, and for which he had paid two guilders. He winds up by saying that the best strings, however, are made at Leipsic.
7The first makers of gut strings are recorded in 1556 as Nicolas Guden and Arnold Findiger. Their relation to the butcher trade was regulated in that year. It is also mentioned in the city records that a younger brother of Findiger should be a workman for one or three years more before receiving permission to own a shop himself.
9This young Findiger appears in 1560 in the citizen record as a string maker on his own account. This string making industry dropped out almost entirely
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.