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Scan 693
Musik-Lexikon, 1887
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1225 ff. u. 649 ff.). — Aus der hier gegebenen kurzen Beschreibung des Ohres ist ersichtlich, wie leicht eine Störung der Hörfunktionen möglich ist, ohne daß der Nerv krank ist.
3Ohrenquinten, eine von manchen Theoretikern aufgestellte Art von fehlerhaften Quintenparallelen, die tatsächlich nicht existieren, welche man aber doch hören soll (vgl. Parallelen)
5Okeghem (Odenheim, Okegem, Ochenghem, sogar Okergran) Johannes, der Altmeister der zweiten niederländischen Schule, aus welcher ein Josquin, Pierre de la Rue, Brumel, Compère etc. hervorgingen, d. h. unter dem die Kunst des imitierenden Kontrapunkts ihren Höhepunkt erreichte (vgl. Niederländer), gehört zu den berühmten Tontünstlern, deren Geburtsjahr und -Ort ebenso wie das Todesjahr unbekannt sind. Die Annahme, daß er zu Termonde geboren, beruht nur darauf, daß daselbst um 1400 eine Familie von O. existierte, die Fixierung seines Geburtsjahrs auf 1415 bis 1420 darauf, daß in der Kathedrale zu Antwerpen 1443 ein Sänger O. angestellt war. Einen sicheren Anhalt gewährt dagegen die Notiz bei Linctoris (1476), daß O., Regis, Busnois, Caron und Faugues Schüler von Dunstable, Binchois und Dufay gewesen (s. d.), welche wahrscheinlich sämtlich um 1455 noch lebten. Danach hat man keinerlei Ursache, die Geburt Okeghems früher als 1430 anzusehen. Ein zwingender Grund, die Identität des Antwerpener Kapellsängers O. mit dem berühmten Meister anzunehmen, ist nicht vorhanden (er könnte z. B. auch Okeghems Vater gewesen sein). 1461 war O. bereits erster Kapellsänger Karls VII. von Frankreich, und 1476 bezeichnete ihn Linctoris in der Widmung seines Buches »De natura et proprietate tonorum« als Proto-Kapellan Ludwigs XI.; 1484 war er Schatzmeister (trésorier) an der Kirche St. Martin zu Tours und daneben erster königlicher Kapellsänger und scheint 1498 unter Belassung seiner Titel in den Ruhestand getreten zu sein, lebte aber noch 1512. Der 1525 gestorbene Dichter Crestin schrieb ein Trauergedicht auf Okeghems Tod, das 1527 in einem Band von dessen Gedichten gedruckt wurde. O. ist daher bestimmt zwischen 1512 und 1525 gestorben, d. h. jedenfalls sehr alt geworden (über 80 Jahre). Von Okeghems Werken ist wenig erhalten, eine einzige Messe (»Cujusvis toni«) ist im »Liber XV missarum« des Petrejus (1538) gedruckt, 6 Motetten zu 3 und 4 Stimmen und eine Sequenz: »Miles mirae probitatis«, in Petruccis »Canti C« (1508), ein dreistimmiger Rätselkanon mit der Vorzeichnung (ohne Schlüssel): in S. Heydens »Ars canendi«, Glareans »Dodekachordon« etc.; verschiedenartige Lösungen s. bei Hawkins, Burney, Fortel, Riemann (»Notenschrift«) etc.; Bruchstücke einer »Missa prolationum« bei S. Heyden, solche der Messe »Cujusvis toni« (»Ad omnem tonum«) bei Glarean; Messen im Manuskript: »De plus en plus« (Rom), »Pour quelque peine« und »Ecce ancilla Domini« (Brüssel), Motetten zu Rom, Florenz (Privatbesitz) und Dijon. Wertvolle Funde hat in neuester Zeit van der Straeten gemacht (6 Messen, ein Ave und einige Motetten). In neuern Drucken finden sich außer den wenigen Stücken in den genannten Geschichtswerken nur ein vierstimmiges Kyrie und Christe aus der Messe »Cujusvis toni« in Rochlis' Sammlung und ein Bruchstück der »Missa prolationum« in Bessermanns »Kontrapunkt«.
7Oktave (Octava, sc. vox), die achte Stufe der Tonleiter, welche ebenso heißt wie der Anfangston (vgl. Intervall). Über die harmonische Bedeutung der O. s. Hlang. — Die Regel der O. (Regula dell' ottava, Règle de l'octave) hieß die knappe Fassung der Lehre des Accompanimentes bei den italienischen Praktikern des 17.—18. Jahrh., die im Reim die Lehre der Umkehrung der Altorde und des Rameauschen Fundamentalbasses ist; sie stellt als die natürlichen Harmonien der Tonleiter auf:
9Generalbass: (5) 6 6 (5) (5) 6 6 (5)
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