Books › Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für Gebildete aller Stände, unter Mitwirkung der Literarischen Commission des Berliner Tonkünstlervereins, so wie der Herren Musikdirector Billert, Concertmeister F. David … etc., 1870 › scan 160
Scan 160
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für Gebildete aller Stände, unter Mitwirkung der Literarischen Commission des Berliner Tonkünstlervereins, so wie der Herren Musikdirector Billert, Concertmeister F. David … etc., 1870
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1Erwähnung dürfte jedoch noch Alfons X. von Castilien verdienen. Wenn Alfons II. von Aragon mitten in der schönsten Blüthezeit südfranzösischer Kunstdichtung stand, so war es dagegen Hauptaufgabe Alfons' X., dem drohenden Einbruch sittlicher und Geschmacks-Rohheit in der Kunst entgegenzutreten. Auch er beschützte zu diesem Zwecke die besseren zeitgenössischen Trobadors und suchte besonders ihre gesellschaftliche Stellung zu heben. Angespornt zu diesem verdienstlichen, leider wenig erfolgreichen Streben wurde er vorzüglich durch den letzten hervorragenden Trobador Guiraut Riquier. Dieser suchte den Grund für den Verfall höfischer Lyrik vorzugsweise in der Verachtung, welche in jener späteren Epoche dem Stande der Dichter zu Theil wurde; setzte man sie doch oft mit gemeinen Jongleurs und Gauklern auf Eine Stufe. Guiraut Riquier verlangte von König Alfons, er solle die Trobadors durch besondere Titel und Auszeichnungen vor solcher Vermischung retten. Die Denkschrift, welche er hierüber 1275 an den König richtete, ist uns erhalten, und giebt ein interessantes Zeugniss für das redliche Streben des Dichters, welcher nur den wahren Grund des Uebels und die rechten Heilmittel desselben nicht richtig erkannt zu haben scheint. Die Zeit der Regierung Alfons' X. fällt in die Jahre 1252 bis 1282. In dem letzteren Jahre von seinem Sohne Sancho entthront und vertrieben, starb dieser hochgebildete und berühmte Fürst als Flüchtling am 4. April 1284 zu Sevilla.
3Alfred (Aelfred), der Grosse, König von England, geboren 848, gestorben am 28. Octbr. 901, ein um Kunst und Wissenschaft, so wie überhaupt um die geistige Erhebung Englands hochverdienter Regent, welcher trotz unaufhörlicher Kämpfe Gelehrte und Künstler in sein Land zog, um es mit aller Energie zu cultiviren. Dass er selbst Harfe spielte, ist unzweifelhaft, da unzählige Sagen davon sprechen, eben so soll er in Oxford den ersten Lehrstuhl der Musik errichtet und den Mönch Joannes Monachus als ersten Professor angestellt haben. Mit allen Tugenden und Gaben, die den Menschen ehren und den Fürsten auszeichnen, geschmückt, erscheint der Name A.'s verherrlicht in dem Bilde, welches die Geschichte von ihm aufrollt; als Dichter und Gelehrter, als Krieger, der in 56 Schlachten focht, als Staatswirth, Gesetzgeber und als König, als schlichter, frommer Christ und Mensch, als Sohn und Bruder, Gatte und Vater ist A. gross, ausgezeichnet, tadellos. A., wie ihn die streng richtende Geschichte kennen lehrt, ist einer der grössten Männer aller Zeiten. Daher darf es nicht Wunder nehmen, dass von ihm auch das Losungswort seiner Nation herrührt: sein Wahlspruch war: »Die Engländer sollen so frei werden wie ihre Gedanken!«
5Algarotti, Francesco, wurde am 11. Decbr. 1712 zu Venedig geboren und stammte aus einer sehr alten, reichen italienischen Familie. Er studirte zu Bologna und Padua mit Eifer die vielfachsten Wissenschaften und vermehrte seine ausgebretete Gelehrsamkeit durch Reisen nach Rom, Paris, London und St. Petersburg. Auf seiner Rückreise aus letzterer Stadt machte er die Bekanntschaft des damaligen Kronprinzen, nachmaligen Königs Friedrich II. von Preussen, mit dem er schon früher einen gelehrtenden Briefwechsel unterhalten hatte. Sofort nach seiner Thronbesteigung berief ihn Friedrich an seinen Hof, ernannte ihn zum Kammerherrn und erhob ihn in den Grafenstand. Am 28. Juni 1740 kam A. nach Berlin und begleitete alsbald den König nach der Provinz Preussen. Klimatische Rücksichten bestimmten ihn 1749, in sein Vaterland zurückzukehren, wo er am 3. Mai 1764 und zwar in Pisa starb. Als Zeichen unvermindert der Achtung und Liebe liess ihm Friedrich II. daselbst ein prächtiges Monument errichten. Derselbe soll auch geäussert haben, »A. sei der Einzige, welcher wisse und empfinde, was wahrhaft schön und gut sei«. Unter A.'s zahlreichen Schriften aller Fächer ist, ausser einigen Operntexten (»Aeneas in Troja« und »Iphigenia in Aulis«), für die Musik von höchstem, noch fortdauernden Interesse der unübertragliche »Saggio sopra l' Opera in Musica« (Livorno 1763), damals bereits ins Deutsche, Englische und Französische übersetzt und noch heute von wahrhaft classischem Werthe.
7Algermann, Franz, ein deutscher Musiker um 1590. Von ihm: »Ephemerides hymnorum ecclesiasticorum«, oder geistliche Kirchengesänge und »Himmlische Cantorey«, in Hamburg erschienen.
9Alghisi (auch Algisi), Paris Francesco, am 2. Juni 1666 zu Brescia gebo-
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